
Wer
Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
vor Furcht, die Nacht entdecken.
Der
wird zur Pflanze, wenn er will;
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde nur
durchs ganze Weltall reisen.
Der
weiß, daß er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen;
nur weiß er, was die anderen
und er selbst noch lernen müssen.
Wer in
sich fremde Ufer spürt
und Mut hat, sich zu recken,
der wird allmählich, ungestört
vor Furcht, sich selbst entdecken.
Abwärts
zu den Gipfeln
seiner selbst bricht er hinauf;
den Kampf mit seiner Unterwelt
nimmt er gelassen auf.
Wer
Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
von Furcht, die Nacht entdecken.
Wer
mit sich selbst in Frieden lebt,
der
wird genauso sterben,
und
ist selbst dann lebendiger,
als
alle seine Erben.
„Am Anfang der Welt schuf Gott eine Menge lebender Wesen von jeder Gestalt,Farbe und Art.
Darunter befanden sich auch weiße Menschen; aber das waren so verrückte und närrische Gesellen,
dass sich Gott ihrer schämte und wünschte, sie lieber nicht geschaffen zu haben.
Doch sie waren nun einmal, und umbringen wollte er sie auch nicht gerne, denn dazu war er zu gutmütig.“
Aus einer Sage der Fox-Indianer
LORD
BUDDHA HAT
GESAGT,
dass wir nicht an etwas glauben sollen, nur weil es gesagt worden ist;
auch
nicht an Traditionen, weil sie uns von altersher übermittelt
wurden; oder an
Gerüchte an sich; oder an Schriften der Weisen, weil sie von
Weisen stammen; oder
an Phantasiegebilde, von denen wir vielleicht vermuten, sie seien von
einem
Deva (d.h. angeblich auf dem Weg geistiger Inspiration) in uns
wachgerufen
worden; oder an Schlussfolgerungen, die wir aus etwaigen von uns aufs
Geratewohl gemachten Annahmen gezogen haben mögen; oder an
das,
was uns als
analoge Notwendigkeit erscheint; oder an die blosse Autorität
unserer Lehrer
oder Meister. Wir sollen aber glauben, wenn die Doktrin, das Gesagte
oder
Geschriebene in unserer eigenen Vernunft und im eigenen Bewusstsein
Bestätigung
erfährt. «Denn solches», sagt er
abschliessend,
«habe ich euch glauben gelehrt,
nicht nur weil ihr es gehört habt, sondern damit ihr das, was
in
eurem
Bewusstsein Glauben fand, auch dementsprechend und in vollstem Mass in
die Tat
umsetzt.»
- Geheimlehre
III,
401
Alice
Bailey
Wenn auf Erden alle das
Schöne als
schön erkennen,
so ist dadurch schon das Häßliche gesetzt.
Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,
so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.
Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
Lang und Kurz gestalten einander.
Hoch und Tief verkehren einander.
Stimme und Ton sich vermählen einander.
Vorher und Nachher folgen einander.
Also auch der Berufene:
Er verweilt im Wirken ohne Handeln.
Er übt Belehrung ohne Reden.
Alle Wesen treten hervor,
und er verweigert sich ihnen nicht.
Er erzeugt und besitzt nicht.
Er wirkt und behält nicht.
Ist das Werk vollbracht,
so verharrt er nicht dabei.
Und eben weil er nicht verharrt,
bleibt er nicht verlassen.
Was halb ist, wird ganz werden.
Was krumm ist, wird gerade werden.
Was leer ist, wird voll werden.
Was alt ist, wird neu werden.
Wer wenig hat, wird bekommen.
Wer viel hat, wird benommen.
Also auch der Berufene:
Er umfaßt das Eine
und ist der Welt Vorbild.
Er will nicht selber scheinen,
darum wird er erleuchtet.
Er will nichts selber sein,
darum wird er herrlich.
Er rühmt sich selber nicht,
darum vollbringt er Werke.
Er tut sich nicht selber hervor,
darum wird er erhoben.
Denn wer nicht streitet,
mit dem kann niemand auf der Welt streiten.
Was die Alten gesagt: »Was halb ist, soll voll
werden«,
ist fürwahr kein leeres Wort.
Alle wahre Vollkommenheit ist darunter befaßt.
Macht selten die Worte,
dann geht alles von selbst.
Ein Wirbelsturm dauert keinen Morgen lang.
Ein Platzregen dauert keinen Tag.
Und wer wirkt diese?
Himmel und Erde.
Was nun selbst Himmel und Erde nicht dauernd vermögen,
wieviel weniger kann das der Mensch?
Darum: Wenn du an dein Werk gehst mit dem SINN,
so wirst du mit denen, so den SINN haben, eins im SINN,
mit denen so das LEBEN haben, eins im LEBEN,
mit denen, so arm sind, eins in ihrer Armut.
Bist du eins mit ihnen im SINN,
so kommen dir die, so den SINN haben,
auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen im LEBEN,
so kommen dir die, so das LEBEN haben,
auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen in ihrer Armut,
so kommen dir die, so da arm sind, auch freudig entgegen.
Wo aber der Glaube nicht stark genug ist,
da findet man keinen Glauben.
Ein guter Wanderer
läßt keine Spur
zurück.
Ein guter Redner braucht nichts zu widerlegen.
Ein guter Rechner braucht keine Rechenstäbchen.
Ein guter Schließer braucht nicht Schloß noch
Schlüssel,
und doch kann niemand auftun.
Ein guter Bindet braucht nicht Strick noch Bänder,
und doch kann niemand lösen.
Der Berufene versteht es immer gut, die Menschen zu retten;
darum gibt es für ihn keine verworfenen Menschen.
Er versteht es immer gut, die Dinge zu retten;
darum gibt es für ihn keine verworfenen Dinge.
Das heißt die Klarheit erben.
So sind die guten Menschen die Lehrer der Nichtguten,
und die nichtguten Menschen sind der Stoff für die Guten.
Wer seine Lehrer nicht werthielte und seinen Stoff nicht liebte,
der wäre bei allem Wissen in schwerem Irrtum.
Das ist das große Geheimnis.
Was du zusammendrücken
willst,
das mußt du erst richtig sich ausdehnen lassen.
Was du schwächen willst,
das mußt du erst richtig stark werden lassen.
Was du vernichten willst,
das mußt du erst richtig aufblühen lassen.
Wem du nehmen willst,
dem mußt du erst richtig geben.
Das heißt Klarheit über das Unsichtbare.
Das Weiche siegt über das Harte.
Das Schwache siegt über das Starke.
Den Fisch darf man nicht der Tiefe entnehmen.
Des Reiches Förderungsmittel darf man nicht den Leuten zeigen.
Ohne aus der Tür zu
gehen,
kennt man die Welt.
Ohne aus dem Fenster zu schauen,
sieht man den SINN des Himmels.
Je weiter einer hinausgeht,
desto geringer wird sein Wissen.
Darum braucht der Berufene nicht zu gehen
und weiß doch alles.
Er braucht nicht zu sehen
und ist doch klar.
Er braucht nichts zu machen
und vollendet doch.
Was gut gepflanzt ist, wird
nicht ausgerissen.
Was gut festgehalten wird, wird nicht entgehen.
Wer sein Gedächtnis Söhnen und Enkeln
hinterläßt,
hört nicht auf.
Wer seine Person gestaltet, dessen Leben wird wahr.
Wer seine Familie gestaltet, dessen Leben wird völlig.
Wer seine Gemeinde gestaltet, dessen Leben wird wachsen.
Wer sein Land gestaltet, dessen Leben wird reich.
Wer die Welt gestaltet, dessen Leben wird weit.
Darum: Nach deiner Person beurteile die Person des andern.
Nach deiner Familie beurteile die Familie der andern.
Nach deiner Gemeinde beurteile die Gemeinde der andern.
Nach deinem Land beurteile das Land der andern.
Nach deiner Welt beurteile die Welt der andern.
Wie weiß ich die Beschaffenheit der Welt?
Eben durch dies.
Wahre Worte sind nicht
schön,
schöne Worte sind nicht wahr.
Tüchtigkeit überredet nicht,
Überredung ist nicht tüchtig.
Der Weise ist nicht gelehrt,
der Gelehrte ist nicht weise.
Der Berufene häuft keinen Besitz auf.
Je mehr er für andere tut,
desto mehr besitzt er.
Je mehr er anderen gibt,
desto mehr hat er.
Des Himmels SINN ist fördern, ohne zu schaden.
Des Berufenen SINN ist wirken, ohne zu streiten.
LAOTSE
O
HERR
mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich Hoffnung erwecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
ACH
HERR
lass du mich trachten,
nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich
tröste,
nicht dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen und wer da stirbt,
der erwacht zum ewigen Leben.
AMEN
FRANZ VON
ASSISI,
1182-1226
Mahamudra
Upadesha von Tilopa
Obwohl Mahamudra nicht gelehrt werden kann,
intelligenter und geduldiger Naropa, duldsam dem Leid
gegenüber, der Du Dich in Entbehrung übst und Hingabe
dem verwirklichten Lehrer gegenüber zeigst,
Du glücklicher, übe wie folgt mit Deinem Geist:
Zum Beispiel:
was ruht im Raum auf was? Im eigenen Geist, Mahamudra,
ist nichts zu finden. Ruhe entspannt im natürlichen Zustand
ohne zu versuchen etwas zu verändern.
Zum Beispiel
ist es wie wenn man in die Mitte des Himmels schaut
und nichts sieht.
In gleicher Weise,
wenn Dein Geist auf Deinen Geist schaut, hören die
Gedanken auf und Du erlangst unübertreffliches Erwachen.
Wenn diese Fessel des Geistes gelockert wird, gibt es
keinen Zweifel darüber, dass Du Befreiung erlangen wirst.
Zum Beispiel:
genau wie der Dampf, der, aus der Erde aufsteigend,
zu Wolken wird und sich in die Weite des Raums auflöst,
nirgendwo anders hingeht und trotzdem nicht weiter
irgendwo fortbesteht, so werden in gleicher Weise die
aufgeregten Gedanken die aus dem dem Geist und im Geist
auftauchen in dem Moment beruhigt, in dem Du die Natur
des Geistes erkennst.
Zum Beispiel:
Genau so wie die Natur des Raums über Farbe und Form
hinausgeht und genau wie der Raum daher nicht von den
verschiedenen Farben und Formen, die darin auftauchen
beeinträchtigt, verändert oder verdunkelt wird, geht
in
gleicher Weise die Essenz Deines Geistes über Farbe und Form
hinaus und wird daher niemals von den verschiedenen Farben
und Formen von Rechtschaffenheit oder Fehlverhalten
verdunkelt oder beeinträchtigt.
Zum Beispiel
ist es wie das strahlende Herz der Sonne, das niemals durch
die Dunkelheit von tausend Aeonen verdunkelt werden könnte.
In dieser Weise
wird diese leuchtende Klarheit, die die Essenz des Geistes ist,
niemals durch das Samsara unzähliger Zeitalter verdunkelt.
Zum Beispiel,
genau so wie wir den Begriff "Leer" dem Raum zuweisen,
ist da tatsächlich nichts im Raum enthalten,
das wir richtigerweise mit diesem Begriff beschreiben.
In gleicher Weise,
obwohl wir den Geist als Klares Licht oder Leuchtkraft bezeichnen,
wird es durch die blosse Tatsache, dass wir ihn so bezeichnen,
nicht zur Wirklichkeit, dass tatsächlich irgendetwas im Geist
enthalten ist, das eine wahre Grundlage für so eine
Bezeichnung
böte.
In dieser Weise
war die Natur des Geistes von Anfang an wie der Raum,
und es existieren keine Phänomene die nicht darin enthalten
sind.
Alle körperlichen Aktivitäten aufgebend, sollte der
Praktizierende
entspannt zur Ruhe kommen.
Ohne eine verbale Äußerung wird Deine Rede zu einem
Echo,
Klang untrennbar von Leerheit.
Denke mit dem Geist an rein gar nichts und betrachte
das Entstehen der Phänomene.
Der Körper ist nicht von Bedeutung, leer wie ein Bambusrohr.
Der Geist ist wie die Mitte des Raums. Er ist unbegreiflich.
Ruhe entspannt in dieser Erfahrung, ohne sie gehen zu lassen
oder einzuordnen.
Ruhe entspannt in diesem Zustand ohne ihn auszustrahlen,
ihn zu kategorisieren, loszulassen oder zu versuchen ihn festzuhalten.
Wenn der Geist keine Ausrichtung hat, ist es Mahamudra.
Auf diese Weise wirst Du unübertreffliches Erwachen erlangen.
Jene, die den Tantras und dem Fahrzeug der rechtschaffenden
Handlungen, dem Vinanya, den Sutras und den verschiedenen
Belehrungen des Buddha mit einer Anhaftung für deren
individuellen
schriftlichen Traditionen und ihrer individuellen Philosophie folgen,
werden nicht dahin gelangen, das leuchtende Mahamudra zu
erfahren, weil die Sicht auf diese Leuchtkraft oder das Klare Licht
durch ihre Absichten und Einstellungen verdunkelt werden.
Die konzepthafte Aufrechterhaltung von Versprechen verursacht
tatsächlich, dass man die Bedeutung der Samayas
(Gelübde)
verletzt.
