Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
vor Furcht, die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn er will;
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde nur
durchs ganze Weltall reisen.

Der weiß, daß er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen;
nur weiß er, was die anderen
und er selbst noch lernen müssen.

Wer in sich fremde Ufer spürt
und Mut hat, sich zu recken,
der wird allmählich, ungestört
vor Furcht, sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst bricht er hinauf;
den Kampf mit seiner Unterwelt
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört
von Furcht, die Nacht entdecken.

Wer mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.

Novalis







„Am Anfang der Welt schuf Gott eine Menge lebender Wesen von jeder Gestalt,Farbe und Art.

Darunter befanden sich auch weiße Menschen; aber das waren so verrückte und närrische Gesellen,

dass sich Gott ihrer schämte und wünschte, sie lieber nicht geschaffen zu haben.

Doch sie waren nun einmal, und umbringen wollte er sie auch nicht gerne, denn dazu war er zu gutmütig.“

Aus einer Sage der Fox-Indianer






LORD BUDDHA HAT GESAGT,
dass wir nicht an etwas glauben sollen, nur weil es gesagt worden ist; auch nicht an Traditionen, weil sie uns von altersher übermittelt wurden; oder an Gerüchte an sich; oder an Schriften der Weisen, weil sie von Weisen stammen; oder an Phantasiegebilde, von denen wir vielleicht vermuten, sie seien von einem Deva (d.h. angeblich auf dem Weg geistiger Inspiration) in uns wachgerufen worden; oder an Schlussfolgerungen, die wir aus etwaigen von uns aufs Geratewohl gemachten Annahmen gezogen haben mögen; oder an das, was uns als analoge Notwendigkeit erscheint; oder an die blosse Autorität unserer Lehrer oder Meister. Wir sollen aber glauben, wenn die Doktrin, das Gesagte oder Geschriebene in unserer eigenen Vernunft und im eigenen Bewusstsein Bestätigung erfährt. «Denn solches», sagt er abschliessend, «habe ich euch glauben gelehrt, nicht nur weil ihr es gehört habt, sondern damit ihr das, was in eurem Bewusstsein Glauben fand, auch dementsprechend und in vollstem Mass in die Tat umsetzt.»

- Geheimlehre III, 401

Alice Bailey






Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,
so ist dadurch schon das Häßliche gesetzt.
Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,
so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.
Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
Lang und Kurz gestalten einander.
Hoch und Tief verkehren einander.
Stimme und Ton sich vermählen einander.
Vorher und Nachher folgen einander.

Also auch der Berufene:
Er verweilt im Wirken ohne Handeln.
Er übt Belehrung ohne Reden.
Alle Wesen treten hervor,
und er verweigert sich ihnen nicht.
Er erzeugt und besitzt nicht.
Er wirkt und behält nicht.
Ist das Werk vollbracht,
so verharrt er nicht dabei.
Und eben weil er nicht verharrt,
bleibt er nicht verlassen.

Was halb ist, wird ganz werden.
Was krumm ist, wird gerade werden.
Was leer ist, wird voll werden.
Was alt ist, wird neu werden.
Wer wenig hat, wird bekommen.
Wer viel hat, wird benommen.

Also auch der Berufene:
Er umfaßt das Eine
und ist der Welt Vorbild.
Er will nicht selber scheinen,
darum wird er erleuchtet.
Er will nichts selber sein,
darum wird er herrlich.
Er rühmt sich selber nicht,
darum vollbringt er Werke.
Er tut sich nicht selber hervor,
darum wird er erhoben.
Denn wer nicht streitet,
mit dem kann niemand auf der Welt streiten.
Was die Alten gesagt: »Was halb ist, soll voll werden«,
ist fürwahr kein leeres Wort.
Alle wahre Vollkommenheit ist darunter befaßt.

Macht selten die Worte,
dann geht alles von selbst.
Ein Wirbelsturm dauert keinen Morgen lang.
Ein Platzregen dauert keinen Tag.
Und wer wirkt diese?
Himmel und Erde.
Was nun selbst Himmel und Erde nicht dauernd vermögen,
wieviel weniger kann das der Mensch?

Darum: Wenn du an dein Werk gehst mit dem SINN,
so wirst du mit denen, so den SINN haben, eins im SINN,
mit denen so das LEBEN haben, eins im LEBEN,
mit denen, so arm sind, eins in ihrer Armut.
Bist du eins mit ihnen im SINN,
so kommen dir die, so den SINN haben,
auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen im LEBEN,
so kommen dir die, so das LEBEN haben,
auch freudig entgegen.
Bist du eins mit ihnen in ihrer Armut,
so kommen dir die, so da arm sind, auch freudig entgegen.
Wo aber der Glaube nicht stark genug ist,
da findet man keinen Glauben.

Ein guter Wanderer läßt keine Spur zurück.
Ein guter Redner braucht nichts zu widerlegen.
Ein guter Rechner braucht keine Rechenstäbchen.
Ein guter Schließer braucht nicht Schloß noch Schlüssel,
und doch kann niemand auftun.
Ein guter Bindet braucht nicht Strick noch Bänder,
und doch kann niemand lösen.
Der Berufene versteht es immer gut, die Menschen zu retten;
darum gibt es für ihn keine verworfenen Menschen.
Er versteht es immer gut, die Dinge zu retten;
darum gibt es für ihn keine verworfenen Dinge.
Das heißt die Klarheit erben.
So sind die guten Menschen die Lehrer der Nichtguten,
und die nichtguten Menschen sind der Stoff für die Guten.
Wer seine Lehrer nicht werthielte und seinen Stoff nicht liebte,
der wäre bei allem Wissen in schwerem Irrtum.
Das ist das große Geheimnis.

Was du zusammendrücken willst,
das mußt du erst richtig sich ausdehnen lassen.
Was du schwächen willst,
das mußt du erst richtig stark werden lassen.
Was du vernichten willst,
das mußt du erst richtig aufblühen lassen.
Wem du nehmen willst,
dem mußt du erst richtig geben.
Das heißt Klarheit über das Unsichtbare.
Das Weiche siegt über das Harte.
Das Schwache siegt über das Starke.
Den Fisch darf man nicht der Tiefe entnehmen.
Des Reiches Förderungsmittel darf man nicht den Leuten zeigen.

Ohne aus der Tür zu gehen,
kennt man die Welt.
Ohne aus dem Fenster zu schauen,
sieht man den SINN des Himmels.
Je weiter einer hinausgeht,
desto geringer wird sein Wissen.

Darum braucht der Berufene nicht zu gehen
und weiß doch alles.
Er braucht nicht zu sehen
und ist doch klar.
Er braucht nichts zu machen
und vollendet doch.

Was gut gepflanzt ist, wird nicht ausgerissen.
Was gut festgehalten wird, wird nicht entgehen.
Wer sein Gedächtnis Söhnen und Enkeln hinterläßt,
hört nicht auf.
Wer seine Person gestaltet, dessen Leben wird wahr.
Wer seine Familie gestaltet, dessen Leben wird völlig.
Wer seine Gemeinde gestaltet, dessen Leben wird wachsen.
Wer sein Land gestaltet, dessen Leben wird reich.
Wer die Welt gestaltet, dessen Leben wird weit.


Darum: Nach deiner Person beurteile die Person des andern.
Nach deiner Familie beurteile die Familie der andern.
Nach deiner Gemeinde beurteile die Gemeinde der andern.
Nach deinem Land beurteile das Land der andern.
Nach deiner Welt beurteile die Welt der andern.
Wie weiß ich die Beschaffenheit der Welt?
Eben durch dies.

Wahre Worte sind nicht schön,
schöne Worte sind nicht wahr.
Tüchtigkeit überredet nicht,
Überredung ist nicht tüchtig.
Der Weise ist nicht gelehrt,
der Gelehrte ist nicht weise.
Der Berufene häuft keinen Besitz auf.
Je mehr er für andere tut,
desto mehr besitzt er.
Je mehr er anderen gibt,
desto mehr hat er.
Des Himmels SINN ist fördern, ohne zu schaden.
Des Berufenen SINN ist wirken, ohne zu streiten.