Wenn Du die Bedeutung nicht verletzt, die ohne Beständigkeit,
nicht konzepthaft oder festgelegt ist, dann, indem Du diese
nicht verletzt, verletzt oder brichst Du auch die Samayas nicht.
Sei frei von jeder Absichtshaftigkeit, ohne mentale Ausrichtung
oder mentale Aktivität.
Gedanken entstehen aus sich selbst heraus und
lösen sich wieder in sich selbst hinein auf -
wie ein Gemälde auf einer Wasseroberfläche.
Dies ist die Fackel, die alle Verdunklung oder Dunkelheit vertreibt.
Wenn Du, frei von Zielgerichtetheit, nicht in Extremen verweilst,
wirst Du ohne Ausnahme die Bedeutung aller Belehrungen
Buddhas und aller Takas, der einzelnen Teile der Belehrungen
Buddhas, erkennen.
Wenn Du in diesem Zustand ruhst, wirst Du vom Gefängnis
des Samsara befreit werden. Wenn Du gleichmäßig in
diesem
Zustand ruhst, werden alle Deine Verfehlungen und
Verdunklungen verbrannt.
Deshalb wird dies die Fackel der Lehre genannt.
Törichte Leute, die sich für diese Lehre nicht
interessieren,
werden vom Fluss des Samsara hinfortgerissen.
Diese törichten Leute, die unerträgliche Leiden in den
niederen Existenzbereichen erfahren, verdienen Mitgefühl.
Wenn Du wünschst, Befreiung vom unerträglichen Leid zu
erfahren, verlasse Dich auf einen weisen verwirklichten Lehrer.
Wenn der Segen eines verwirklichten Lehrers Dein Herz
berührt, wird Dein Geist befreit werden.
Kye ho!
Alle samsarischen Dinge sind bedeutungslos,
sinnlos, Ursachen für Leid.
Und da alle diese Dinge, die getan oder geschaffen wurden,
sinnlos sind, schaue auf das, was Bedeutung hat.
Wenn Du
über jedes Greifen nach einen Objekt und Greifen nach einem
Subjekt hinausgehst, ist das der König aller Sichtweisen.
Wenn da
keine Ablenkung ist, dann ist das der König aller Meditationen.
Wenn da
keine Anstrengung ist, ist das der König aller Handlungen.
Wenn dort
keine Hoffnung und keine Furcht ist, dann ist das das
endgültige Ergebnis und die Frucht wurde erlangt.
Es geht darüber hinaus, ein Objekt konzeptueller Betrachtung
zu sein; die Natur des Geistes ist leuchtende Klarheit.
Da ist
kein Weg, der gegangen werden muss und dennoch betrittst
Du auf diese Weise den Pfad zur Buddhaschaft.
Da ist
kein Objekt der Meditation, aber wenn Du Dich an dies gewöhnst,
wirst Du unübertreffliches Erwachen erlangen.
Untersuche die weltlichen Dinge gründlich. Wenn Du dies tust,
wirst Du erkennen, dass nichts davon beständig ist,
keines dieser Dinge hat die Eigenschaft von Dauerhaftigkeit,
und in diesem Sinne sind sie alle wie Träume und magische
Illusionen.
Träume und magische Illusionen sind bedeutungslos.
Aus diesem Grund
über Dich in Entsagung und gib weltliche Belange auf.
Schneide die Fesseln der Anhaftung und Abneigung an
jene um Dich herum und an Deine Umgebung durch
und meditiere in Abgeschiedenheit, in Wäldern usw.,
alleine lebend.
Verweile in diesem Zustand ohne Meditation. Wenn Du das
erzielst, was ziellos ist, hast Du Mahamudra verwirklicht.
Zum Beispiel:
wenn die Wurzel eines Baums mit einem Stamm und vielen Ästen,
Blättern, Blüten und Früchten abgetrennt
wird, dann
werden
die zehntausend oder hunderttausend Äste automatisch sterben.
In gleicher Weise,
wenn die Wurzel des Geistes durchtrennt wird, werden
die Äste und Blätter des Samsara austrocknen.
Zum Beispiel:
genau wie die Dunkelheit, die sich über tausend Aeonen
angesammelt hat, von der Entzündung einer Lampe oder Fackel
vertrieben wird, in gleicher Weise vertreibt ein Augenblick der
Weisheit des Klaren Lichts des eigenen Geistes alle Unwissenheit,
Missetaten und Verdunkelungen, die in unzähligen Aeonen
angesammelt wurden.
Der Verstand kann nicht erkennen, was über den konzeptuellen
Geist hinaus geht, und Du wirst niemals das Ungeschaffene mit
den Mitteln zusammengesetzter Phänomene erkennen.
Wenn Du wünschst
das zu erlangen oder zu erkennen, was über den Verstand
hinausgeht und ungeschaffen ist, dann untersuche Deinen Geist
genau und übe Dich in nackter Achtsamkeit.
Erlaube es dem verschlammten Wasser der Gedanken,
sich selbst zu klären.
Versuche nicht, Erscheinungen aufzuhalten oder zu erschaffen.
Lasse sie, wie sie sind.
Wenn Du ohne Annehmen und Ablehnen äußerer
Erscheinungen
verweilst, wird alles was erscheint und existiert durch seine
ursprüngliche Natur aus sich selbst heraus besiegelt und
befreit.
Dies wurde an den Ufern des Ganges durch den grossartigen und
leuchtenden
Siddha Tilopa, der Mahamudra verwirklich hatte, an den Pandit aus
Kashmir,
Naropa, übertragen, der sowohl gelehrt als auch verwirklicht
war,
nachdem
Naropa zwölf Härten bzw. Entbehrungen
überwunden hatte.
Der Text wurde bei
Pullahari im Norden übersetzt und niedergeschrieben durch den
grossartigen
Naropa und den grossen tibetischen Übersetzer, den
König der
Übersetzer, Marpa
Chokyi Lodro. Mündlich ins Englische übersetzt von
Lama Yeshe
Gyamtso.
[Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt
von 'Akshah' - Jonten Dorje - am 26.11.2005]
Möge diese deutsche Übersetzung, nach bestem Wissen
und
Gewissen durchgeführt, die Bedeutung und Sicht der
Übertragung
Tilopas, Naropas und Marpas fehlerfrei transportieren und den
Wesen höchsten Nutzen bringen.
Nelson
Mandela - Auszug
aus der Antrittsrede von 1994
Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, - nicht unsere
Dunkelheit.
Wir fragen uns: "Wer bin ich denn eigentlich, dass ich leuchtend,
hinreisend, begnadet und phantastisch sein darf?"
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes!
Wenn du dich klein machst, dient das nicht der Welt.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere
um dich
herum
sich nicht verunsichert fühlen.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in
uns
ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen!
Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst
anderen
Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu
tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere
Gegenwart -
ohne unser Zutun - andere befreien.
***
"Ich glaube,
daß wir einen Funken
jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten
muß und das
unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können.
Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen, ist unsere
höchste
Pflicht!"
Johann Wolfgang von Goethe
Gayatri Mantra
(Übersetzung):
ICH BIN - ALLES
Erde, Weltall, unendlicher Bewußtseins-Raum;
darum laßt unsere Seele sich erheben, unser
Bewußtsein sich
versenken
in das anbetungswürdige Licht jener göttlichen
Lebens-Sonne
der Weisheit,
die unseren Geist erleuchten möge!
***
Rudolf Steiner
FÜR DIE TAGE DER WOCHE
Der Mensch
muß auf gewisse
Seelenvorgänge
Aufmerksamkeit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich
sorglos
und
unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vorgänge.
Es ist
natürlich am besten,
auf einmal nur
eine Übung vorzunehmen, zum Beispiel während acht
oder
vierzehn Tagen, dann die
zweite usw., dann wieder von vorne anfangen. Übung acht kann
indessen am besten
täglich gemacht werden. Man erreicht dann nach und nach
richtige
Selbsterkenntnis und sieht auch, welche Fortschritte man gemacht hat.
Später
kann dann vielleicht - mit Samstag beginnend - täglich eine
Übung vorgenommen
werden neben der achten, zirka fünf Minuten dauernden, so
daß dann jeweils auf
denselben Tag die nämliche Übung fällt. Also
Samstags
die Gedankenübung,
Sonntags die Entschlüsse, Montags das Reden, Dienstags das
Handeln, Mittwochs
die Taten usw.
SAMSTAG
Auf seine Vorstellungen
(Gedanken) achten.
Nur bedeutsame Gedanken denken. Nach und nach lernen, in seinen
Gedanken das
Wesentliche vom Unwesentlichen, das Ewige vom Vergänglichen,
die
Wahrheit von
der bloßen Meinung zu scheiden.
Beim Zuhören
der Reden der
Mitmenschen
versuchen, ganz still zu werden in seinem Innern und auf alle
Zustimmung,
namentlich alles abfällige Urteilen (Kritisieren, Ablehnen),
auch
in Gedanken
und Gefühlen, zu verzichten.
Dies ist die sogenannte
«richtige
Meinung».
SONNTAG
Nur aus
begründeter voller
Überlegung
heraus selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles
gedankenlose
Handeln, alles bedeutungslose Tun soll von der Seele ferngehalten
werden. Zu
allem soll man stets wohlerwogene Gründe haben. Und man soll
unbedingt
unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt.
Ist man von der
Richtigkeit
eines gefaßten
Entschlusses überzeugt, so soll auch daran festgehalten werden
in
innerer
Standhaftigkeit.
Dies ist das sogenannte
«richtige Urteil»,
das nicht von Sympathie
und
Antipathie abhängig gemacht wird.
MONTAG
Das Reden. Nur was Sinn
und
Bedeutung hat,
soll von den Lippen desjenigen kommen, der eine höhere
Entwickelung anstrebt.
Alles Reden um des Redens willen - zum Beispiel zum Zeitvertreib - ist
in
diesem Sinne schädlich.
Die
gewöhnliche Art der
Unterhaltung, wo
alles bunt durcheinander geredet wird, soll vermieden werden; dabei
darf man
sich nicht etwa ausschließen vom Verkehr mit seinen
Mitmenschen.
Gerade im
Verkehr soll das Reden nach und nach zur Bedeutsamkeit sich entwickeln.
Man
steht jedem Rede und Antwort, doch gedankenvoll, nach jeder Richtung
hin
überlegt. Niemals ohne Grund reden! Gerne schweigen. Man
versuche,
nicht zu
viel und nicht zu wenig Worte zu machen. Zuerst ruhig hinhören
und
dann
verarbeiten.
Man heißt
diese Übung
auch:
«das richtige
Wort».
DIENSTAG
Die
äußeren
Handlungen. Diese sollen nicht
störend sein für unsere Mitmenschen. Wo man durch
sein
Inneres (Gewissen)
veranlaßt wird zu handeln, sorgfältig
erwägen, wie man
der Veranlassung für das
Wohl des Ganzen, das dauernde Glück der Mitmenschen, das
Ewige, am
besten
entsprechen könne.
Wo man aus sich heraus
handelt -
aus
eigener Initiative -, die Wirkungen seiner Handlungsweise im voraus auf
das
Gründlichste erwägen.
Man nennt das auch
«die richtige
Tat».
MITTWOCH
Die Einrichtung des
Lebens.
Natur- und
geistgemäß leben, nicht im
äußeren Tand des
Lebens aufgehen. Alles vermeiden,
was Unruhe und Hast ins Leben bringt.
Nichts
überhasten, aber
auch nicht träge
sein. Das Leben als ein Mittel zur Arbeit, zur
Höherentwickelung
betrachten und
demgemäß handeln.
Man spricht in dieser
Beziehung
auch vom
«richtigen
Standpunkt».
DONNERSTAG
Das menschliche
Streben. Man
achte darauf,
nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt,
aber auch
nichts zu
unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet.
Über das
Alltägliche,
Augenblickliche
hinausblicken und sich Ziele (Ideale) stellen, die mit den
höchsten Pflichten
eines Menschen zusammenhängen, zum Beispiel deshalb im Sinne
der
angegebenen
Übungen sich entwickeln wollen, um seinen Mitmenschen nachher
um
so mehr helfen
und raten zu können, wenn vielleicht auch nicht gerade in der
allernächsten
Zukunft.
Man kann das Gesagte
auch
zusammenfassen
in:
«Alle
vorangegangenen
Übungen zur
Gewohnheit werden lassen»
FREITAG
Das Streben,
möglichst viel
vom Leben zu
lernen.
Nichts geht an uns
vorüber,
das nicht
Anlaß gibt, Erfahrungen zu sammeln, die nützlich
sind
für das Leben. Hat man
etwas unrichtig oder unvollkommen getan, so wird das ein
Anlaß,
ähnliches
später richtig oder vollkommen zu machen.
Sieht man andere
handeln, so
beobachtet
man sie zu einem ähnlichen Ziele (doch nicht mit lieblosen
Blicken). Und man
tut nichts, ohne auf Erlebnisse zurückzublicken, die einem
eine
Hilfe sein
können bei seinen Entscheidungen und Verrichtungen.
Man kann von jedem
Menschen,
auch von Kindern,
viel lernen, wenn man aufpaßt.