LAOTSE







O HERR
mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich Hoffnung erwecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

ACH HERR
lass du mich trachten,
nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen und wer da stirbt,
der erwacht zum ewigen Leben.
AMEN

FRANZ VON ASSISI, 1182-1226











Mahamudra Upadesha von Tilopa

Obwohl Mahamudra nicht gelehrt werden kann,
intelligenter und geduldiger Naropa, duldsam dem Leid
gegenüber, der Du Dich in Entbehrung übst und Hingabe
dem verwirklichten Lehrer gegenüber zeigst,
Du glücklicher, übe wie folgt mit Deinem Geist:

Zum Beispiel:
was ruht im Raum auf was? Im eigenen Geist, Mahamudra,
ist nichts zu finden. Ruhe entspannt im natürlichen Zustand
ohne zu versuchen etwas zu verändern.

Zum Beispiel
ist es wie wenn man in die Mitte des Himmels schaut
und nichts sieht.

In gleicher Weise,
wenn Dein Geist auf Deinen Geist schaut, hören die
Gedanken auf und Du erlangst unübertreffliches Erwachen.

Wenn diese Fessel des Geistes gelockert wird, gibt es
keinen Zweifel darüber, dass Du Befreiung erlangen wirst.

Zum Beispiel:
genau wie der Dampf, der, aus der Erde aufsteigend,
zu Wolken wird und sich in die Weite des Raums auflöst,
nirgendwo anders hingeht und trotzdem nicht weiter
irgendwo fortbesteht, so werden in gleicher Weise die
aufgeregten Gedanken die aus dem dem Geist und im Geist
auftauchen in dem Moment beruhigt, in dem Du die Natur
des Geistes erkennst.

Zum Beispiel:
Genau so wie die Natur des Raums über Farbe und Form
hinausgeht und genau wie der Raum daher nicht von den
verschiedenen Farben und Formen, die darin auftauchen
beeinträchtigt, verändert oder verdunkelt wird, geht in
gleicher Weise die Essenz Deines Geistes über Farbe und Form
hinaus und wird daher niemals von den verschiedenen Farben
und Formen von Rechtschaffenheit oder Fehlverhalten
verdunkelt oder beeinträchtigt.

Zum Beispiel
ist es wie das strahlende Herz der Sonne, das niemals durch
die Dunkelheit von tausend Aeonen verdunkelt werden könnte.

In dieser Weise
wird diese leuchtende Klarheit, die die Essenz des Geistes ist,
niemals durch das Samsara unzähliger Zeitalter verdunkelt.

Zum Beispiel,
genau so wie wir den Begriff "Leer" dem Raum zuweisen,
ist da tatsächlich nichts im Raum enthalten,
das wir richtigerweise mit diesem Begriff beschreiben.

In gleicher Weise,
obwohl wir den Geist als Klares Licht oder Leuchtkraft bezeichnen,
wird es durch die blosse Tatsache, dass wir ihn so bezeichnen,
nicht zur Wirklichkeit, dass tatsächlich irgendetwas im Geist
enthalten ist, das eine wahre Grundlage für so eine Bezeichnung böte.

In dieser Weise
war die Natur des Geistes von Anfang an wie der Raum,
und es existieren keine Phänomene die nicht darin enthalten sind.

Alle körperlichen Aktivitäten aufgebend, sollte der Praktizierende
entspannt zur Ruhe kommen.

Ohne eine verbale Äußerung wird Deine Rede zu einem Echo,
Klang untrennbar von Leerheit.

Denke mit dem Geist an rein gar nichts und betrachte
das Entstehen der Phänomene.

Der Körper ist nicht von Bedeutung, leer wie ein Bambusrohr.
Der Geist ist wie die Mitte des Raums. Er ist unbegreiflich.

Ruhe entspannt in dieser Erfahrung, ohne sie gehen zu lassen
oder einzuordnen.

Ruhe entspannt in diesem Zustand ohne ihn auszustrahlen,
ihn zu kategorisieren, loszulassen oder zu versuchen ihn festzuhalten.

Wenn der Geist keine Ausrichtung hat, ist es Mahamudra.

Auf diese Weise wirst Du unübertreffliches Erwachen erlangen.

Jene, die den Tantras und dem Fahrzeug der rechtschaffenden
Handlungen, dem Vinanya, den Sutras und den verschiedenen
Belehrungen des Buddha mit einer Anhaftung für deren individuellen
schriftlichen Traditionen und ihrer individuellen Philosophie folgen,
werden nicht dahin gelangen, das leuchtende Mahamudra zu
erfahren, weil die Sicht auf diese Leuchtkraft oder das Klare Licht
durch ihre Absichten und Einstellungen verdunkelt werden.

Die konzepthafte Aufrechterhaltung von Versprechen verursacht
tatsächlich, dass man die Bedeutung der Samayas (Gelübde)
verletzt.

Wenn Du die Bedeutung nicht verletzt, die ohne Beständigkeit,
nicht konzepthaft oder festgelegt ist, dann, indem Du diese
nicht verletzt, verletzt oder brichst Du auch die Samayas nicht.

Sei frei von jeder Absichtshaftigkeit, ohne mentale Ausrichtung
oder mentale Aktivität.

Gedanken entstehen aus sich selbst heraus und
lösen sich wieder in sich selbst hinein auf -
wie ein Gemälde auf einer Wasseroberfläche.

Dies ist die Fackel, die alle Verdunklung oder Dunkelheit vertreibt.

Wenn Du, frei von Zielgerichtetheit, nicht in Extremen verweilst,
wirst Du ohne Ausnahme die Bedeutung aller Belehrungen
Buddhas und aller Takas, der einzelnen Teile der Belehrungen
Buddhas, erkennen.

Wenn Du in diesem Zustand ruhst, wirst Du vom Gefängnis
des Samsara befreit werden. Wenn Du gleichmäßig in diesem
Zustand ruhst, werden alle Deine Verfehlungen und
Verdunklungen verbrannt.

Deshalb wird dies die Fackel der Lehre genannt.

Törichte Leute, die sich für diese Lehre nicht interessieren,
werden vom Fluss des Samsara hinfortgerissen.

Diese törichten Leute, die unerträgliche Leiden in den
niederen Existenzbereichen erfahren, verdienen Mitgefühl.

Wenn Du wünschst, Befreiung vom unerträglichen Leid zu
erfahren, verlasse Dich auf einen weisen verwirklichten Lehrer.

Wenn der Segen eines verwirklichten Lehrers Dein Herz
berührt, wird Dein Geist befreit werden.

Kye ho!

Alle samsarischen Dinge sind bedeutungslos,
sinnlos, Ursachen für Leid.

Und da alle diese Dinge, die getan oder geschaffen wurden,
sinnlos sind, schaue auf das, was Bedeutung hat.

Wenn Du
über jedes Greifen nach einen Objekt und Greifen nach einem
Subjekt hinausgehst, ist das der König aller Sichtweisen.

Wenn da
keine Ablenkung ist, dann ist das der König aller Meditationen.

Wenn da
keine Anstrengung ist, ist das der König aller Handlungen.

Wenn dort
keine Hoffnung und keine Furcht ist, dann ist das das
endgültige Ergebnis und die Frucht wurde erlangt.

Es geht darüber hinaus, ein Objekt konzeptueller Betrachtung
zu sein; die Natur des Geistes ist leuchtende Klarheit.

Da ist
kein Weg, der gegangen werden muss und dennoch betrittst
Du auf diese Weise den Pfad zur Buddhaschaft.

Da ist
kein Objekt der Meditation, aber wenn Du Dich an dies gewöhnst,
wirst Du unübertreffliches Erwachen erlangen.

Untersuche die weltlichen Dinge gründlich. Wenn Du dies tust,
wirst Du erkennen, dass nichts davon beständig ist,
keines dieser Dinge hat die Eigenschaft von Dauerhaftigkeit,
und in diesem Sinne sind sie alle wie Träume und magische Illusionen.

Träume und magische Illusionen sind bedeutungslos.

Aus diesem Grund
über Dich in Entsagung und gib weltliche Belange auf.

Schneide die Fesseln der Anhaftung und Abneigung an
jene um Dich herum und an Deine Umgebung durch
und meditiere in Abgeschiedenheit, in Wäldern usw.,
alleine lebend.

Verweile in diesem Zustand ohne Meditation. Wenn Du das
erzielst, was ziellos ist, hast Du Mahamudra verwirklicht.

Zum Beispiel:
wenn die Wurzel eines Baums mit einem Stamm und vielen Ästen,
Blättern, Blüten und Früchten abgetrennt wird, dann werden
die zehntausend oder hunderttausend Äste automatisch sterben.

In gleicher Weise,
wenn die Wurzel des Geistes durchtrennt wird, werden
die Äste und Blätter des Samsara austrocknen.