Man nennt diese
Übung auch
«das richtige Gedächtnis»
das heißt
sich erinnern an
das Gelernte, an die gemachten
Erfahrungen.
ZUSAMMENFASSUNG
Von Zeit zu Zeit Blicke
in sein
Inneres
tun, wenn auch nur fünf Minuten täglich zur selben
Zeit.
Dabei soll man sich in
sich selbst versenken, sorgsam mit sich zu Rate gehen, seine
Lebensgrundsätze
prüfen und bilden, seine Kenntnisse - oder auch das Gegenteil
- in
Gedanken
durchlaufen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt
und den
wahren Zweck des
Lebens nachdenken, über seine eigenen Fehler und
Unvollkommenheiten ein
ernstliches Mißfallen haben, mit einem Wort: das Wesentliche,
das
Bleibende
herauszufinden trachten und sich entsprechende Ziele, zum Beispiel zu
erwerbende Tugenden, ernsthaft vornehmen. (Nicht in den Fehler
verfallen und
denken, man hätte irgend etwas gut gemacht, sondern immer
weiter
streben, den
höchsten Vorbildern nach.) Man nennt diese Übung auch
«die richtige
Beschaulichkeit».
****
Jesus sprach
:
Ein reicher Mann
hatte viele Güter und dachte
:
Ich werde meine
Güter benutzen,
um zu säen, zu
ernten, zu pflanzen und meine
Scheunen mit Frucht zu füllen,
auf dass ich an
nichts Mangel leide.
Das war es
, was er in seinem Herzen dachte.
Und in einer Nacht
starb er.
Wer Ohren hat, höre!
***
Jesus sprach:
Wenn die Leute euch
fragen :
Woher seid ihr
gekommen?
So antwortet ihnen:
Wir sind aus dem
Lichte gekommen, da wo das Licht
aus sich selbst entstanden ist.
Und wenn man euch
fragt :
Wer seid ihr?
So
antwortet :
Wir sind seine Söhne und sind die Erwählten des lebendigen Vaters.
Wenn euch die Leute fragen:
Was ist das Zeichen
eures Vaters
an euch? So antwortet ihnen :
Es ist BEWEGUNG und RUHE.
***
Jesus sprach :
Selig sind die, die verfolgt wurden in ihrem Herzen, jene, die den Vater in WAHRHEIT ERkannten.
An welchen Tage kommt das Königreich?
Jesus antwortete :
Es kommt nicht im Ausschauen danach.
Man wird nicht
sagen:
Seht, hier! oder : Seht, dort!
Das Königreich des Vaters IST vielmehr ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen ES nicht.
Jesus sprach :
Wenn eure
Anführer euch sagen :
Seht, das Königreich ist im Himmel, dann werden die Vögel des Himmels euch zuvorkommen.
Wenn sie sagen:
Es ist im Meere, werden die Fische euch zuvorkommen.
Aber das Königreich IST inwendig in euch und außerhalb von euch.
Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid.
Wenn ihr euch aber nicht erkennen werdet, dann seid ihr in Armut,
UND IHR SEID DIE ARMUT.
Aus dem Thomas-Evangelium
Das
Herz des
Bewusstseins
Übersetzung von
Dr. Thomas Byrom
Chapter 1
1
Oh Meister,
sage mir wie ich
Losgelöstheit, Weisheit und Freiheit finde.
2
Kind,
wenn Du wünschst frei zu sein,
meide das Gift der Sinne,
Suche den Nektar der Wahrheit
Von Liebe und Vergebung,
Einfachheit und Fröhlichkeit.
3
Erde, Feuer und Wasser,
der Wind und der Himmel -----
du bist nichts von alldem.
Wenn Du
wünschst frei zu sein,
Wisse Du bist das Selbst,
der Zeuge von all dem,
Das Herz des Bewusstseins.
4
Setze Deinen Körper beiseite,
sitze in Deinem eigenen Bewusstsein,
Du wirst sofort glücklich sein,
Für immer ruhig,
Für immer frei.
5
Du hast keine Kaste,
keine Pflichten binden dich.
Formlos und frei,
Jenseits der Reichweite Deiner Sinne,
der Zeuge von allen Dingen.
So sei
glücklich!
6
Richtig oder Falsch,
Freude oder Kummer,
dieses ist nur im Verstand,
das bist nicht Du.
Das ist nicht wirklich Du,
wer arbeitet oder sich vergnügt,
Du bist überall,
Für immer frei.
7
Für immer und wirklich frei,
der einzige Zeuge von allen Dingen,
Aber siehst Du Dich selbst getrennt,
dann bist Du gebunden.
8
„Ich tue dies. Ich tue das.“
Die große schwarze Schlange des Egoismus,
hat Dich gebissen!
„Ich tue
nichts.“
Das ist der Nektar des Glaubens,
So trinke und sei glücklich.
9
Wisse Du bist Eins,
Reines Bewusstsein,
Mit dem Feuer dieser Überzeugung,
Brenne nieder den Wald der Unwissenheit,
Befreie Dich selbst von Kummer,
und sei fröhlich.
10
Sei fröhlich!
Weil Du Fröhlichkeit bist, unendliche Fröhlichkeit.
Du bist das Bewusstsein selbst.
Ebenso wie das Knäuel Seil,
Irrtümlich von Dir für eine Schlange gehalten wird,
So irrst Du Dich in dieser Welt.
11
Wenn Du denkst dass Du frei bist,
Bist Du Frei.
Wenn Du denkst dass Du begrenzt bist,
Bist Du begrenzt.
Denn die Redensart ist wahr:
Du bist was Du denkst.
12
Das Selbst sieht wie die Welt aus.
Aber das ist nur eine Illusion.
Das Selbst ist überall.
Eins.
Ruhig.
Frei.
Perfekt.
Der Zeuge von allen
Dingen,
Bewusstsein.
Ohne Handlung,
Verhaftung oder Begehren.
13
Meditiere auf das Selbst.
Eins ohne Zwei,
Gesteigertes Bewusstsein.
Gib die Illusionen auf,
dass das Selbst getrennt ist.
Gib das Gefühl
auf,
innerhalb oder jenseits,
das Du dies oder das bist.
14
Mein Kind,
Weil Du denkst, dass Du der Körper bist.
Für lange Zeit warst Du begrenzt.
Wisse, Du bist reines Bewusstsein.
Mit diesem Wissen als
Dein Schwert,
zerschneide Deine Ketten,
Und sei
fröhlich!
15
Weil Du bereits Frei bist,
Ohne Klage oder Makel,
Leuchtend und hell.
Du bist begrenzt,
nur durch die Angewohnheit der Meditation.
16
Deine Natur ist reines Bewusstsein,
Du fließt in allen Dingen, (auch: Du entspringst aus allen
Dingen,
und alle Dinge fließen in Dir, alle Dinge entspringen in Dir.)
Aber hüte Dich,
In der Beschränktheit des Verstandes!
17
Du bist immer das selbe,
Unergründliches Bewusstsein.
Grenzenlos und frei,
gelassen und bewegt.
Begehre nur Dein eigenes
Bewusstsein.
18
Alles was Form annimmt ist falsch,
Dulde nur das Formlose.
Wenn Du verstehst,
Die Wahrheit dieser Lehre,
wirst Du nicht wiedergeboren werden.
19
Denn Gott ist unendlich,
Innerhalb des Körpers und ohne ihn,
Wie ein Spiegel,
und das Abbild in einem Spiegel.
20
Wie die Luft überall ist,
fließend um einen Topf,
und ihn füllend,
So ist Gott überall
Füllend alle Dinge,
und fließend durch Sie für immer.
Behandle jeden Menschen als
Freund,
indem du daran denkst, dass:
Er ist unser Freund, der wie wir geboren wurde und der alt werden wird, krank werden wird und sterben wird, genau wie wir.
Er ist unser Freund, der in dem wechselnden Zyklen der „Ich-Geburten“ umherschwimmt, genau wie wir.
Er ist unser Freund, der der Kraft der Herzenstrübungen unterliegt, deshalb irrt auch er gelegentlich, genau wie wir.
Er ist nicht frei von Gier, Hass und Verblendung, genauso wenig wie wir.
Er macht deshalb manchmal Fehler, genau wie wir.
Er weiß weder warum er geboren wurde, noch kennt er das Nibbana, genau wie wir.
Er tut manche Dinge wie es ihm gefällt, genau wie wir.
Er will gut sein, herausragend, berühmt, genau wie wir.
Er nimmt oft, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, von anderen soviel er nur bekommen kann, genau wie wir.
Er hat das Recht verrückt nach dem Guten zu sein, sich am Guten zu berauschen, sich vom Guten blenden zu lassen, im Guten zu ertrinken, genau wie wir.
Er ist ein gewöhnlicher Mensch, der an vielen Dingen haftet, genau wie wir.
Er hat nicht die Pflicht für uns zu leidern oder zu sterben, er muss sein eigenes Leben leben, genau wie wir.
Er gehört einer Nation und einer Religion an, genau wie wir.
Er handelt impulsiv und übereilt, genau wie wir.
Er hat die Pflicht der Verantwortung gegenüber seiner Familie, genau wie wir.
Er hat das Recht auf einen eigenen Geschmack und auf eigene Vorlieben, genau wie wir.
Er hat das Recht zu wählen (sogar eine andere Religion), was immer ihn zufriedenstellt, genau wie wir.
Er hat das Recht öffentliche Einrichtungen zu benutzen und einen gerechten Anteil am Allgemeingut zu haben, genau wie wir.
Er hat ein Recht neurotisch oder verrückt zu sein, genau wie wir.
Er hat ein Recht auf Hilfe und Sympathie, genau wie wir.
Er hat das Recht, entsprechend seiner Veranlagung, Konservativer, Sozialist oder Freidenker zu sein, genau wie wir.
Er hat das Recht auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, bevor er an andere denkt, genau wie wir.
Er hat das Menscherecht auf dem Angesicht dieser Erde zu wandeln, genau wie wir.
Das
Herz der Erkenntnis
PRATYABHIJNAHRDAYAM
Dieser
Text wurde von dem indischen Weisen Kshemaraja verfaßt, ca.
1020
n. Chr.
Er besteht aus 20 kurzen, prägnanten Absätzen, von
denen
Muktananda sagt: “Wenn
du diese 20 Absätze verstanden hast, brauchst du keinen 21.
mehr
zu verstehen”.
1. Der erste Absatz lautet: CITIH SVATANTRA VIŚVA-SJDDHI-HETUH
Das absolute Bewußtsein, Citi, erschafft das Universum aus
Ihrem
eigenen freien
Willen.
Das absolute Bewußtsein ist absolut frei, es entscheidet sich
dazu, das gesamte
Universum zu erschaffen, zum gesamten Universum zu werden. Es wird zu
allem
Unterscheidbaren: einzelnen Gedanken, Gefühlen wie Freude und
Schmerz, allem,
was wir in den Träumen wahrnehmen und allem Materiellen,
sinnlich
Wahrnehmbaren. Es wird zu allem Erscheinenden in Raum und Zeit. Alle
möglichen
Bewusstseinszustände sind Abwandlungen des Einen, absoluten
Bewusstseins. Alles
, was existiert, ist ein Ausdruck des freien Willens und der Existenz
von Gott
(Citi, das absolute Bewusstsein). Trotzdem bleibt es auch jenseits von
Raum und
Zeit, jenseits von Unterscheidung und Trennung immer ganz, immer
vollständig,
immer Eins.
.
2. SVECCHAYĀ SVABHITTAU VIŚVAM UNMĪLAYATI
Allein durch die Kraft ihres eigenen freien Willens entfaltet Sie das
Universum
auf ihrem eigenen Schirm (auf sich selbst als Grundlage)
Citi braucht nichts zweites, um das gesamte Universum zu manifestieren.
Sie
selbst ist die Leinwand, der Projektor, der Film, der Regisseur, die
Schauspieler, die Handlung , die Kulisse und der Betrachter. Nichts
geschieht
gegen ihren höchsten freien Willen. “Kein Blatt
fällt
zu Boden, ohne dass Gott
es weiß”. Wie sollte es anders sein, wenn das
gleiche
Bewusstsein in allem und
als alles gegenwärtig ist?
3. TANNĀNĀ ANURŪPA GRĀHYA-GRĀHAKA-BHEDĀT
Das Universum ist vielfältig (besteht aus vielen Dingen)
aufgrund
der
Unterscheidung gegenseitig aufeinander abgestimmter (anurupa) Objekte
(grahya)
und Subjekte (grahaka).
Dieser Absatz ist sehr interessant, denn er hebt den Widerspruch
zwischen
Idealismus (das Bewusstsein bestimmt das Sein) und Materialismus (das
Sein
bestimmt das Bewusstsein) auf und gibt beiden Recht. Hier ist die Rede
von
“gegenseitig aufeinander abgestimmten Subjekten und
Objekten”, es gibt kein
Überwiegen, nur ein sich gegenseitig Bedingen. Einerseits
macht es
klar, dass
wir zu dem werden, was wir sind, durch das, was wir erlebt haben. Alle
sinnlichen und seelischen Eindrücke formen unsere
Identität.
In diesem Sinn
wird das Subjekt durch die Wahrnehmung der Objekte erschaffen.
Andererseits können
wir dadurch, dass wir unser Subjekt, unser Bewusstsein,
verändern,
einen großen
Einfluss auf die äußere Realität nehmen.