Zum Beispiel:
genau wie die Dunkelheit, die sich über tausend Aeonen
angesammelt hat, von der Entzündung einer Lampe oder Fackel
vertrieben wird, in gleicher Weise vertreibt ein Augenblick der
Weisheit des Klaren Lichts des eigenen Geistes alle Unwissenheit,
Missetaten und Verdunkelungen, die in unzähligen Aeonen
angesammelt wurden.

Der Verstand kann nicht erkennen, was über den konzeptuellen
Geist hinaus geht, und Du wirst niemals das Ungeschaffene mit
den Mitteln zusammengesetzter Phänomene erkennen.

Wenn Du wünschst
das zu erlangen oder zu erkennen, was über den Verstand
hinausgeht und ungeschaffen ist, dann untersuche Deinen Geist
genau und übe Dich in nackter Achtsamkeit.

Erlaube es dem verschlammten Wasser der Gedanken,
sich selbst zu klären.

Versuche nicht, Erscheinungen aufzuhalten oder zu erschaffen.

Lasse sie, wie sie sind.

Wenn Du ohne Annehmen und Ablehnen äußerer Erscheinungen
verweilst, wird alles was erscheint und existiert durch seine
ursprüngliche Natur aus sich selbst heraus besiegelt und befreit.


Dies wurde an den Ufern des Ganges durch den grossartigen und leuchtenden Siddha Tilopa, der Mahamudra verwirklich hatte, an den Pandit aus Kashmir, Naropa, übertragen, der sowohl gelehrt als auch verwirklicht war, nachdem Naropa zwölf Härten bzw. Entbehrungen überwunden hatte. Der Text wurde bei Pullahari im Norden übersetzt und niedergeschrieben durch den grossartigen Naropa und den grossen tibetischen Übersetzer, den König der Übersetzer, Marpa Chokyi Lodro. Mündlich ins Englische übersetzt von Lama Yeshe Gyamtso.




[Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt
von 'Akshah' - Jonten Dorje - am 26.11.2005]

Möge diese deutsche Übersetzung, nach bestem Wissen und
Gewissen durchgeführt, die Bedeutung und Sicht der Übertragung
Tilopas, Naropas und Marpas fehlerfrei transportieren und den
Wesen höchsten Nutzen bringen.

 




Nelson Mandela - Auszug aus der Antrittsrede von 1994




Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.

Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.

Es ist unser Licht, das wir fürchten, - nicht unsere Dunkelheit.

Wir fragen uns: "Wer bin ich denn eigentlich, dass ich leuchtend, hinreisend, begnadet und phantastisch sein darf?"

Wer bist du denn, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes!

Wenn du dich klein machst, dient das nicht der Welt.

Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum
sich nicht verunsichert fühlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.

Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen!

Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu
tun.

Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart - ohne unser Zutun - andere befreien.

***





"Ich glaube, daß wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muß und das
unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können.
Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen, ist unsere höchste Pflicht!"

Johann Wolfgang von Goethe

 

                                                                      

 

 


Gayatri Mantra (Übersetzung):

ICH BIN - ALLES
Erde, Weltall, unendlicher Bewußtseins-Raum;
darum laßt unsere Seele sich erheben, unser Bewußtsein sich versenken
in das anbetungswürdige Licht jener göttlichen Lebens-Sonne der Weisheit,
die unseren Geist erleuchten möge!

*** 

Rudolf Steiner

FÜR DIE TAGE DER WOCHE

Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksamkeit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vorgänge.

Es ist natürlich am besten, auf einmal nur eine Übung vorzunehmen, zum Beispiel während acht oder vierzehn Tagen, dann die zweite usw., dann wieder von vorne anfangen. Übung acht kann indessen am besten täglich gemacht werden. Man erreicht dann nach und nach richtige Selbsterkenntnis und sieht auch, welche Fortschritte man gemacht hat. Später kann dann vielleicht - mit Samstag beginnend - täglich eine Übung vorgenommen werden neben der achten, zirka fünf Minuten dauernden, so daß dann jeweils auf denselben Tag die nämliche Übung fällt. Also Samstags die Gedankenübung, Sonntags die Entschlüsse, Montags das Reden, Dienstags das Handeln, Mittwochs die Taten usw.

SAMSTAG

Auf seine Vorstellungen (Gedanken) achten. Nur bedeutsame Gedanken denken. Nach und nach lernen, in seinen Gedanken das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Ewige vom Vergänglichen, die Wahrheit von der bloßen Meinung zu scheiden.

Beim Zuhören der Reden der Mitmenschen versuchen, ganz still zu werden in seinem Innern und auf alle Zustimmung, namentlich alles abfällige Urteilen (Kritisieren, Ablehnen), auch in Gedanken und Gefühlen, zu verzichten.

Dies ist die sogenannte

«richtige Meinung».


SONNTAG

Nur aus begründeter voller Überlegung heraus selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Handeln, alles bedeutungslose Tun soll von der Seele ferngehalten werden. Zu allem soll man stets wohlerwogene Gründe haben. Und man soll unbedingt unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt.

Ist man von der Richtigkeit eines gefaßten Entschlusses überzeugt, so soll auch daran festgehalten werden in innerer Standhaftigkeit.

Dies ist das sogenannte

«richtige Urteil»,

das nicht von Sympathie und Antipathie abhängig gemacht wird.


MONTAG

Das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen desjenigen kommen, der eine höhere Entwickelung anstrebt. Alles Reden um des Redens willen - zum Beispiel zum Zeitvertreib - ist in diesem Sinne schädlich.

Die gewöhnliche Art der Unterhaltung, wo alles bunt durcheinander geredet wird, soll vermieden werden; dabei darf man sich nicht etwa ausschließen vom Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll das Reden nach und nach zur Bedeutsamkeit sich entwickeln. Man steht jedem Rede und Antwort, doch gedankenvoll, nach jeder Richtung hin überlegt. Niemals ohne Grund reden! Gerne schweigen. Man versuche, nicht zu viel und nicht zu wenig Worte zu machen. Zuerst ruhig hinhören und dann verarbeiten.

Man heißt diese Übung auch:

«das richtige Wort».


DIENSTAG

Die äußeren Handlungen. Diese sollen nicht störend sein für unsere Mitmenschen. Wo man durch sein Inneres (Gewissen) veranlaßt wird zu handeln, sorgfältig erwägen, wie man der Veranlassung für das Wohl des Ganzen, das dauernde Glück der Mitmenschen, das Ewige, am besten entsprechen könne.

Wo man aus sich heraus handelt - aus eigener Initiative -, die Wirkungen seiner Handlungsweise im voraus auf das Gründlichste erwägen.

Man nennt das auch

«die richtige Tat».


MITTWOCH

Die Einrichtung des Lebens. Natur- und geistgemäß leben, nicht im äußeren Tand des Lebens aufgehen. Alles vermeiden, was Unruhe und Hast ins Leben bringt.

Nichts überhasten, aber auch nicht träge sein. Das Leben als ein Mittel zur Arbeit, zur Höherentwickelung betrachten und demgemäß handeln.

Man spricht in dieser Beziehung auch vom

«richtigen Standpunkt».


DONNERSTAG

Das menschliche Streben. Man achte darauf, nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt, aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet.

Über das Alltägliche, Augenblickliche hinausblicken und sich Ziele (Ideale) stellen, die mit den höchsten Pflichten eines Menschen zusammenhängen, zum Beispiel deshalb im Sinne der angegebenen Übungen sich entwickeln wollen, um seinen Mitmenschen nachher um so mehr helfen und raten zu können, wenn vielleicht auch nicht gerade in der allernächsten Zukunft.

Man kann das Gesagte auch zusammenfassen in:

«Alle vorangegangenen Übungen zur Gewohnheit werden lassen»


FREITAG

Das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen.

Nichts geht an uns vorüber, das nicht Anlaß gibt, Erfahrungen zu sammeln, die nützlich sind für das Leben. Hat man etwas unrichtig oder unvollkommen getan, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen.

Sieht man andere handeln, so beobachtet man sie zu einem ähnlichen Ziele (doch nicht mit lieblosen Blicken). Und man tut nichts, ohne auf Erlebnisse zurückzublicken, die einem eine Hilfe sein können bei seinen Entscheidungen und Verrichtungen.

Man kann von jedem Menschen, auch von Kindern, viel lernen, wenn man aufpaßt.

Man nennt diese Übung auch

«das richtige Gedächtnis»

das heißt sich erinnern an das Gelernte, an die gemachten Erfahrungen.