Sobald wir uns
innerlich verändern,
wird uns die Welt anders begegnen, werden auch andere Objekte
für
unser
Bewusstsein wahrnehmbar. Subjekt und Objekt sind gegenseitig
aufeinander
abgestimmt.
4. CITI SANKOCĀTMĀ CETANO'PI SANKUCITA VIŚVAMAYAH
Eine individuelle Person (das Erfahrung machende Individuum) ist
jemand, in dem
sich Bewußtsein (chiti) zusammengezogen hat; sie besteht aus
dem
Universum in
kontrahierter Form (hat das Universum in kontrahierter Form als seinen
Körper).
Auch wir, als die einzelne, die Erfahrungen machende Person, sind nicht
verschieden vom absoluten Bewusstsein. Citi ist auch, durch ihren
eigenen
freien Willen, zu uns geworden, so wie wir sind. Das universelle
Bewusstsein
hat sich zu einem individuellen Bewusstsein zusammengezogen, freiwillig
beschränkt, um individuelle Erfahrungen machen zu
können.
Trotzdem ist und
bleibt es wesentlich Citi, das universelle Bewusstsein, das die gesamte
Potentialität des Universums enthält.
5. CITIREVA CETANA PADĀDAVARŪDHĀ CETYA SANKOCINĪ CITTAM
Citi selbst wird, indem Sie von ihrer Ebene des reinen Bewusstseins
(chetana)
herabsteigt, zum menschlichen Geist (chitta - Engl.: mind)
während
sie sich in
Übereinstimmung mit den wahrgenommenen Objekten (chetya)
zusammenzieht.
Schon aus den verschiedenen Worten, die im Sanskrit für
bestimmte
Formen des
Bewusstseins und Bewusstseinsinhalte – Objekte –
verwendet
werden wird deutlich,
dass es sich um verschiedene Formen ein und derselben
“Substanz” handelt. Sie
alle haben denselben Wortkern, Chit oder Chet. “Gold bleibt
Gold,
auch wenn es
zu verschiedenen Schmuckstücken verarbeitet wird”,
sagt
Muktananda.
Wir sollten unseren Geist nicht unterdrücken, wenn wir
meditieren,
denn damit
würden wir das unterdrücken, was wir eigentlich in
der
Meditation suchen.
Außerdem würden wir uns in diesem Versuch
erschöpfen,
denn der Geist lässt sich
nicht unterdrücken, er ist das eigentlich Lebendige. Anstatt
zu
versuchen, den
Geist auszuschalten sollten wir den menschlichen Geist als das sehen,
was er
ist, als eine Form des göttlichen Bewusstseins, die in uns
spielt.
Wenn wir
dies tun, werden wir “von Selbst” ruhig und es
öffnet
sich eine Tür zum universellen
Bewusstsein. “Der Yogi behält seine
Göttlichkeit auch
inmitten verschiedener
Gedanken und Phantasien”.
6. TANMAYO MĀYĀ PRAMĀTĀ
Deshalb ist derjenige, der Einschränkungen erfährt,
diese
individuelle,
kontrahierte Bewusstheit.
Wenn sich Chiti zusammenzieht, verbirgt sie ihre wahre Natur. Sie wird
dann zur
māyā pramātā, der individuellen Seele, die von māyā geleitet wird. Maya
ist der
Begriff für Täuschung, Fehlwahrnehmung. Als
individuelle
Wesen nehmen wir die
Welt aus einem eingeschränkten und damit einseitigen,
“falschen”, Blickpunkt
wahr. Es ist, wie in einen zerbrochenen Spiegel zu schauen. Wir sehen
nur
Bruchstücke, Ausschnitte. Die Ganzheit ist unserem Blick
verborgen. Wir
erfahren Einschränkungen und Begrenztheiten, worunter wir
leiden.
Und trotzdem
würden wir nicht leiden, wenn nicht etwas in uns noch um die
(verlorene)
Ganzheit wissen würde. Wir können uns nur nach etwas
sehnen,
von dem wir eine
Ahnung haben, dass es existiert.
7. SA CAIKO DVIRŪPAS TRIMAYAŚ CATURĀTMĀ SAPTA PANCAKA SVABHĀVA
Und obwohl er nur einer ist, wird der Eine zweifach, dreifach und
vierfach, und
zu der Natur der sieben Fünfergruppen.
Mit “Er” ist hier Shiva oder Gott gemeint. Dies
wird
Synonym mit Chiti
verwendet, wobei Chiti mehr auf den Aspekt des Bewusstseins, Shiva mehr
auf den
Aspekt des Göttlichen Selbst verweist. Zweifach ist die
Aufteilung
in Subjekt
und Objekt, mit dreifach sind die drei malas gemeint, die im
nächsten Absatz
beschrieben werden, die übrigen Unterteilungen entsprechen
einer
komplizierten
zunehmenden Differenzierung, die in der indischen Philosophie
beschrieben wird.
Hier muss ich auf weiterführende Literatur verweisen.
8. TAD BHŪMIKĀH SARVA-DARŚANA-STHITAYAH
Die Standpunkte aller philosophischen Systeme sind lediglich
unterschiedliche
Rollen von diesem Bewusstsein oder Selbst.
So, wie das Individuum nur immer einen Teil des Bildes sieht,
können auch
Philosophien nur immer Teilansichten des Ganzen darstellen.
9. CIDVAT TACCHAKTI SANKOCĀT MALĀVRTAH SAMSĀRĪ
Wegen Seiner Einschränkung (Konstriktion) der shakti wird das
universelle
Bewusstsein zu einem Wesen, das der Wiedergeburt unterworfen ist
(samsarin) und
das von den drei Unreinheiten (malas) umhüllt ist.
Die Wahrheit ist, dass der höchste Gott, reines Bewusstsein,
in
absoluter
Freiheit lebt. Er ist all-durchdringend und allwissend. Durch Seine
Shakti
(schöpferische Kraft) kann Er zu jeder Zeit alles tun, was Er
will. Wenn Sich
das universelle Bewusstsein zusammenzieht, erlebt Gott Seine
frühere Kraft der
Allwissenheit, Allmacht, Vollkommenheit, Ewigkeit und Allgegenwart in
einem
reduzierten Zustand. Die drei malas sind Unreinheiten oder
Einschränkungen,
denen wir als sterbliche Wesen unterworfen sind.
· ānava mala [bringt das Gebundensein des universellen
Selbst
hervor und
reduziert es auf ein beschränktes, individuelles Wesen; die
angeborene
Unwissenheit eines Individuums über seine wahre Natur; das
grundsätzliche
Mangelbewußtsein] ,
· māyiya mala [die Einschränkungen, die durch Maya
hervorgerufen werden, welche
Grundlage für das Erlebnis der individuellen Seele darstellt
mit
seinem
subtilen und grobstofflichen Körper; das Bewusstsein von
Unterschieden],
· kārma mala [die Einschränkung der Kraft zum
Handeln auf
eine endliche,
begrenzte Fähigkeit; die Unreinheit, welche durch die
Eindrücke auf den Geist
verursacht werden durch das karma eines Menschen, oder durch das
Handeln aus
Absicht];
10. TATHĀPI TADVAT PAÑCA KRTYĀNI KAROTI
Selbst unter diesen Umständen vollbringt er die fünf
Handlungen Shivas (pancha
krtyana)
So wie sich der Geist nicht Wesensmäßig vom
universellen
Bewusstsein
unterscheidet, unterscheidet sich auch nicht das Handeln des Menschen
vom
Handeln Gottes. Es unterscheidet sich nur in der
Größenskala. Die
Handlungsqualitäten (siehe unten) bleiben die gleichen, nur
die
Kraft und die
Auswirkungen erfährt das individuelle, sterbliche Wesen als
eingeschränkt.
11. ĀBHĀSANA RAKTI VIMARŚANA BIJĀVASTHĀPANA VILĀPANA TASTĀNI
Diese fünf Handlungen Shivas sind Erschaffen, Erhalten,
Verbergen
(der
Urheberschaft), Zerstören und Gnade Spenden.
Wenn in uns ein Gefühl oder ein inneres Bild auftaucht, so
entspricht das dem
Erschaffen. Solange derselbe Bewusstseinsinhalt bestehen bleibt, wird
er
erhalten, bis er durch etwas anderes, das im Bewusstsein erscheint,
zerstört
wird. Wir sehen die meisten Bewusstseinsinhalte als objektiv an, und
damit
bleibt uns verborgen, dass eigentlich wir die Urheber der Inhalte
unseres
Bewusstseins sind. Dies sehen wir oft sehr deutlich, wenn zwei
verschiedene
Personen ein und dieselbe äußere Situation als
vollkommen
unterschiedlich
erleben. Wenn wir zu erkennen beginnen, dass wir den Schlüssel
zu
unserem
Bewusstsein selbst in der Hand haben, dann wird uns die Gnade einer
lebensverändernden Erkenntnis zuteil.
Auf der größeren Skala des universellen Bewusstseins
geschehen die gleichen
grundsätzlichen Vorgänge: indem der Eine Gott in sich
Unterscheidung und
Differenzierung erzeugt, erschafft er die Welt, und er erhält
sie
über einen
langen Zeitraum als ein sich entwickelndes Wesen. Doch immer geschieht
auch Zerstörung
und Auflösung. Nur so kann Platz für Neues geschaffen
werden.
Sobald Gott zu
einem eingeschränkten, nicht mehr allumfassenden Wesen wird,
verbirgt er vor
sich selbst seine wahre Natur, die allumfassend und ewig ist. Nur durch
diesen
Akt des Verbergens ist das Drama des manifesten Universums
überhaupt möglich.
Nur, wenn es ein vorher und ein Nachher, verschiedene Orte,
verschiedene
Subjekte und Objekte gibt, kann sich Gott in verschiedenen Rollen in
seiner
ganzen Vielfalt erfahren. Und doch ist es nur sein Bewusstsein, das in
allen
und allem lebt und webt.
An einem bestimmten Punkt der Entwicklung kommt der Moment, wo Gott
beschließt,
dem, und ihn zum Bewusstsein seiner einzelnen, eingeschränkten
Individuum das
Bewusstsein seiner Abgetrenntheit zu nehmen wahren Identität
zurückzuführen.
Durch diesen Gnadenakt gibt sich Gott wieder als der eigentliche
Handelnde zu
erkennen und ermöglicht der zuvor sich als unvollkommen und
isoliert erlebenden
individuellen Seele die Rückkehr zum Ursprung.
“Suche nicht
Gott, suche den
Einen, der nach Gott sucht” sagt Rumi. “Ich habe
viele
Jahre lang an eine Türe
geklopft. Als sie mir endlich geöffnet wurde, war es von
innen”.sagt Meister
Eckehart. “Gott lebt in Dir als Du” sagt
Muktananda.
Buddha, Christus, andere
Heilige und wirkliche Gurus verkörpern diese gnadenspendende
Kraft
Gottes, denn
sie können diesen Prozess der Rückkehr zum Ganzen in
Gang
bringen und zum Ziel
führen, wenn wir uns ihrer Führung
überlassen.
12. TADAPARIJÑĀNE SVAŚAKTIBHIR VYĀMOHITATĀ SAMSĀRITYAM
Ein Wesen, das der Wiedergeburt unterworfen ist (samsarin) zu sein
bedeutet,
von seinen eigenen Kräften getäuscht zu werden, weil
man
unwissend ist [über
den wahren Urheber der fünf Handlungen].
Gott verbirgt vor sich selbst seine wahre Natur und lebt in
selbstgewählter
Einschränkung als ein sterbliches Wesen. In diesem Zustand
existiert ein “Tabu
zu wissen, wer wir sind”.
13. TADAPARIJÑĀNE CITTAM EVA ANTARMUKHĪBHĀVENA CETANA
PADĀDHYĀROHĀT CITIH
Indem das individuelle Bewusstsein (Chitta) volles Wissen erlangt
(darüber, der
Urheber des fünffältigen Handelns zu sein), wird es
durch
eine innerliche
Bewegung zum universellen Bewusstsein und erhebt sich zum
göttlichen
Bewusstsein.
Wenn Gott durch seine Fähigkeit der Gnade dieses Tabu aufhebt,
nimmt das Individuum
wieder seiner Identität mit dem universellen Bewusstsein wahr.
Dies geschieht
durch eine “innere Bewegung”. Das Individuum
richtet seinen
Blick nicht mehr
ausschließlich auf die äußere Welt,
sondern wendet
sich dem Erzeuger der
Bewusstseinsinhalte zu. Wie ein Kinobesucher, der nicht mehr gebannt
auf die
spannende Handlung auf der Leinwand schaut, sondern wahrzunehmen
beginnt, dass
die Bilder vom Projektor kommen. Wir können diese Innere
Bewegung
auch als
“innere Umkehr” oder
“Erweckung” beschreiben
und wahrnehmen.
14. CITIVAHNIR AVAROHAPADE CHANNO`PI MĀTRAYĀ MEYENDHANAM PLUSHYATI
Auch wenn das Feuer des universellen Bewusstseins herabsteigt und
obwohl es
(von Maya) verdeckt wird, verbrennt es teilweise das, was gewusst wird.