ZUSAMMENFASSUNG

Von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun, wenn auch nur fünf Minuten täglich zur selben Zeit. Dabei soll man sich in sich selbst versenken, sorgsam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze prüfen und bilden, seine Kenntnisse - oder auch das Gegenteil - in Gedanken durchlaufen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und den wahren Zweck des Lebens nachdenken, über seine eigenen Fehler und Unvollkommenheiten ein ernstliches Mißfallen haben, mit einem Wort: das Wesentliche, das Bleibende herauszufinden trachten und sich entsprechende Ziele, zum Beispiel zu erwerbende Tugenden, ernsthaft vornehmen. (Nicht in den Fehler verfallen und denken, man hätte irgend etwas gut gemacht, sondern immer weiter streben, den höchsten Vorbildern nach.) Man nennt diese Übung auch

«die richtige Beschaulichkeit».


 

****

Jesus sprach :

Ein reicher Mann hatte viele Güter und dachte :

Ich werde meine Güter benutzen,

um zu säen, zu ernten, zu pflanzen und meine Scheunen mit Frucht zu füllen,

auf dass ich an nichts Mangel leide.

Das war es , was er in seinem Herzen dachte.

Und in einer Nacht starb er.

Wer Ohren hat, höre!

***

 

Jesus sprach:

Wenn die Leute euch fragen :

Woher seid ihr gekommen?

So antwortet ihnen:

Wir sind aus dem Lichte gekommen, da wo das Licht aus sich selbst entstanden ist.

Und wenn man euch fragt :

Wer seid ihr?

So antwortet :

Wir sind seine Söhne und sind die Erwählten des lebendigen Vaters.

Wenn euch die Leute fragen:

Was ist das Zeichen eures Vaters an euch? So antwortet ihnen :

Es ist BEWEGUNG und RUHE.

 

***

Jesus sprach :

Selig sind die, die verfolgt wurden in ihrem Herzen, jene, die den Vater in WAHRHEIT  ERkannten.

 Seine Jünger fragten ihn:

An welchen Tage kommt das Königreich?

Jesus antwortete :

Es kommt nicht im Ausschauen danach.

Man wird nicht sagen:

Seht, hier! oder : Seht, dort!

Das Königreich des Vaters  IST  vielmehr ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen ES  nicht.

 

Jesus sprach :

Wenn eure Anführer euch sagen :

Seht, das Königreich ist im Himmel, dann werden die Vögel des Himmels euch zuvorkommen.

Wenn sie sagen:

Es ist im Meere, werden die Fische euch zuvorkommen.

Aber das Königreich IST inwendig in euch und außerhalb von euch.

Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid.

Wenn ihr euch aber nicht erkennen werdet, dann seid ihr in Armut,

UND IHR SEID DIE ARMUT.

 

Aus dem Thomas-Evangelium

***




Ashtavakra Gita

Das Herz des Bewusstseins

Übersetzung von Dr. Thomas Byrom


Chapter 1

1
Oh Meister,
sage mir wie ich
Losgelöstheit, Weisheit und Freiheit finde.

2
Kind,
wenn Du wünschst frei zu sein,
meide das Gift der Sinne,
Suche den Nektar der Wahrheit
Von Liebe und Vergebung,
Einfachheit und Fröhlichkeit.

3
Erde, Feuer und Wasser,
der Wind und der Himmel -----
du bist nichts von alldem.

Wenn Du wünschst frei zu sein,
Wisse Du bist das Selbst,
der Zeuge von all dem,
Das Herz des Bewusstseins.

4
Setze Deinen Körper beiseite,
sitze in Deinem eigenen Bewusstsein,
Du wirst sofort glücklich sein,
Für immer ruhig,
Für immer frei.

5
Du hast keine Kaste,
keine Pflichten binden dich.

Formlos und frei,
Jenseits der Reichweite Deiner Sinne,
der Zeuge von allen Dingen.

So sei glücklich!

6
Richtig oder Falsch,
Freude oder Kummer,
dieses ist nur im Verstand,
das bist nicht Du.
Das ist nicht wirklich Du,
wer arbeitet oder sich vergnügt,
Du bist überall,
Für immer frei.

7
Für immer und wirklich frei,
der einzige Zeuge von allen Dingen,
Aber siehst Du Dich selbst getrennt,
dann bist Du gebunden.

8
„Ich tue dies. Ich tue das.“
Die große schwarze Schlange des Egoismus,
hat Dich gebissen!

„Ich tue nichts.“
Das ist der Nektar des Glaubens,
So trinke und sei glücklich.

9
Wisse Du bist Eins,
Reines Bewusstsein,
Mit dem Feuer dieser Überzeugung,
Brenne nieder den Wald der Unwissenheit,
Befreie Dich selbst von Kummer,
und sei fröhlich.

10
Sei fröhlich!
Weil Du Fröhlichkeit bist, unendliche Fröhlichkeit.
Du bist das Bewusstsein selbst.
Ebenso wie das Knäuel Seil,
Irrtümlich von Dir für eine Schlange gehalten wird,
So irrst Du Dich in dieser Welt.

11
Wenn Du denkst dass Du frei bist,
Bist Du Frei.
Wenn Du denkst dass Du begrenzt bist,
Bist Du begrenzt.
Denn die Redensart ist wahr:
Du bist was Du denkst.


12
Das Selbst sieht wie die Welt aus.
Aber das ist nur eine Illusion.
Das Selbst ist überall.

Eins.
Ruhig.
Frei.
Perfekt.

Der Zeuge von allen Dingen,
Bewusstsein.

Ohne Handlung, Verhaftung oder Begehren.

13
Meditiere auf das Selbst.
Eins ohne Zwei,
Gesteigertes Bewusstsein.
Gib die Illusionen auf,
dass das Selbst getrennt ist.

Gib das Gefühl auf,
innerhalb oder jenseits,
das Du dies oder das bist.

14
Mein Kind,
Weil Du denkst, dass Du der Körper bist.
Für lange Zeit warst Du begrenzt.
Wisse, Du bist reines Bewusstsein.

Mit diesem Wissen als Dein Schwert,
zerschneide Deine Ketten,

Und sei fröhlich!

15
Weil Du bereits Frei bist,
Ohne Klage oder Makel,
Leuchtend und hell.

Du bist begrenzt,
nur durch die Angewohnheit der Meditation.

16
Deine Natur ist reines Bewusstsein,
Du fließt in allen Dingen, (auch: Du entspringst aus allen Dingen,
und alle Dinge fließen in Dir, alle Dinge entspringen in Dir.)
Aber hüte Dich,
In der Beschränktheit des Verstandes!

17
Du bist immer das selbe,
Unergründliches Bewusstsein.
Grenzenlos und frei,
gelassen und bewegt.

Begehre nur Dein eigenes Bewusstsein.

18
Alles was Form annimmt ist falsch,
Dulde nur das Formlose.

Wenn Du verstehst,
Die Wahrheit dieser Lehre,
wirst Du nicht wiedergeboren werden.

19
Denn Gott ist unendlich,
Innerhalb des Körpers und ohne ihn,
Wie ein Spiegel,
und das Abbild in einem Spiegel.

20
Wie die Luft überall ist,
fließend um einen Topf,
und ihn füllend,
So ist Gott überall
Füllend alle Dinge,
und fließend durch Sie für immer.

 

Behandle jeden Menschen als Freund, indem du daran denkst, dass:

 

Er ist unser Freund, der wie wir geboren wurde und der alt werden wird, krank werden wird und sterben wird, genau wie wir.

Er ist unser Freund, der in dem wechselnden Zyklen der „Ich-Geburten“ umherschwimmt, genau wie wir.

Er ist unser Freund, der der Kraft der Herzenstrübungen unterliegt, deshalb irrt auch er gelegentlich, genau wie wir.

Er ist nicht frei von Gier, Hass und Verblendung, genauso wenig wie wir.

Er macht deshalb manchmal Fehler, genau wie wir.

Er weiß weder warum er geboren wurde, noch kennt er das Nibbana, genau wie wir.

Er tut manche Dinge wie es ihm gefällt, genau wie wir.

Er will gut sein, herausragend, berühmt, genau wie wir.

Er nimmt oft, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, von anderen soviel er nur bekommen kann, genau wie wir.

Er hat das Recht verrückt nach dem Guten zu sein, sich am Guten zu berauschen, sich vom Guten blenden zu lassen, im Guten zu ertrinken, genau wie wir.

Er ist ein gewöhnlicher Mensch, der an vielen Dingen haftet, genau wie wir.

Er hat nicht die Pflicht für uns zu leidern oder zu sterben, er muss sein eigenes Leben leben, genau wie wir.

Er gehört einer Nation und einer Religion an, genau wie wir.

Er handelt impulsiv und übereilt, genau wie wir.

Er hat die Pflicht der Verantwortung gegenüber seiner Familie, genau wie wir.

Er hat das Recht auf einen eigenen Geschmack und auf eigene Vorlieben, genau wie wir.

Er hat das Recht zu wählen (sogar eine andere Religion), was immer ihn zufriedenstellt, genau wie wir.

Er hat das Recht  öffentliche Einrichtungen zu benutzen und einen gerechten Anteil am Allgemeingut zu haben, genau wie wir.

Er hat ein Recht  neurotisch oder verrückt zu sein, genau wie wir.

Er hat ein Recht auf Hilfe und Sympathie, genau wie wir.

Er hat das Recht, entsprechend seiner Veranlagung, Konservativer, Sozialist oder Freidenker zu sein, genau wie wir.

Er hat das Recht  auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, bevor er an andere denkt, genau wie wir.

Er hat das Menscherecht auf dem Angesicht dieser Erde zu wandeln, genau wie wir.

Wenn wir auf diese Weise denken, werden keine Konflikte entstehen.

Buddhadasa Bhikkhu

Das Herz der Erkenntnis
PRATYABHIJNAHRDAYAM

Dieser Text wurde von dem indischen Weisen Kshemaraja verfaßt, ca. 1020 n. Chr.
Er besteht aus 20 kurzen, prägnanten Absätzen, von denen Muktananda sagt: “Wenn du diese 20 Absätze verstanden hast, brauchst du keinen 21. mehr zu verstehen”.

1. Der erste Absatz lautet: CITIH SVATANTRA VIŚVA-SJDDHI-HETUH
Das absolute Bewußtsein, Citi, erschafft das Universum aus Ihrem eigenen freien Willen.

Das absolute Bewußtsein ist absolut frei, es entscheidet sich dazu, das gesamte Universum zu erschaffen, zum gesamten Universum zu werden. Es wird zu allem Unterscheidbaren: einzelnen Gedanken, Gefühlen wie Freude und Schmerz, allem, was wir in den Träumen wahrnehmen und allem Materiellen, sinnlich Wahrnehmbaren. Es wird zu allem Erscheinenden in Raum und Zeit. Alle möglichen Bewusstseinszustände sind Abwandlungen des Einen, absoluten Bewusstseins. Alles , was existiert, ist ein Ausdruck des freien Willens und der Existenz von Gott (Citi, das absolute Bewusstsein). Trotzdem bleibt es auch jenseits von Raum und Zeit, jenseits von Unterscheidung und Trennung immer ganz, immer vollständig, immer Eins.
.
2. SVECCHAYĀ SVABHITTAU VIŚVAM UNMĪLAYATI
Allein durch die Kraft ihres eigenen freien Willens entfaltet Sie das Universum auf ihrem eigenen Schirm (auf sich selbst als Grundlage)

Citi braucht nichts zweites, um das gesamte Universum zu manifestieren. Sie selbst ist die Leinwand, der Projektor, der Film, der Regisseur, die Schauspieler, die Handlung , die Kulisse und der Betrachter. Nichts geschieht gegen ihren höchsten freien Willen. “Kein Blatt fällt zu Boden, ohne dass Gott es weiß”. Wie sollte es anders sein, wenn das gleiche Bewusstsein in allem und als alles gegenwärtig ist?

3. TANNĀNĀ ANURŪPA GRĀHYA-GRĀHAKA-BHEDĀT
Das Universum ist vielfältig (besteht aus vielen Dingen) aufgrund der Unterscheidung gegenseitig aufeinander abgestimmter (anurupa) Objekte (grahya) und Subjekte (grahaka).

Dieser Absatz ist sehr interessant, denn er hebt den Widerspruch zwischen Idealismus (das Bewusstsein bestimmt das Sein) und Materialismus (das Sein bestimmt das Bewusstsein) auf und gibt beiden Recht. Hier ist die Rede von “gegenseitig aufeinander abgestimmten Subjekten und Objekten”, es gibt kein Überwiegen, nur ein sich gegenseitig Bedingen. Einerseits macht es klar, dass wir zu dem werden, was wir sind, durch das, was wir erlebt haben. Alle sinnlichen und seelischen Eindrücke formen unsere Identität. In diesem Sinn wird das Subjekt durch die Wahrnehmung der Objekte erschaffen. Andererseits können wir dadurch, dass wir unser Subjekt, unser Bewusstsein, verändern, einen großen Einfluss auf die äußere Realität nehmen. Sobald wir uns innerlich verändern, wird uns die Welt anders begegnen, werden auch andere Objekte für unser Bewusstsein wahrnehmbar. Subjekt und Objekt sind gegenseitig aufeinander abgestimmt.

4. CITI SANKOCĀTMĀ CETANO'PI SANKUCITA VIŚVAMAYAH
Eine individuelle Person (das Erfahrung machende Individuum) ist jemand, in dem sich Bewußtsein (chiti) zusammengezogen hat; sie besteht aus dem Universum in kontrahierter Form (hat das Universum in kontrahierter Form als seinen Körper).

Auch wir, als die einzelne, die Erfahrungen machende Person, sind nicht verschieden vom absoluten Bewusstsein. Citi ist auch, durch ihren eigenen freien Willen, zu uns geworden, so wie wir sind. Das universelle Bewusstsein hat sich zu einem individuellen Bewusstsein zusammengezogen, freiwillig beschränkt, um individuelle Erfahrungen machen zu können. Trotzdem ist und bleibt es wesentlich Citi, das universelle Bewusstsein, das die gesamte Potentialität des Universums enthält.

5. CITIREVA CETANA PADĀDAVARŪDHĀ CETYA SANKOCINĪ CITTAM
Citi selbst wird, indem Sie von ihrer Ebene des reinen Bewusstseins (chetana) herabsteigt, zum menschlichen Geist (chitta - Engl.: mind) während sie sich in Übereinstimmung mit den wahrgenommenen Objekten (chetya) zusammenzieht.

Schon aus den verschiedenen Worten, die im Sanskrit für bestimmte Formen des Bewusstseins und Bewusstseinsinhalte – Objekte – verwendet werden wird deutlich, dass es sich um verschiedene Formen ein und derselben “Substanz” handelt. Sie alle haben denselben Wortkern, Chit oder Chet. “Gold bleibt Gold, auch wenn es zu verschiedenen Schmuckstücken verarbeitet wird”, sagt Muktananda.
Wir sollten unseren Geist nicht unterdrücken, wenn wir meditieren, denn damit würden wir das unterdrücken, was wir eigentlich in der Meditation suchen. Außerdem würden wir uns in diesem Versuch erschöpfen, denn der Geist lässt sich nicht unterdrücken, er ist das eigentlich Lebendige. Anstatt zu versuchen, den Geist auszuschalten sollten wir den menschlichen Geist als das sehen, was er ist, als eine Form des göttlichen Bewusstseins, die in uns spielt. Wenn wir dies tun, werden wir “von Selbst” ruhig und es öffnet sich eine Tür zum universellen Bewusstsein. “Der Yogi behält seine Göttlichkeit auch inmitten verschiedener Gedanken und Phantasien”.

6. TANMAYO MĀYĀ PRAMĀTĀ
Deshalb ist derjenige, der Einschränkungen erfährt, diese individuelle, kontrahierte Bewusstheit.

Wenn sich Chiti zusammenzieht, verbirgt sie ihre wahre Natur. Sie wird dann zur māyā pramātā, der individuellen Seele, die von māyā geleitet wird. Maya ist der Begriff für Täuschung, Fehlwahrnehmung. Als individuelle Wesen nehmen wir die Welt aus einem eingeschränkten und damit einseitigen, “falschen”, Blickpunkt wahr. Es ist, wie in einen zerbrochenen Spiegel zu schauen. Wir sehen nur Bruchstücke, Ausschnitte. Die Ganzheit ist unserem Blick verborgen. Wir erfahren Einschränkungen und Begrenztheiten, worunter wir leiden. Und trotzdem würden wir nicht leiden, wenn nicht etwas in uns noch um die (verlorene) Ganzheit wissen würde. Wir können uns nur nach etwas sehnen, von dem wir eine Ahnung haben, dass es existiert.