Nach dem in Gang kommen dieser inneren Umkehr, die häufig
durch
ein
einschneidendes inneres Erlebnis markiert wird, kommt es zu einem
Reinigungsprozess, in dem die falschen und eingeschränkten
Sicht
– und
Seinsweisen langsam aufgelöst und gleichsam in einem
reinigenden
Feuer verbrannt
werden.
15. BALALĀBHE VIŚVAM ĀTMASĀT-KAROTI
Indem er die (inhärente Kraft) der chiti erwirbt, nimmt der
Aspirant das
Universum in sich auf.
In der Folge nimmt der betroffene Mensch, sei es nun ein
Schüler
auf einem
spirituellen Weg, sei es nach einer spontanen Erweckung oder nach einem
einschneidenden Erlebnis wie nach einem schweren Unfall, die Welt
zunehmend als
mit seinem eigenen Bewusstsein verbunden wahr. Inneres und
äußeres Erleben
scheinen sich immer mehr sinnvoll zu ergänzen und gegenseitig
zu
durchwirken.
Die vorher scharfe Trennungslinie zwischen sich und der Welt, zwischen
innen
und außen wird durchlässig, und er erlebt sich
eingebunden
in einen sinnvollen
Zusammenhang, der durch die Liebe zu sich selbst und zu allen
Geschöpfen hergestellt
wird. Schließlich beginnen sich die Unterschiede
aufzulösen
und er nimmt nur
mehr die Liebe oder das Bewusstsein in ihrer reinen Form wahr. Alles
erscheint
ihm Liebe und Bewusstsein zu sein, ohne jeden Unterschied.
16. CIDĀNANDA LĀBHE DEHĀDISHU CETYAMĀNESHVAPI CIDAIKĀTMYA PRATIPATTI
DĀRDHYAM
JIVANMUKTIH
Hat er die Seligkeit des höchsten Bewusstseins (chit) erlangt,
wird er sicher
verankert in seiner Identität mit dem Bewusstsein, auch wenn
er
seinen Körper
und so weiter erlebt. Dann ist er ein jivanmukta, befreit
während
er noch lebt.
Wenn jemand in diesem Zustand des höchsten Bewusstseins
angelangt
ist, heißt
das nicht, dass er die “normale” Realität
nicht mehr
erfährt. Natürlich bleibt
der Betroffene ein Mensch mit einem menschlichen Körper und
einer
menschlichen
Sinneswahrnehmung, menschlichen Gemüts – und
Denkfunktionen.
Nichts davon geht
verloren. Ein “Jivanmukta”, ein im Leben befreiter,
bleibt
in jedem Augenblick
vollständig mit dem dem höchsten Bewusstsein
identifiziert,
er sieht alles aus dessen
Warte, als dessen Ausdruck. Da aber das höchste Bewusstsein
allumfassend ist,
ist jede andere Form von Bewusstsein darin möglich, enthalten
und
aufgehoben
und trübt nicht die Glückseligkeit des
höchsten
Bewusstseins.
17. MADHYA-VIKĀSĀT CIDĀNANDA-LĀBHAH
Durch die Ausweitung der Mitte (Madhya) wird die
Glückseligkeit
des
Bewusstseins erlangt.
Die oben beschriebenen Bewusstseinsveränderungen gehen mit
Veränderungen im
subtilen Körper einher. Der Reinigungs– und
Entwicklungsprozess wird als eine
Öffnung aller beschrieben Chakren oder Bewusstseinszentren
entlang
des
Zentralkanals (Sushumna) in der Wirbelsäule, von der Basis bis
zum
Scheitel.
Mit dem “Ausdehnen der Mitte” ist die Audehnung der
Bewusstseinskraft entlang
dieses Zentralkanals gemeint.
Eine weitere Möglichkeit, diese "Ausdehnung der Mitte" zu
sehen,
ist
folgende: Normalerweise ist unser Bewusstsein mit einer
ununterbrochenen
Aneinanderreihung von Bewusstseinsinhalten angefüllt. Wir
nehmen
den
Zwischenraum, der zwischen zwei Gedanken existiert, nicht wahr. Was
aber würden
wir wahrnehmen, wenn wir den Zwischenraum, die "Mitte", zwischen zwei
Gedanken bewusst erleben und ausdehnen könnten? Wir
würden
die reine Präsenz
erfahren, die wir sind, reines Sat-Chit-Ananda,
Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit.
In gleicher Weise wird der Atem auch als Träger des
Bewusstseins
gesehen, und
Einatmen und Ausatmen folgen unmittelbar aufeinander. Wenn wir
beginnen, den
Raum wahrzunehmen, wo sich der Atem im Inneren auflöst beim
Einatmen (das
innere Herz) und den Raum, wo sich der beim Ausatmen der Atem
auflöst (das
äußere Herz), und wir das Bewusstsein für
den
Zwischenraum, die
"Mitte" zwischen Einatmen und Ausatmen schärfen, werden wir
derselben
Präsenz gewahr, die hinter dem Atem wirkt. Deshalb zielen
verschiedene Meditationstechniken
auf diesen Zwischenraum, diese "Mitte" ab. (vgl. Vers 18)
18. VIKALPA KŚAYA ŚAKTI SANKOCA VIKĀSA VĀHACCHEDĀDYANTA KOTI
NIBHĀLANĀDAYA
IHOPĀYĀH
Die Mittel dazu sind: das Auflösen von polarisierenden
Gedanken,
das
Zusammenziehen und Ausdehnen von göttlicher Kraft, die Pause
zwischen den
Atemzügen, die Kontemplation des Ortes (koti)(wo sich der Atem
bei
der
Einatmung und Ausatmung auflöst)
Wir können diesen Prozess aktiv unterstützen, indem
wir uns
nicht in
Polaritäten verstricken, also uns nicht nur mit einer Seite
identifizieren,
weil wir wissen, dass ein Pol ohne den anderen nicht existieren
würde und
könnte, Gott aber beide umschließt.
Eine wesentliche Unterstützung dieses Vorganges ist aber auch
der
Atem. Er ist
einerseits Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele,
andererseits auch
direkter Ausdruck des Lebens und des “Geistes Gottes. Dort,
wo
sich der Atem
beim Einatmen im Körper und beim Ausatmen vor dem Gesicht
auflöst, in dieser
Pause, diesem Zwischenraum (Madhya) ist ein Moment der absoluten
Stille, in der
wir Gott begegnen können.
19. SAMĀDHI SAMSKĀRAVATI VYUTTHĀNE BHŪYO BHŪAŚ CIDAIKYĀMARŚAN-NITYODITA
SAMĀDHI
LĀBHAH
In dem Zustand, der daraus entsteht (vyutthana), der erfüllt
ist
von den
Effekten meditativer Absorption (samadhi) erlangt man dauerhafte
Absorption
(samadhi), indem man seine Aufmerksamkeit immer und immer wieder auf
seine
Identität mit dem universellen Bewusstsein (chit) richtet.
dem Schließlich berichten weise Menschen, dass sie in einem
Zustand der dauernden
Identität mit göttlichen Bewusstsein verweilen, indem
sie
immer und immer
wieder ihre Aufmerksamkeit darauf richten und anfangs willentlich,
später
spontan, zu ihm zurückkehren.
20. TADĀ PRAKĀŚĀNANDA-SĀRA MAHĀMANTRA-VIRYĀTMAKA PŪRNĀHANTĀVEŚĀT
SADĀ-SARVA-SARGA-SAMHĀRA
KĀRI NIJA SAMVID-DEVATĀ-CAKRESVARATĀ PRĀPTIR BHAVATI
ITI ŚIVAM
Dann erlangt man die Herrschaft über die Gottheiten des
Bewusstseinsrades,
welches jedes Ausströmen und Absorbieren des Universums
hervorbringt. Dies
geschieht als Folge des Eintretens in das göttliche Licht, das
die
Essenz des
lebendigen Selbst und des großen Mantra ist.
All dies ist die Natur Shivas.
Schließlich werden die Menschen, die diesen Zustand
erreichen,
direkte Zeugen
und Handelnde im Schöpfungsprozess. Sie erleben das Universum
als
Ausdruck
ihres eigenen Selbst, als reines, göttliches Licht, und als
das
Mantra SO – HAM
= Das bin ich.
So erleben Sie die Natur Gottes als ihre eigene Natur.
Iti Shivam – all das ist die Natur Gottes.
Sri
Aurobindo
(1872-1950)
Das
Abenteuer des
Denkens
Spät
habe ich gelernt, dass Weisheit geboren wird, wenn die Logik
stirbt. Vor dieser Befreiung besaß ich nur Wissen.
Benutze
den Verstand zu seiner gottgegebenen Bestimmung und
Glaube und Instinkt für deren eigene, bis die Weisheit zu dir
kommt. Warum
solltest du auch den
Fehdehandschuh
zwischen
deine eigenen Kräfte werfen?
Die
Bücher der Weisheit sind die Lampen Gottes, die dich aus
dieser Nacht der Bindungen und des Egoismus herausführen; wenn
aber das Licht
der Erleuchtung in deiner Seele aufgeht, dann brauchst du selbst diese
göttlichen Lampen nicht mehr, dann kannst du frei und sicher
im
ewigen
Sonnenlicht wandeln.
Das
Gesetz ist für die Unfreien und Blinden gemacht; wenn sie es
nicht hätten, würden sie sich verirren; dich aber hat
Krishna
befreit und dir
sein lebendiges Licht gezeigt; so halte im Gehen die Hand deines
Freundes und
wandele im Licht der ewigen Veden.
"Das
entspricht nicht unserem Gesetz", sagen die
Dogmatiker und Schriftgelehrten. Du Narr! Ist Gott denn nur ein Buch,
daß es
außer den heiligen Schriften nichts Wahres und Gutes mehr
geben
kann?
Wenn
du
dich auf deine eigene innere Erfahrung berufst, die
anders geartete deines Nächsten aber in Frage stellst, dann
kannst
du sicher
sein, dass Gott dich zum Narren hält. Hörst du nicht
sein
Gelächter hinter dem
Vorhang deiner Seele?
Gott,
der Guru der Welt, ist weiser als dein Verstand; vertraue
ihm und nicht jenem ewig sich selbst suchenden und arroganten Skeptiker.
Lebe
in
deinem Innern; lass dich nicht erschüttern durch
äußere
Ereignisse.
Wer
Misslingen und Unvollkommenheit verwirft, der verwirft Gott;
er begrenzt seine eigene Seele und betrügt seine eigene
Vision.
Verwirf nicht,
sondern beobachte die Natur, hilf deinen Brüdern und heile
sie,
stärke ihre
Fähigkeiten und ihren Mut durch deine Sympathie.
Weil
ein
guter Mensch stirbt oder scheitert und die Bösen leben
und triumphieren, deshalb soll Gott böse sein? Ich sehe keine
Logik in dieser
Schlussfolgerung. Ich müsste zuerst davon überzeugt
werden,
dass Tod und
Misserfolg etwas Übles seien.
Die
Philosophen, die die Welt als Illusion verwerfen, sind
sicherlich sehr weise, ernsthaft und heilig; aber ich kann mir nicht
helfen,
manchmal denke ich, dass sie auch ein ganz kleines bisschen
töricht sind und es
Gott zu einfach machen, sie auf den Arm zu nehmen.
Sie
bewiesen mir mit überwältigenden Argumenten, dass
Gott nicht
existiere, und ich habe ihnen geglaubt. Dann habe ich Gott gesehen,
denn Er kam
zu mir und nahm mich in Seine Arme. Wem soll ich nun glauben, den
Argumenten
der anderen oder meiner eigenen Erfahrung?
Logik
ist der schlimmste Feind der Wahrheit, so wie
Selbstgerechtigkeit der schlimmste Feind der Tugend ist; die eine kann
ihre
eigenen Irrtümer nicht erkennen, die andere nicht ihre eigene
Unvollkommenheit.
Warum
schimpfst du über die Dogmen der Sekten und ihre
Intoleranz, da du selbst doch deinen Glauben als den einzig wahren und
seeligmachenden bezeichnest und den aller anderen als falsch, unwissend
oder
gar als Schwindel?
Liebe
zur Einsamkeit deutet auf Erkenntnisdrang hin; Erkenntnis
aber kann erst erreicht werden, wenn wir selbst in der Menge, in der
Schlacht
und auf dem Markte beständig in Einsamkeit eingehüllt
sind.
Der
Gottesleugner ist niemand anderes als Gott, der mit sich selbst
Verstecken spielt; aber gilt nicht das gleiche auch für den
Gottesgläubigen?
Nun, vielleicht, denn er hat den Schatten Gottes gesehen und greift
danach.
Gott
schlug mich durch eine menschliche Hand. Soll ich jetzt
sagen: "Ich vergebe Dir Deine Unverschämtheit, o Gott?" Gott
erwies
mir Gutes, indem er mich schlug. Soll ich nun sagen: "Ich vergebe Dir,
aber tu es nicht wieder?"
Wenn
ich
ein langweiliges Buch lese, und zwar mit Vergnügen, und
doch die ganze Vollkommenheit seiner Langeweile wahrnehmend, dann
weiß ich,
dass mein Denken und Sinnen erobert ist.