7. SA CAIKO DVIRŪPAS TRIMAYAŚ CATURĀTMĀ SAPTA PANCAKA SVABHĀVA
Und obwohl er nur einer ist, wird der Eine zweifach, dreifach und vierfach, und zu der Natur der sieben Fünfergruppen.

Mit “Er” ist hier Shiva oder Gott gemeint. Dies wird Synonym mit Chiti verwendet, wobei Chiti mehr auf den Aspekt des Bewusstseins, Shiva mehr auf den Aspekt des Göttlichen Selbst verweist. Zweifach ist die Aufteilung in Subjekt und Objekt, mit dreifach sind die drei malas gemeint, die im nächsten Absatz beschrieben werden, die übrigen Unterteilungen entsprechen einer komplizierten zunehmenden Differenzierung, die in der indischen Philosophie beschrieben wird. Hier muss ich auf weiterführende Literatur verweisen.

8. TAD BHŪMIKĀH SARVA-DARŚANA-STHITAYAH
Die Standpunkte aller philosophischen Systeme sind lediglich unterschiedliche Rollen von diesem Bewusstsein oder Selbst.
So, wie das Individuum nur immer einen Teil des Bildes sieht, können auch Philosophien nur immer Teilansichten des Ganzen darstellen.

9. CIDVAT TACCHAKTI SANKOCĀT MALĀVRTAH SAMSĀRĪ
Wegen Seiner Einschränkung (Konstriktion) der shakti wird das universelle Bewusstsein zu einem Wesen, das der Wiedergeburt unterworfen ist (samsarin) und das von den drei Unreinheiten (malas) umhüllt ist.

Die Wahrheit ist, dass der höchste Gott, reines Bewusstsein, in absoluter Freiheit lebt. Er ist all-durchdringend und allwissend. Durch Seine Shakti (schöpferische Kraft) kann Er zu jeder Zeit alles tun, was Er will. Wenn Sich das universelle Bewusstsein zusammenzieht, erlebt Gott Seine frühere Kraft der Allwissenheit, Allmacht, Vollkommenheit, Ewigkeit und Allgegenwart in einem reduzierten Zustand. Die drei malas sind Unreinheiten oder Einschränkungen, denen wir als sterbliche Wesen unterworfen sind.
· ānava mala [bringt das Gebundensein des universellen Selbst hervor und reduziert es auf ein beschränktes, individuelles Wesen; die angeborene Unwissenheit eines Individuums über seine wahre Natur; das grundsätzliche Mangelbewußtsein] ,
· māyiya mala [die Einschränkungen, die durch Maya hervorgerufen werden, welche Grundlage für das Erlebnis der individuellen Seele darstellt mit seinem subtilen und grobstofflichen Körper; das Bewusstsein von Unterschieden],
· kārma mala [die Einschränkung der Kraft zum Handeln auf eine endliche, begrenzte Fähigkeit; die Unreinheit, welche durch die Eindrücke auf den Geist verursacht werden durch das karma eines Menschen, oder durch das Handeln aus Absicht];

10. TATHĀPI TADVAT PAÑCA KRTYĀNI KAROTI
Selbst unter diesen Umständen vollbringt er die fünf Handlungen Shivas (pancha krtyana)

So wie sich der Geist nicht Wesensmäßig vom universellen Bewusstsein unterscheidet, unterscheidet sich auch nicht das Handeln des Menschen vom Handeln Gottes. Es unterscheidet sich nur in der Größenskala. Die Handlungsqualitäten (siehe unten) bleiben die gleichen, nur die Kraft und die Auswirkungen erfährt das individuelle, sterbliche Wesen als eingeschränkt.

11. ĀBHĀSANA RAKTI VIMARŚANA BIJĀVASTHĀPANA VILĀPANA TASTĀNI
Diese fünf Handlungen Shivas sind Erschaffen, Erhalten, Verbergen (der Urheberschaft), Zerstören und Gnade Spenden.

Wenn in uns ein Gefühl oder ein inneres Bild auftaucht, so entspricht das dem Erschaffen. Solange derselbe Bewusstseinsinhalt bestehen bleibt, wird er erhalten, bis er durch etwas anderes, das im Bewusstsein erscheint, zerstört wird. Wir sehen die meisten Bewusstseinsinhalte als objektiv an, und damit bleibt uns verborgen, dass eigentlich wir die Urheber der Inhalte unseres Bewusstseins sind. Dies sehen wir oft sehr deutlich, wenn zwei verschiedene Personen ein und dieselbe äußere Situation als vollkommen unterschiedlich erleben. Wenn wir zu erkennen beginnen, dass wir den Schlüssel zu unserem Bewusstsein selbst in der Hand haben, dann wird uns die Gnade einer lebensverändernden Erkenntnis zuteil.
Auf der größeren Skala des universellen Bewusstseins geschehen die gleichen grundsätzlichen Vorgänge: indem der Eine Gott in sich Unterscheidung und Differenzierung erzeugt, erschafft er die Welt, und er erhält sie über einen langen Zeitraum als ein sich entwickelndes Wesen. Doch immer geschieht auch Zerstörung und Auflösung. Nur so kann Platz für Neues geschaffen werden. Sobald Gott zu einem eingeschränkten, nicht mehr allumfassenden Wesen wird, verbirgt er vor sich selbst seine wahre Natur, die allumfassend und ewig ist. Nur durch diesen Akt des Verbergens ist das Drama des manifesten Universums überhaupt möglich. Nur, wenn es ein vorher und ein Nachher, verschiedene Orte, verschiedene Subjekte und Objekte gibt, kann sich Gott in verschiedenen Rollen in seiner ganzen Vielfalt erfahren. Und doch ist es nur sein Bewusstsein, das in allen und allem lebt und webt.
An einem bestimmten Punkt der Entwicklung kommt der Moment, wo Gott beschließt, dem, und ihn zum Bewusstsein seiner einzelnen, eingeschränkten Individuum das Bewusstsein seiner Abgetrenntheit zu nehmen wahren Identität zurückzuführen. Durch diesen Gnadenakt gibt sich Gott wieder als der eigentliche Handelnde zu erkennen und ermöglicht der zuvor sich als unvollkommen und isoliert erlebenden individuellen Seele die Rückkehr zum Ursprung. “Suche nicht Gott, suche den Einen, der nach Gott sucht” sagt Rumi. “Ich habe viele Jahre lang an eine Türe geklopft. Als sie mir endlich geöffnet wurde, war es von innen”.sagt Meister Eckehart. “Gott lebt in Dir als Du” sagt Muktananda. Buddha, Christus, andere Heilige und wirkliche Gurus verkörpern diese gnadenspendende Kraft Gottes, denn sie können diesen Prozess der Rückkehr zum Ganzen in Gang bringen und zum Ziel führen, wenn wir uns ihrer Führung überlassen.

12. TADAPARIJÑĀNE SVAŚAKTIBHIR VYĀMOHITATĀ SAMSĀRITYAM
Ein Wesen, das der Wiedergeburt unterworfen ist (samsarin) zu sein bedeutet, von seinen eigenen Kräften getäuscht zu werden, weil man unwissend ist [über den wahren Urheber der fünf Handlungen].

Gott verbirgt vor sich selbst seine wahre Natur und lebt in selbstgewählter Einschränkung als ein sterbliches Wesen. In diesem Zustand existiert ein “Tabu zu wissen, wer wir sind”.

13. TADAPARIJÑĀNE CITTAM EVA ANTARMUKHĪBHĀVENA CETANA PADĀDHYĀROHĀT CITIH
Indem das individuelle Bewusstsein (Chitta) volles Wissen erlangt (darüber, der Urheber des fünffältigen Handelns zu sein), wird es durch eine innerliche Bewegung zum universellen Bewusstsein und erhebt sich zum göttlichen Bewusstsein.

Wenn Gott durch seine Fähigkeit der Gnade dieses Tabu aufhebt, nimmt das Individuum wieder seiner Identität mit dem universellen Bewusstsein wahr. Dies geschieht durch eine “innere Bewegung”. Das Individuum richtet seinen Blick nicht mehr ausschließlich auf die äußere Welt, sondern wendet sich dem Erzeuger der Bewusstseinsinhalte zu. Wie ein Kinobesucher, der nicht mehr gebannt auf die spannende Handlung auf der Leinwand schaut, sondern wahrzunehmen beginnt, dass die Bilder vom Projektor kommen. Wir können diese Innere Bewegung auch als “innere Umkehr” oder “Erweckung” beschreiben und wahrnehmen.

14. CITIVAHNIR AVAROHAPADE CHANNO`PI MĀTRAYĀ MEYENDHANAM PLUSHYATI
Auch wenn das Feuer des universellen Bewusstseins herabsteigt und obwohl es (von Maya) verdeckt wird, verbrennt es teilweise das, was gewusst wird.

Nach dem in Gang kommen dieser inneren Umkehr, die häufig durch ein einschneidendes inneres Erlebnis markiert wird, kommt es zu einem Reinigungsprozess, in dem die falschen und eingeschränkten Sicht – und Seinsweisen langsam aufgelöst und gleichsam in einem reinigenden Feuer verbrannt werden.

15. BALALĀBHE VIŚVAM ĀTMASĀT-KAROTI
Indem er die (inhärente Kraft) der chiti erwirbt, nimmt der Aspirant das Universum in sich auf.

In der Folge nimmt der betroffene Mensch, sei es nun ein Schüler auf einem spirituellen Weg, sei es nach einer spontanen Erweckung oder nach einem einschneidenden Erlebnis wie nach einem schweren Unfall, die Welt zunehmend als mit seinem eigenen Bewusstsein verbunden wahr. Inneres und äußeres Erleben scheinen sich immer mehr sinnvoll zu ergänzen und gegenseitig zu durchwirken. Die vorher scharfe Trennungslinie zwischen sich und der Welt, zwischen innen und außen wird durchlässig, und er erlebt sich eingebunden in einen sinnvollen Zusammenhang, der durch die Liebe zu sich selbst und zu allen Geschöpfen hergestellt wird. Schließlich beginnen sich die Unterschiede aufzulösen und er nimmt nur mehr die Liebe oder das Bewusstsein in ihrer reinen Form wahr. Alles erscheint ihm Liebe und Bewusstsein zu sein, ohne jeden Unterschied.

16. CIDĀNANDA LĀBHE DEHĀDISHU CETYAMĀNESHVAPI CIDAIKĀTMYA PRATIPATTI DĀRDHYAM JIVANMUKTIH
Hat er die Seligkeit des höchsten Bewusstseins (chit) erlangt, wird er sicher verankert in seiner Identität mit dem Bewusstsein, auch wenn er seinen Körper und so weiter erlebt. Dann ist er ein jivanmukta, befreit während er noch lebt.

Wenn jemand in diesem Zustand des höchsten Bewusstseins angelangt ist, heißt das nicht, dass er die “normale” Realität nicht mehr erfährt. Natürlich bleibt der Betroffene ein Mensch mit einem menschlichen Körper und einer menschlichen Sinneswahrnehmung, menschlichen Gemüts – und Denkfunktionen. Nichts davon geht verloren. Ein “Jivanmukta”, ein im Leben befreiter, bleibt in jedem Augenblick vollständig mit dem dem höchsten Bewusstsein identifiziert, er sieht alles aus dessen Warte, als dessen Ausdruck. Da aber das höchste Bewusstsein allumfassend ist, ist jede andere Form von Bewusstsein darin möglich, enthalten und aufgehoben und trübt nicht die Glückseligkeit des höchsten Bewusstseins.

17. MADHYA-VIKĀSĀT CIDĀNANDA-LĀBHAH
Durch die Ausweitung der Mitte (Madhya) wird die Glückseligkeit des Bewusstseins erlangt.

Die oben beschriebenen Bewusstseinsveränderungen gehen mit Veränderungen im subtilen Körper einher. Der Reinigungs– und Entwicklungsprozess wird als eine Öffnung aller beschrieben Chakren oder Bewusstseinszentren entlang des Zentralkanals (Sushumna) in der Wirbelsäule, von der Basis bis zum Scheitel. Mit dem “Ausdehnen der Mitte” ist die Audehnung der Bewusstseinskraft entlang dieses Zentralkanals gemeint.
Eine weitere Möglichkeit, diese "Ausdehnung der Mitte" zu sehen, ist folgende: Normalerweise ist unser Bewusstsein mit einer ununterbrochenen Aneinanderreihung von Bewusstseinsinhalten angefüllt. Wir nehmen den Zwischenraum, der zwischen zwei Gedanken existiert, nicht wahr. Was aber würden wir wahrnehmen, wenn wir den Zwischenraum, die "Mitte", zwischen zwei Gedanken bewusst erleben und ausdehnen könnten? Wir würden die reine Präsenz erfahren, die wir sind, reines Sat-Chit-Ananda, Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit.
In gleicher Weise wird der Atem auch als Träger des Bewusstseins gesehen, und Einatmen und Ausatmen folgen unmittelbar aufeinander. Wenn wir beginnen, den Raum wahrzunehmen, wo sich der Atem im Inneren auflöst beim Einatmen (das innere Herz) und den Raum, wo sich der beim Ausatmen der Atem auflöst (das äußere Herz), und wir das Bewusstsein für den Zwischenraum, die "Mitte" zwischen Einatmen und Ausatmen schärfen, werden wir derselben Präsenz gewahr, die hinter dem Atem wirkt. Deshalb zielen verschiedene Meditationstechniken auf diesen Zwischenraum, diese "Mitte" ab. (vgl. Vers 18)


18. VIKALPA KŚAYA ŚAKTI SANKOCA VIKĀSA VĀHACCHEDĀDYANTA KOTI NIBHĀLANĀDAYA IHOPĀYĀH
Die Mittel dazu sind: das Auflösen von polarisierenden Gedanken, das Zusammenziehen und Ausdehnen von göttlicher Kraft, die Pause zwischen den Atemzügen, die Kontemplation des Ortes (koti)(wo sich der Atem bei der Einatmung und Ausatmung auflöst)

Wir können diesen Prozess aktiv unterstützen, indem wir uns nicht in Polaritäten verstricken, also uns nicht nur mit einer Seite identifizieren, weil wir wissen, dass ein Pol ohne den anderen nicht existieren würde und könnte, Gott aber beide umschließt.
Eine wesentliche Unterstützung dieses Vorganges ist aber auch der Atem. Er ist einerseits Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele, andererseits auch direkter Ausdruck des Lebens und des “Geistes Gottes. Dort, wo sich der Atem beim Einatmen im Körper und beim Ausatmen vor dem Gesicht auflöst, in dieser Pause, diesem Zwischenraum (Madhya) ist ein Moment der absoluten Stille, in der wir Gott begegnen können.


19. SAMĀDHI SAMSKĀRAVATI VYUTTHĀNE BHŪYO BHŪAŚ CIDAIKYĀMARŚAN-NITYODITA SAMĀDHI LĀBHAH
In dem Zustand, der daraus entsteht (vyutthana), der erfüllt ist von den Effekten meditativer Absorption (samadhi) erlangt man dauerhafte Absorption (samadhi), indem man seine Aufmerksamkeit immer und immer wieder auf seine Identität mit dem universellen Bewusstsein (chit) richtet.

dem Schließlich berichten weise Menschen, dass sie in einem Zustand der dauernden Identität mit göttlichen Bewusstsein verweilen, indem sie immer und immer wieder ihre Aufmerksamkeit darauf richten und anfangs willentlich, später spontan, zu ihm zurückkehren.

20. TADĀ PRAKĀŚĀNANDA-SĀRA MAHĀMANTRA-VIRYĀTMAKA PŪRNĀHANTĀVEŚĀT SADĀ-SARVA-SARGA-SAMHĀRA KĀRI NIJA SAMVID-DEVATĀ-CAKRESVARATĀ PRĀPTIR BHAVATI
ITI ŚIVAM
Dann erlangt man die Herrschaft über die Gottheiten des Bewusstseinsrades, welches jedes Ausströmen und Absorbieren des Universums hervorbringt. Dies geschieht als Folge des Eintretens in das göttliche Licht, das die Essenz des lebendigen Selbst und des großen Mantra ist.

All dies ist die Natur Shivas.

Schließlich werden die Menschen, die diesen Zustand erreichen, direkte Zeugen und Handelnde im Schöpfungsprozess. Sie erleben das Universum als Ausdruck ihres eigenen Selbst, als reines, göttliches Licht, und als das Mantra SO – HAM = Das bin ich.
So erleben Sie die Natur Gottes als ihre eigene Natur.
Iti Shivam – all das ist die Natur Gottes.