Ich
hörte einen Narren den größten Unsinn
erzählen und
fragte
mich, was Gott wohl damit bezwecke. Als ich noch darüber
nachsann,
sah ich
plötzlich die Wahrheit und die Weisheit hinter der verzerrten
Maske.
Als
ich
noch unwissend war, habe ich Verbrechen, Unlauterkeit und
Sünde verabscheut, und war doch selbst voll davon; als ich
aber
gereinigt war
und sehend wurde, habe ich mich im Geiste vor dem Dieb und dem
Mörder verneigt
und die Füße der Hure geküsst. Denn ich
erkannte, dass
diese Seelen die
schreckliche Bürde des Bösen auf sich genommen und
für
uns alle das
aufschäumende Gift des Weltozeans getrunken hatten
Die
Sünder zu hassen ist die schlimmste Sünde, weil es
heißt,
Gott zu hassen; denn wer die begeht, brüstet sich mit seiner
größten Tugend.
In
Gottes Vorsehung gibt es nichts Böses, sondern nur das Gute
und dessen Vorbereitung.
Grundwissen
der
Esoterik - Die Strahlen
Das folgende ist eine Übersicht über die
Eigenschaften und
Auswirkungen der 7
Strahlen. Die 7 Strahlen gelten als die größten uns
bekannten
'Wirkungskraftfelder' kosmischer
Größenordnung, sie
gehen also deutlich
über unsere planetare
oder solare
Lebensgesamtheit
hinaus.
Insbesondere fließen die Strahlenergien u.a. über
die
Tierkreiszeichen und
benachbarte Sonnensysteme (mit der unsere Sonne eine Lebensgesamtheit
bildet),
in unser Sonnensystem ein und werden hier vor allem von den Planeten
transformiert und verteilt.
Links
die
beschreibenden
Kategorien, rechts
die
Attribute. Von den 7 Strahlen sind die ersten drei in dem
Sinne primär, daß die anderen 4 aus ihrer Gesamtheit
hervorgehen. Die ersten 3
werden daher Strahlen der
Aspekte genannt, die weiteren 4
die Strahlen
der Attribute. In gewissem Sinne
stellt die Spanne von Strahl 1 bis
7 auch
die verschiedene Stadien der Involution
dar, also des
In-die-Materie-bringen der Geistes, beginnend mit dem ersten Strahl,
der die
(geistige) Schöpfung hervorbringt bis hin zum 7., der das
Organisieren und
in-Form-und-Rhythmus-bringen in der Materie vollzieht.
Alle Strahlen weisen eine Polarität auf: alle Strahlen
ungerader
Ordnung sind
positiv polar, alle gerader Ordnung negativ polar. Dabei sind positiv
und
negativ polar keine Bewertungen im Sinne von "positiv" und
"negativ", sondern bedeuten einen Überschuß an
Aktionsvermögen,
Energie, Ausdruckskraft etc. gegenüber Empfindungs- und
Ausnahmevermögen etc. einerseits
(im Falle positiv polarer, also ungerader Ordnung) oder andersherum (im
Falle
negativ polarer, also gerader Ordnung).
Für den Menschen von großer Nützlichkeit
ist die
Kenntnis seiner
Strahlenausstattung, d.h., welcher Strahl den Haupteinfluß
über seine niederen
drei Körper (Mental, Emotional, Physis) hat, oder wie man
sagt,
auf welchem
Strahl seine Körper 'liegen'. Gemeinhin werden diese zusammen
mit
dem Strahl
der Seele angegeben, der sich i.a. über Millionen Jahre nicht
ändert, und dem
Strahl der Persönlichkeit, der sich durchaus von Inkarnation
zu
Inkarnation
ändern kann: Bsiepielsweise:
Beispiel
--------- Seele
Persönlichkeit Mental
Emotional
Physis
Strahlen -----------3
-------- 2------------
1
--------6--------
7
Unterstrahlen ------
---------6 ------------3 --------6--------
7
Zur Bestimmung der Strahlen-Struktur ist eine gewisse
nüchterne
Einschätzung
der eigenen Person notwendig und die Beobachtung, welche der unten
genannten
Eigenschaften für welchen Bereich zutreffen. Meistens kann man
sich am besten an
den negativen Ausprägungen der Strahlen orientieren. Weiters
gibt
es einige
kleine
Hinweise
wie z.B. daß
NEKTAR
DES
ENTZÜCKENS aus dem
BHAKTI YOGA
VORWORT
In der Gestalt Radhas offenbart sich nichts anderes als der Aspekt der
Seligkeit oder die Verzücken schaffende Kraft (Hladini Shakti)
Krishnas,
der die Wahrheit, der Geist und die Seligkeit ist. Konkret
ausgedrückt ist
Radha nichts anderes, als die einmalige und unvergleichliche
Gestaltwerdung
reinster Liebe zu Krishna. Liebe ist der Ursprung dieser
Verzücken
schaffenden Kraft, und die Quintessenz der Liebe heißt Madana
Mahabhava (verzehrende, höchste Liebe), deren lebendige
Verkörperung
Radha ist. Sie selbst ist sichtbarer Ausdruck der Hladini Shakti. Sie
ist die
Seele, die Gottheit, die über die reinste, ständig
sich
mehrende Liebe
regiert. Radhas einzige Aufgabe besteht darin, Krishna Freude zu
bereiten,
indem sie ihm voll Reinheit und Selbstverleugnung ständig
dient.
Dies ist
der Sinn ihres Daseins. In Krishna findet sich keinerlei sinnliche
Begierde
nach ihr, noch die geringste, auch nur scheinbare Spur eines Verlangens
nach eigener Befriedigung. Radha ist die vollkommenste Offenbahrung
göttlicher Schöpferkraft, während Krishna
sie auf
vollkommenste Weise
besitzt. Beide sind ewig verschieden und nicht-verschieden. In ihrem
nicht-verschiedenen Aspekt ist Radha und Krishna ohne Anfang und Ende
und so immer identisch. Seit ewiger Zeit leuchten sie als zwei Wesen,
die
sich ihres transzendenten Spieles erfreuen, das voll Liebe und
Entzücken
ist. Radhas Liebe, oder Madana Mahabhava, ist zwar überaus
vollkommen,
aber sie ist sich ihres göttlichen Charakters nicht bewusst.
Sie
entspringt sozusagen einer tiefen Zuneigung, die ihren Ursprung im
Gefühl des Meinseins findet. Sie weiß nichts von
ihrer
Größe und bemüht
sich auch nicht um deren Anerkennung. Obwohl sie alles
übertrifft,
ist sie
frei von Egoismus und anderen Schwächen. Die Liebe Radhas nimmt
allein in Madana Mahabhava eine einmalige Form an. Auf diese Weise
dient Radha ihrem einzig geliebten Krishna; es ist die Liebe, die den
selbstlos Liebenden kennzeichnet. Das vollkommene Glück, das
Radha
in
ihrer Hingabe erlebt, ist unendlich viel größer, als
das
Liebesglück
Krishnas, der ihre Hingabe als Ziel ihrer Liebe empfängt. Aus
diesem
Grunde sehnt sich Krishna danach, lieber Gefäß der
Liebe als
ihr Ziel zu
sein. Mit anderen Worten: Er will die Rolle des Liebespenders spielen,
anstatt ausschließlich als Empfänger zu handeln; er
will
nicht nur
Gegenstand der Verehrung sein, sondern selbst verehren. Deshalb nimmt
er selbst die Rolle des Anbeters an, obwohl er für Radha auf
immer
Ziel
ihrer Verehrung bleibt. Wo Krishna der Liebende ist, ist Radha seine
Geliebte; wo Radha als Liebende spricht, ist Krishna Ziel ihrer Liebe.
Beide glauben, dass sie für den anderen keine Liebe empfinden,
und
sie
fühlen sich gering und einander verpflichtet, denn darin liegt
das
Wesen
wahrer Liebe.
3
Der größte Teil der Literatur, die sich mit der
Liebe
Krishnas und
Radhas beschäftigt, besteht aus Gedichten, in denen Krishna
als
Geliebter
und Radha als Liebende dargestellt werden. In acht der hier vorliegenden
sechzehn Gedichte betrachtet Krishna Radha als seine Geliebte und als
Herrscherin im Königreich der Liebe; er selbst glaubt, keine
Liebe
zu
besitzen. In den übrigen acht Gedichten entgegnet ihm Radha,
und
nun
spricht sie davon, dass sie keine Liebe besitze, während
Krishna
reich an
Liebe sei. Auf diese Weise stellen die sechzehn Gedichte dar, wie im
Liebenden die Demut zunimmt, und sie erhöhen den Geliebten
mehr und
mehr in seinen Augen.
Je mehr sich der Leser vom Geist der Gedichte gefangen nehmen
lässt,
umso mehr wird er erkennen, wie rein, selbstlos, hingabebereit und
transzendent die Liebe Radhas und Krishnas ist. Diese Gedichte wurden
veröffentlicht, damit alle jene, die diese Liebe als Ideal
erkennen und sich
um sie bemühen, ihren Weg entsprechend wählen und
sich von
der Liebe
zu den Füßen Radhas und Krishnas mehr und mehr
ergreifen
lassen.
RADHA
MADHAVAS
– NEKTAR DES ENTZÜCKENS –
16
Liebesgesänge
SALUT
FÜR DIE HERRIN RADHA,
DIE VERKÖRPERUNG DER HÖCHSTEN LIEBE,
UND DEN HERRN KRISHNA,
DIE HÖCHSTE GLÜCKSELIGKEIT IN PERSON.
Beide
sind Chakoravögeln gleich,
bekannt für ihre Liebe zum Mond, in
ihrer Beziehung zu einander, und beide sind der Mond, der Geliebte der
genannten Vögel. Beide sind Bhramaras gleich, den schwarzen
Bienen, in
Beziehung zueinander, und beide sind die Lotusblume, die Geliebte der
Bienen. Beide sind Chataka Vögeln gleich, bekannt für
ihre
Liebe zur
Regenwolke, und beide stellen die Wolke dar, die Geliebte der Chatakas.
Beide sind Fischen gleich, die nicht ohne Wasser leben können,
und
beide
stellen das Wasser dar, das Geliebte der Fische.
Beide sind Quellen der Liebe, in denen die Liebe wohnt, und beide sind
sich Ziele der Liebe, an die sich die Liebe bindet. Beide sind Liebende
und
Geliebte zugleich. Das Glück des einen ist abhängig
vom
Glück des
anderen.
Beide, die Herrin Radha, die Verkörperung der
höchsten Liebe,
und der
Herr Krishna, die höchste Glückseligkeit in Person,
freuen
sich am Genuss
ihrer seligen Mußestunden, und indem sie aus dem Kleinsten
etwas
zu
machen verstehen, gewähren sie einander immer neues
Entzücken.
Beide sind von Ewigkeit her begabt mit zahllosen, sich widersprechenden
Charakterzügen und Merkmalen, die nicht durch Worte oder
Gedanken begriffen werden können und voll
unübertrefflichem
Zauber
und Eleganz sind.
Ich verneige mich wieder und wieder zu den Füßen der
Herrin
Radha
und des Herrn Krishna, vor dem einen Wesen in zwei verschiedenen
Erscheinungsformen, den Ozeanen ewigen Entzückens.
5
1.
KRISHNAS LIEBESBETEUERUNGEN AN
RADHA
Du
bist die wahre Quelle meines
Daseins, oh Radha! Du bist das
unvergleichliche, sich nie erschöpfende Elixier meines Lebens.
Nichts
allüberall kommt Dir gleich.
So wie jedes Glied des Körpers reizvoll ist an seinem Platz,
ohne
Leben
aber nutzlos und bar aller Reize,
so bist Du, mein Liebling, die einzige Grundlage für die
Freude an
allem. Das Leben, welches einem jeden so teuer ist, wird fade ohne Dich.
Dein Leben allein haucht mit Leben ein. Es ist Dein Geist, welcher
mich mit Geist begabt hat. Mit einem einzigen Tropfen aus dem Ozean
Deiner Liebe bin ich imstande, jedermann zu entzücken.
Aus Deinem geheiligten Schatz an Seligkeiten erlangen selbst Bettler
einen Funken Freude. Du bist die Vollkommenheit in sich selbst, die
nicht
ihresgleichen besitzt – bitte, vermute auch nicht eine Spur
von
Unwahrheit
darin.
Obgleich ich (wie ich Dir eben versichert habe) die Freude allein aus
Deiner Schatzkammer an Seligkeiten sparsam austeilte, so tue ich das nur
mit großer Mäßigkeit, mit
äußerster
Zurückhaltung, Rücksicht und
Zaghaftigkeit. Zu keiner Zeit hat jemals irgendwo ein solch freigebiger
Besitzer der Seligkeit existiert, wie Du es bist.
Was mich selbst anbetrifft, so hast Du einen unendlichen, ewigen
Anspruch auf mich und eine Fülle von Rechten in jeder Weise.
Indem
Du
mich zu einem Instrument Deiner Freigebigkeit machst, veranlasst Du
Deine eigenen anderen Selbste (die Kuhhirtinnen von Vraja), sehr
großzügig Seligkeiten auszuteilen.
Ich wünsche nur, dass durch Deine Geheimnisvolle und
bezaubernde,
süße Liebe ich immer fortfahren möge, Dir
als ein
Instrument zu dienen
zur Aufheiterung mancher trüber Stimmungen.
6
2. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Ich
bin nur Deine ewige Dienerin.
Du bist der Herr meines Atems, der
größte Schatz meines Lebens. Zu Deinen
Füßen
werfe ich mich selbst als
Opfergabe.
Du darfst an mich Deine höchste Liebe verschwenden und mich als
ganz Dein Eigen empfangen, geistig so gut wie körperlich. Oder
Du
magst
eine feindliche Haltung mir gegenüber annehmen, Furcht in mir
erwecken,
mich verfolgen und verschmähen.
In Deinem Glück allein liegt mein Glück, ich kenne
kein
anderen
Glück. Wenn Du Dich an meinem Leid freust, so sehe ich das als
eine
unvergleichliche Wohltat an.
Ich erfreue mich an Deinem Glück. Keine andere Freude
existiert in
meiner Vorstellung. Ich wünsche nichts, als Dich
glücklich zu
sehen in
jedem Augenblick des Tages und der Nacht, am Morgen und am Abend.
Ich lasse meinen Geist vor Dir leuchten und pflege meinen
Körper
nur,
um Dich glücklich zu sehen. Mich Dir zu
Füßen
darbringend folge ich
immer nur dem, was Dir gefällt.
Weil du dabei glücklich bist, mich „Königin
meines
Lebens“ zu
nennen, „Geliebte meines Herzens“ oder
„Liebling“, nehme ich alle diese
Kosenamen entgegen, obgleich mein Herz dabei verwirrt ist.
7
3. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Radha,
Du Objekt meiner Anbetung,
mein Geist lebt in dem Deinen
immerdar. Um Deines gesegneten Anblicks willen habe ich mich in
Gokula niedergelassen.
Der Sinn meines Lebens ist allein, das wahre Wesen der Liebe, welche
in Dir wohnt, zu erfassen und zu kosten. Mit diesen Gedanken im Sinn
streife ich Tag und Nacht umher und spiele auf meiner Flöte.
In dieser Absicht gehe ich aus, um zu baden, und bleibe an den Ufern
der Yamuna sitzen. Mein Geist sehnt sich ruhelos nach dem gesegneten
Anblick Deiner süßen Reize.
Aus diesem Grunde verweile ich unter dem Kadamba-Baum und
meditiere in jedem Augenblick über Dich. Wie der Chataka Vogel
nach
einem Schluck Regenwasser dürstet im gegebenen Augenblick,
wenn die
Konstellation Swati aufgeht, so dürstet mich nach Deiner
Schönheit.
Die wohltuende Süße Deiner Schönheit,
Deiner
liebenswerten
Neigungen und Tugenden haben für immer mein Herz gestohlen.
Ich
singe
das Lob Deiner Liebe in jedem Augenblick und bleibe stets darin
versunken.
8
4. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Lausche,
oh Prinz des Lords von
Vraja, dem folgenden meiner
demütigen Gebete. Du allein sollst die Stütze meines
Lebens
sein in
Äonen, von Geburt zu Wiedergeburt.
Lass mich immerdar fortfahren, wie eine schwarze Biene über den
Pollen Deiner Lotusfüße zu summen, oh Liebling von
Nanda.
Lass mich
immerdar um Dich gerankt bleiben, wie eine goldene Schlingpflanze um
einen jungen Tamalabaum, der sich durch seine dunkle Rinde
auszeichnet.
Indem ich mein Leben zu Deinen Füßen hingegeben
habe, habe
ich
mein ganzes Selbst für alle kommende Zeit in Deine Dienste
gestellt. Mit
dem Band der Liebe an Deine Füße gebunden, ist mein
Leben
aufs
höchste gesegnet worden.
Ich habe erkannt, dass in allen drei Welten niemand anders als Du mein
ist. Wer sonst spricht mich an, indem er mich
„Radha“ ruft,
und wem habe
ich, Radha, je einen Blick zugeworfen?
Wer ist mein in dieser meines Vaters Familie und jener meines
Ehegatten und in ganz Vraja, diesem Weideplatz der Kuhherden? Indem
ich ausschließlich den Schutz Deiner roten, weichen,
lotosgleichen Füße
suche, bin ich stumm geworden.
Ohne Dich zu sehen, findet mein Gemüt auch nicht für
einen
Augenblick Frieden. Du bist für immer der Herr meines Lebens;
wem
außer Dir soll ich mein Herz öffnen?
Mich als bar aller körperlichen Reize, liebenswerten Neigungen
und
Tugenden betrachtend, weise mich nur ab soviel Du kannst. Ich, der Staub
vor Deinen Füßen, werden in jedem Augenblick an
Deine Sohlen
geklammert bleiben: Das ist alles, was ich weiß.
9
5.
KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN
RADHA
Oh
Entzücken des Prinzen
Vrshabhanu, oh unvergleichliche Quelle der
nektargleichen Süße der Liebe, ich, der ich
umherstreife von
Wald zu
Wald die Kühe weidend, was kann ich wissen von den Gesetzen der
Liebe?
Mich immer nur in der Gesellschaft von Kuhhirtinnen bewegend, spiele
ich immer nur ländliche Spiele. Welche Verwandtschaft kann
ich,
der ich
nicht besser als heißer Sand bin, mit Dir haben, Du Strom
nektargleicher
Liebe?
Wenn Du, oh Königin, übersprudelnd von Liebe, mir
Deinen
gesegneten, geliebten Anblick gewährst, überkommt
mich
übermäßige
Freude und meine Verpflichtung gegen Dich wächst über
alle
Maßen.
Wie werde ich jemals imstande sein, meine Schuld zurückzahlen,
wo
mir doch ewig am Reichtum der Liebe mangelt? Es ist an Dir allein
fortzufahren, mich mit den Gaben der Liebe aus reinem Mitleid heraus zu
segnen.
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6. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Oh
jugendlicher Liebling des Lords
von Vraja, dunkelbraunhäutig und
reizend anzusehen, mit Augen, die den Kelchblättern der
Lotosblüte
ähneln, oh Erlöser aus allem Ungemach, lass mich Dich
unaufhörlich im
Tempel meines Herzens anschauen, oh Eroberer meiner Seele!
Alle die bergehohen Schranken von weltlichem Ansehen, gutem
Betragen, Ehre, Familienstellung und Moral zerschmetternd, lass mich
Dich stets an meiner Seite haben und Dich niemals fortschicken, sei es
auch noch so nah, nicht für die winzige Spanne eines
Augenblicks.
Ich bin jedoch nur eine überaus bäuerische Kuhhirtin,
bar
aller
Vorzüge, das Brandmal niedriger Geburt tragend und zu allen
Zeiten
hässlich in meiner Erscheinung, während Du hingegen
wohlerzogen im
Betragen bist, eine Fundgrube an Tugenden, ein leuchtendes Juwel Deiner
Rasse und die Schönheit in Person.
Während ich jedes ästhetische Gefühl
vermissen lasse und
bar allen
guten Geschmacks bin, bist Du ein Meister in gutem Geschmack und das
allerhöchste Juwel eines Mannes von gutem Geschmack. Wie dem
auch
sei, oh Ozean des Mitleids, Du bleibst in meinem Busen gehegt.
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7. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Meine
geliebteste Radha, Deine
Glorie ist unvergleichlich, unaussprechlich
und unendlich. Von Ewigkeit zu Ewigkeit habe ich sie ohne
Unterlass gesungen und finde doch nirgendwo ein Ende.
Deine liebliche Rede, die unschätzbar ist, ergießt
nektarhaftes
Entzücken in mein Herz. Ich bin für immer gefesselt
durch
Deine
reizenden Lotosaugen und Deine geschwungenen Augenbrauen.
Ich wiederhole immer wieder auf meiner Flöte Deinen
unvergleichlich
süßen und transzendenten Namen, und mit
unersättlichen
Augen trinke ich
in jedem Augenblick Deine außergewöhnliche
Schönheit.
Nirgendwo konnte ich solche unschuldig reine Liebe finden,
nirgendwo war meines Herzens Sehnsucht verwirklicht. In Dir allein habe
ich die Persönlichkeit gefunden, welche meine Wünsche
erfüllt hat.
Das große Wunder Deiner außerordentlichen Liebe ist
es,
angenehmes
Verlangen und genussvolle Sehnsucht in mir zu erwecken, der ich
gleichzeitig stets befriedigt und ewig frei von Wünschen bin.
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8. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Die
Frage, was ich Dir geben
könnte, hat immer meine Gedanken
beschäftigt, oh Reichtum meines Lebens! Tatsächlich
bist Du
allein der
Schatz, nach dem ich suche, um ihn Dir zu verleihen.
Du allein bist das Teuerste meines Lebens, und ich bin immer Dein, oh
Geliebtester! Ich stehe jeden Augenblick zu Deinen
Füßen
bereit, Dir
darzubringen, was in Wirklichkeit Dir gehört.
Mit welchen Worten soll ich klar zum Ausdruck bringe, mein Liebling,
was meine Seele fühlt? Während andere viele haben,
die sie
ihre
Angehörigen nennen, habe ich niemand anderen mir zu eigen als
Dich
allein, oh Geliebtester!
Tatsächlich bist Du die einzige Krönung all meiner
Bemühungen. Du
allein bist der Herrscher meines Lebens und mein dauernder Reichtum.
Das ist alles, was ich zu sagen habe.
Die Bande des Körpers, der Eigentumsrechte und der
Verwandtschaft
haben sich gelöst. Die Schmerzen in Gestalt von
Vergnügungssucht und
das Suchen nach Freiheit haben mich für immer verlassen. Ich
wurde
gesegnet, indem ich der geliebten Verbindung mit Dir versichert wurde,
oh Geliebtester!
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9. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Meine
geliebte Radha, in der sich
mein Lebensatem verkörpert hat, die
Quelle meines Daseins, Dich zu vergessen, könnte ich nicht
einen
Augenblick überleben, oh süßer Liebling!
Durch jeden meiner Atemzüge fließt der
immerwährende
heilige
Strom des Gedenkens Deiner. Bis ins Innerste durchschauert,
hört
jedes
Haar meines Körpers niemals auf, Dich zu umarmen.
Meine Augen betrachten Dich in jedem Augenblick, und diese Ohren
trinken Deine süßen Worte. Meine Nase atmet den Duft
Deiner
Persönlichkeit ein, während die Zunge die
nektargleiche
Süße Deiner
Lippen genießt.
Jedes meiner Glieder wird geheiligt durch die geliebte
Berührung
mit
Deinem Körper. Die Süße Deiner Liebe
erhält in
jedem Augenblick
frischen Reiz und wächst, und damit erblüht auch die
Freude
meines
Herzens immer wieder von neuem.
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10. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Du
allein bist mein Reichtum, mein
nächster Verwandter und mein
Leben. Du allein bist mir Körper und Seele. Du bist mein
ganzer
Halt. In
Dir allein wohnt all meine Freude, mein lieber und einzig Naher, der
Inhalt meines Lebens.
Kurz und gut, Du bist alles, was ich brauche und die Lösung
für alles.
Du bist das einzig heilige und zauberhafte Idol, das würdig
ist,
in jedem
Augenblick auf jegliche Weise angebetet zu werden.
Du allein bestimmst all meine Angelegenheiten und Aufenthalte, Du
bist der einzige, zu dem ich gehöre. Du thronst Tag und Nacht
als
Gottheit
im Tempel meiner Seele. Immer voller Wonne strahlst Du bei Tag und
Nacht Freude aus auf den entzückenden See meiner Seele.
Du verleihst in jedem Augenblick all meinen Sinnen Deinen heiligsten
und lebenspendenden Kontakt. In meinem Innern sowie in meinem
Äußeren bist Du unaufhörlich dabei, Deine
Melodie zu
stimmen.
Gehe niemals aus dem Blickfeld meiner Augen, lass Dich niemals von
mir trennen! Wenn Du mir vereint, vielmehr ganz mit mir eins geworden
bist, genießt Du und lässt mich die
ungetrübte
Glückseligkeit genießen,
die Dir eigen ist.
In diesem Genuss jedoch hege ich keinerlei Absicht, die von der Deinen
verschieden ist. All mein Begehren hat sein Ende erreicht, und die
Bäume
des Egoismus und des Besitzrechts sind verrottet und zerfallen.
Du bist der Genießende, der Gegenstand des Genusses und
alles, und
Du allein bist es, der in Form des Genusses erscheint. Vielmehr, indem
Du
die Gestalt meiner Seele annimmst, erfährst Du allein die
Freude
der
Vereinigung sowie den Schmerz der Trennung.
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11. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Mein
Körper und meine Seele, alles
gehört Dir. Du allein bist für immer
meine einzige Königin. Dieser mein Körper oder Geist
kann
weder der
Genießer noch der Gegenstand des Genusses anderer sein. Dies
ist
mein
unfehlbares Gelübde.
Es ist wahr, mein Körper, im allgemeinen gesprochen, verbleibt
nicht
immer an Deiner Seite; mein Astralkörper jedoch kann nicht
für einen
einzigen Augenblick Dir unvereint bleiben und wird
äußerst
ungeduldig.
Er bleibt immerdar mit Dir vereint und an die Sohlen Deiner
Füße
geheftet. Du allein bist unmissverständlich die einzige
Lebensbedingung
seines Lebens.
Kein anderer hat jemals den geringsten Anspruch darauf gehabt oder
soll ihn je haben. Er wird niemals Anstrengungen machen, irgendjemanden
zu entzünden oder von irgendjemandem auf irgendeine Weise
Freude
zu erlangen.
Wenn er jemals in Liebe zu irgendeinem gesehen oder von
irgendeinem anderen nur im geringsten Maße geliebt wird, so
ist
das
nichts als ein heiliger Widerschein Deiner Liebe allein.
Du kannst mir sagen, was immer Du magst. Ich stehe immer zu Deiner
Verfügung. Aber bitte, verstehe das nicht falsch, und nenne
Dich
niemals
demütig.
Nichtsdestoweniger bin ich niemals imstande, alle Deine
Wünsche zu
erfüllen. Darum fahre ich fort, eine dauernde Quelle des
Kummers
für
Dich zu sein.
Im vertrauen auf Dein gutmütiges Wesen vergiss bitte all meine
Ungehörigkeiten und fahre fort, mich durch die Gabe des
heiligen
Staubes
von Deinen Lotosfüßen zu segnen.
16
12. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Ich
habe immer und einzig nur von
Dir empfangen und wurde niemals
müde, immer wieder neue Ansprüche an Dich zu stellen.
Liebe
und Segen
über alle Maßen sind mir zuteil geworden, und nichts
davon
konnte ich
zurückgeben.
Niemals hast Du Dich darum gekümmert, meine Nachteile und
Fehler
anzusehen. Du hast immer nur den Spender gespielt und bist niemals
ermüdet im Geben. Und noch viel mehr, Du hast alle Deine Liebe
an
mich
verschwendet.
Und doch sagst Du: „Ich konnte Dir niemals irgendetwas geben,
mein
Liebling! Du bist unvergleichlich in liebenswerten Neigungen und
Tugenden. Ich stehe, mich Dir selbst darbringend, zu Deinen
Füßen.“
Was soll ich darauf antworten, Du liebstes Gut meines Lebens? Ich
fühle mich so klein, wenn ich mich selbst betrachte. Du liest
Liebe in jeder
meiner Handlungen, oh jugendvoller Liebling von Nanda!
17
13. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Radha,
Du allein bist das
Entzücken meiner Seele, vielmehr mein
eigenes Bewusstsein selbst. Du allein bist mein ewiges Selbst, so wie
Deine Seele in mir enthalten ist.
Dir verdanke ich meine Existenz, mein Lebensatem hat seine Quelle in
Dir. Du allein bist mein Geist, Verstand, Augenlicht, Gehör,
Tastsinn und
Geschmackssinn. Du allein bist mein Geruchssinn.
Du allein enthältst alle die wundervollen Organe meiner Sinne,
die
groben wie die feinen. Du bist ich, und ich bin Du. Alles in allem
– die
Verwandtschaft zwischen Dir und mir hat nirgendwo seinesgleichen.
Ich existiere nicht getrennt von Dir, und Du hast keine Existenz
getrennt von mir. Diese einzigartige Beziehung unveränderlicher
Gleichartigkeit besteht zwischen uns. Kurz gesagt ist das die ganze
Wahrheit unserer Existenz.
18
14. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA
Du
bist die unerschöpfliche
Fontäne aus Nektar in der schönsten
Form; vollkommen Süße, welche kein Ende kennt, wohnt
in Dir.
Du bist
der grenzenlose Ozean der Göttlichkeit. Immerwährend
wohnt
aller
reiner Heldenmut in Dir.
Als ein Ozean aller höchsten Tugenden wirfst Du Deine Wogen
nach
allen Seiten in unendlicher Ausdehnung. Du bist eine unvergleichliche
Schatzkammer aller transzendenten Seligkeiten, ein vollkommener
Liebhaber der Schönheit, unendliche Glückseligkeit in
Person.
Derjenige, welcher unermesslich, unbegrenzt und ungebunden ist, was
Vortrefflichkeit und Glückseligkeit anbetrifft, bedarf somit
auf
keinerlei
Weise irgendeiner Tugend oder Seligkeit.
Ich jedoch habe absolut keine Tugenden, bin grob in den Manieren,
und bäurisch in jeder Beziehung. Ich lasse Schönheit
und
Süße vermissen,
bin rau, hässlich und eine wahre Wohnstätte aller
Übel.
Ich habe nichts, womit ich Dir Entzücken spenden kann, womit
ich
Dich bezaubern kann, womit ich Dich anbeten und ehren kann.
Und doch behaupte ich etwas zu haben, das andere nicht mit mir
teilen, das wirklich kein Ende kennt und nicht seinesgleichen findet.
Das
ist, dass Du mir immer teuer bist. Obgleich an sich unbedeutend, ist es
zu
gleicher Zeit doch etwas von großer Tragweite.
Dies allein genügte, Dich zu bezaubern, und Du nahmst mich als
Dein
Eigen an. Du kamst aus Deinem eigenen freien Willen und botest Dich
mir selbst an ohne die geringste Überlegung.
19
Ganz und gar Deine höhere Natur und Göttlichkeit
vergessend,
sowie
alle Deine Ansprüche auf Herrentum, trafst Du mich,
unbedeutend
wie ich
bin, auf gleicher Ebene, indem Du selber unbedeutend wurdest und alle
Bedenken abschütteltest,
als wärest Du ganz ungeduldig, mich zu treffen und
äußerst ruhelos.
Noch viel mehr – Deine wahre Natur, Dein allumfassendes Wesen
vergessend, fingst Du an, Tränen zu vergießen.
Dich unruhig fühlend und Dich selbst anklagend mit
unbegründeter
Erregung suchtest Du das Ufer des Flusses reiner Liebe auf und begannst,
tief darin unterzutauchen, gegen jegliche Nachsicht
verstoßend
und alle
gesellschaftlichen Schranken zerschmetternd.
Der heilige Strom der Liebe erhob sich in unbändigem
Maße,
überflutete seine Ufer und breitete sich überall aus.
Alle
Gegensätze lösten
sich darin auf, und da war kein Ende und kein Anfang irgendwo zu
sehen.
Die Unterscheidung zwischen Liebendem, Liebe und höchstem
Geliebten verschwand aus Deinem Geist, und Du warst in Ekstase
verloren. Du hattest kein Bewusstsein, nicht einmal, ob ich allein, Dein
Liebling Radha, existierte, noch ob Du, mein geliebter Herr Krishna,
Nandas jugendlicher Sohn, allein übrigbliebst.
20
15.
KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN
RADHA
Radha, Du bist mein einziger, ebenbürtiger Partner; niemand
anders
kann sich irgendwo mit Dir vergleichen. In Dir braust ein
unerschöpflicher
Ozean an nektargleicher Liebe, welcher kein Ende oder Anfang kennt.
Ich bleibe immer darin versunken und steige niemals zur
Oberfläche.
Durch Deinen Willen allein werde ich gelegentlich hoch auf die Wellen
geworfen.
Aber auch jene Wellen singen nur Deine freudenspendende Herrlichkeit.
Ihr ganzer Reiz und ihre Süße wird einzig von Dir
bestimmt.
Doch wenn ich auch auf ihrer Außenseite schaukle, so komme ich
natürlich nur zur Oberfläche, um Dir Freude zu
bereiten.
Du ergießt verschwenderisch Gnade über mich, oh
meine
Königin, die
keine Rivalin hat! Du befeuerst die Augenblicke meines Lebens, indem
Du mich jederzeit an Deiner Seite behältst.
Indem Du mit unergründlichen Augen meine guten Seiten siehst,
bleibst Du immer damit beschäftigt, mich zu verherrlichen. Du
steigerst
meine einzige Freude immerdar und durchflutest meine Brust mit
grenzenloser Fröhlichkeit.
Ich bin immer, immer, immer Dein, kein anderer irgendwo auf der Welt
kann jemals den geringsten Anspruch auf diesen, Deinen ewigen und
ausschließlichen Diener erheben.
Ich will immer nach Deiner Flöte tanzen. Das ist meine
einzige,
heilige
Pflicht, dies entspricht meiner angeborenen Natur und ist meine einzige
natürliche Beschäftigung.
21
16.
RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN
KRISHNA
Du
bist der Arbeiter und ich ein
von Dir gemachtes Instrument. Ich bin
eine Puppe und Du der Drahtzieher. Du lässt mich handeln,
sprechen
und
tanzen, wie Du willst.
Ich handle, spreche und tanze immer nur, wie es Dein Wille
vorschreibt, ohne Ichbewusstsein. Meine Seele ist still –
nein,
ich habe gar
keine eigene Seele. Ich bin ein Spielzeug ohne Eigenwillen, und Du bist
der Spielende.
Ich bin stumm, für ewig unfähig zu handeln und mich
zu
rühren, und
für immer frei von krankhaften Neigungen. Tue jederzeit, was
immer
Dir
gefällt, ohne irgendwelche Bedingungen oder
Einschränkungen
von
meiner Seite.
Leben und Tod bedeuten nichts für mich. Und was frage ich nach
Ehre
und Schmach? All dies ist nichts als ewiger Zeitvertreib für
Dich,
der Du
so voll Glückseligkeit bist, mein einzig Geliebter!
Mich zu einem Spielzeug in Deinen Händen machend, hast Du mich
aufs höchste gesegnet. Aber wer bin ich, sogar das zu glauben
oder
zu
wissen? Du allein kennst Deine eigenen Angelegenheiten und
Handlungen.
Sogar während ich gerade dies geäußert
habe,
weißt Du, wer in mir
wirkt. Du bist es, der Du mich zu Deinem Organ gemacht hast, der aus mir
wie ein plapperndes Mädchen sprach. Ich für meinen
Teil bin
frei von
Verantwortung und stumm.
22
NACHWORT
Diese Gesänge stellen die die Seele gefangen nehmenden
Gefühle der
Herrin Radha dar, welche nichts anderes ist als die
Verkörperung
der
höchsten Liebe, und des Herrn Krishna, die höchste
Glückseligkeit in
Person, und geben ihrer transzendenten und wohltuenden Sehnsucht
Ausdruck, die voll tiefgründiger Liebe und mit Demut
geschmückt ist.
Indem sie ganz einfach alles füreinander aufgegeben haben,
haben
beide die Rolle übernommen, sich aneinander zu erfreuen mit
Herzen, die
von Liebe überfließen.
Beide stellen ewig füreinander sowohl den Liebenden als auch
den
Geliebtesten dar. Sie sind dauernde, unerschöpfliche,
unvorstellbare,
heilige und unerklärliche Brunnen der Liebe.
Jede Freude und jeden Kummer begrüßen beide erfreut,
sofern
diese nur
eine Quelle des Glücks für den höchst
Geliebten sind.
Alle anderen
falschen Hindernisse für das eigene Glück sind ganz
natürlich
verschwunden.
Die Süße der Liebe, die zwischen dem Herrn Krishna
und der
Herrin
Radha besteht, ist unsagbar und unvorstellbar. Die vorangehenden
16 Gesänge geben nur eine schwache Vorstellung davon, so wie
die
Nähe
des Neumondes dem Ast eines Baumes nur dazu dient, ihn seine Stellung
fühlen zu lassen, der jedoch selbst unfähig ist, ihn
(den
Mond) wahrzunehmen.
23
Über den Autor der Radha Madhavas
Sri Hanumanprasadji Poddar wird von vielen als großer Heiliger
betrachtet, welcher dazu beitrug, die Religion und Kultur seines Landes
neu zu beleben. Er wurde am 17. September 1892 in Shillong/Assam im
Nordosten Indiens geboren. Sein Widerstand gegen die englische Besatzung
veranlasste die Regierung im Jahre 1916 dazu, ihn für 21 Monate
zu verhaften. In dieser Zeit geschah es, dass er sich Gott zuwandte. 45
Jahre lang gab er eine bekannte Zeitschrift über Religion und
Liebe zu
Gott heraus („Kalyan“ in Hindi) und leitete auch
die
Veröffentlichung
einer ähnlichen Zeitschrift in englischer Sprache
(„Kalyan
Kalpataru“).
Außerdem verfasste er zahlreiche Werke in Prosa und Gedichte,
die
jedoch seinen Namen meistens nicht trugen, da er sich in keiner Weise
hervortun wollte. Seine spirituelle Größe erhob sich
über die verschiedenen
Kasten und Glaubensrichtungen. Sri Hanumanprasadji Poddar gab
auch den Hauptanstoß zu den zahlreichen
Veröffentlichungen
der Gita
Press, die damit die Upanishaden, die Puranas, das Mahabaratam, das
Ramayana und viele religiöse Schriften ganz Indien
zugänglich
machte.
Es existiert heutzutage kaum eine gebildete Familie in Indien, bei der
man
kein Buch der Gita Press findet. Der Eifer von Sri Hanumanprasadji
Poddar war die maßgebliche Ursache für diese
Verbreitung.
Sri Poddarji
verließ seinen Körper am 22. März 1971 in
Gita Vatika,
Gorakhpur, wo
ein ehrwürdiges Denkmal über seiner heiligen Asche
errichtet
wurde, das
zu einem Ort der Pilgerschaft geworden ist.