Sri Aurobindo (1872-1950)

Das Abenteuer des Denkens


 

Spät habe ich gelernt, dass Weisheit geboren wird, wenn die Logik stirbt. Vor dieser Befreiung besaß ich nur Wissen.

Benutze den Verstand zu seiner gottgegebenen Bestimmung und Glaube und Instinkt für deren eigene, bis die Weisheit zu dir kommt. Warum solltest du auch den

Fehdehandschuh zwischen deine eigenen Kräfte werfen?

Die Bücher der Weisheit sind die Lampen Gottes, die dich aus dieser Nacht der Bindungen und des Egoismus herausführen; wenn aber das Licht der Erleuchtung in deiner Seele aufgeht, dann brauchst du selbst diese göttlichen Lampen nicht mehr, dann kannst du frei und sicher im ewigen Sonnenlicht wandeln.

Das Gesetz ist für die Unfreien und Blinden gemacht; wenn sie es nicht hätten, würden sie sich verirren; dich aber hat Krishna befreit und dir sein lebendiges Licht gezeigt; so halte im Gehen die Hand deines Freundes und wandele im Licht der ewigen Veden.

"Das entspricht nicht unserem Gesetz", sagen die Dogmatiker und Schriftgelehrten. Du Narr! Ist Gott denn nur ein Buch, daß es außer den heiligen Schriften nichts Wahres und Gutes mehr geben kann?

Wenn du dich auf deine eigene innere Erfahrung berufst, die anders geartete deines Nächsten aber in Frage stellst, dann kannst du sicher sein, dass Gott dich zum Narren hält. Hörst du nicht sein Gelächter hinter dem Vorhang deiner Seele?

Gott, der Guru der Welt, ist weiser als dein Verstand; vertraue ihm und nicht jenem ewig sich selbst suchenden und arroganten Skeptiker.

Lebe in deinem Innern; lass dich nicht erschüttern durch äußere Ereignisse.

Wer Misslingen und Unvollkommenheit verwirft, der verwirft Gott; er begrenzt seine eigene Seele und betrügt seine eigene Vision. Verwirf nicht, sondern beobachte die Natur, hilf deinen Brüdern und heile sie, stärke ihre Fähigkeiten und ihren Mut durch deine Sympathie.

Weil ein guter Mensch stirbt oder scheitert und die Bösen leben und triumphieren, deshalb soll Gott böse sein? Ich sehe keine Logik in dieser Schlussfolgerung. Ich müsste zuerst davon überzeugt werden, dass Tod und Misserfolg etwas Übles seien.

Die Philosophen, die die Welt als Illusion verwerfen, sind sicherlich sehr weise, ernsthaft und heilig; aber ich kann mir nicht helfen, manchmal denke ich, dass sie auch ein ganz kleines bisschen töricht sind und es Gott zu einfach machen, sie auf den Arm zu nehmen.

Sie bewiesen mir mit überwältigenden Argumenten, dass Gott nicht existiere, und ich habe ihnen geglaubt. Dann habe ich Gott gesehen, denn Er kam zu mir und nahm mich in Seine Arme. Wem soll ich nun glauben, den Argumenten der anderen oder meiner eigenen Erfahrung?

Logik ist der schlimmste Feind der Wahrheit, so wie Selbstgerechtigkeit der schlimmste Feind der Tugend ist; die eine kann ihre eigenen Irrtümer nicht erkennen, die andere nicht ihre eigene Unvollkommenheit.

Warum schimpfst du über die Dogmen der Sekten und ihre Intoleranz, da du selbst doch deinen Glauben als den einzig wahren und seeligmachenden bezeichnest und den aller anderen als falsch, unwissend oder gar als Schwindel?

Liebe zur Einsamkeit deutet auf Erkenntnisdrang hin; Erkenntnis aber kann erst erreicht werden, wenn wir selbst in der Menge, in der Schlacht und auf dem Markte beständig in Einsamkeit eingehüllt sind.

Der Gottesleugner ist niemand anderes als Gott, der mit sich selbst Verstecken spielt; aber gilt nicht das gleiche auch für den Gottesgläubigen? Nun, vielleicht, denn er hat den Schatten Gottes gesehen und greift danach.

Gott schlug mich durch eine menschliche Hand. Soll ich jetzt sagen: "Ich vergebe Dir Deine Unverschämtheit, o Gott?" Gott erwies mir Gutes, indem er mich schlug. Soll ich nun sagen: "Ich vergebe Dir, aber tu es nicht wieder?"

Wenn ich ein langweiliges Buch lese, und zwar mit Vergnügen, und doch die ganze Vollkommenheit seiner Langeweile wahrnehmend, dann weiß ich, dass mein Denken und Sinnen erobert ist.

Ich hörte einen Narren den größten Unsinn erzählen und fragte mich, was Gott wohl damit bezwecke. Als ich noch darüber nachsann, sah ich plötzlich die Wahrheit und die Weisheit hinter der verzerrten Maske.

Als ich noch unwissend war, habe ich Verbrechen, Unlauterkeit und Sünde verabscheut, und war doch selbst voll davon; als ich aber gereinigt war und sehend wurde, habe ich mich im Geiste vor dem Dieb und dem Mörder verneigt und die Füße der Hure geküsst. Denn ich erkannte, dass diese Seelen die schreckliche Bürde des Bösen auf sich genommen und für uns alle das aufschäumende Gift des Weltozeans getrunken hatten

Die Sünder zu hassen ist die schlimmste Sünde, weil es heißt, Gott zu hassen; denn wer die begeht, brüstet sich mit seiner größten Tugend.

In Gottes Vorsehung gibt es nichts Böses, sondern nur das Gute und dessen Vorbereitung.

 

Grundwissen der Esoterik - Die Strahlen


Das folgende ist eine Übersicht über die Eigenschaften und Auswirkungen der 7 Strahlen. Die 7 Strahlen gelten als die größten uns bekannten 'Wirkungskraftfelder' kosmischer Größenordnung, sie gehen also deutlich über unsere planetare oder solare Lebensgesamtheit hinaus. Insbesondere fließen die Strahlenergien u.a. über die Tierkreiszeichen und benachbarte Sonnensysteme (mit der unsere Sonne eine Lebensgesamtheit bildet), in unser Sonnensystem ein und werden hier vor allem von den Planeten transformiert und verteilt.

Links die beschreibenden Kategorien, rechts die Attribute. Von den 7 Strahlen sind die ersten drei in dem Sinne primär, daß die anderen 4 aus ihrer Gesamtheit hervorgehen. Die ersten 3 werden daher Strahlen der Aspekte genannt, die weiteren 4 die Strahlen der Attribute. In gewissem Sinne stellt die Spanne von Strahl 1 bis 7 auch die verschiedene Stadien der Involution dar, also des In-die-Materie-bringen der Geistes, beginnend mit dem ersten Strahl, der die (geistige) Schöpfung hervorbringt bis hin zum 7., der das Organisieren und in-Form-und-Rhythmus-bringen in der Materie vollzieht.

Alle Strahlen weisen eine Polarität auf: alle Strahlen ungerader Ordnung sind positiv polar, alle gerader Ordnung negativ polar. Dabei sind positiv und negativ polar keine Bewertungen im Sinne von "positiv" und "negativ", sondern bedeuten einen Überschuß an Aktionsvermögen, Energie, Ausdruckskraft etc. gegenüber Empfindungs- und Ausnahmevermögen etc. einerseits (im Falle positiv polarer, also ungerader Ordnung) oder andersherum (im Falle negativ polarer, also gerader Ordnung).

Für den Menschen von großer Nützlichkeit ist die Kenntnis seiner Strahlenausstattung, d.h., welcher Strahl den Haupteinfluß über seine niederen drei Körper (Mental, Emotional, Physis) hat, oder wie man sagt, auf welchem Strahl seine Körper 'liegen'. Gemeinhin werden diese zusammen mit dem Strahl der Seele angegeben, der sich i.a. über Millionen Jahre nicht ändert, und dem Strahl der Persönlichkeit, der sich durchaus von Inkarnation zu Inkarnation ändern kann: Bsiepielsweise:

Beispiel --------- Seele Persönlichkeit Mental Emotional Physis
Strahlen
-----------3 -------- 2------------ 1 --------6-------- 7
Unterstrahlen
------ ---------6 ------------3 --------6-------- 7

Zur Bestimmung der Strahlen-Struktur ist eine gewisse nüchterne Einschätzung der eigenen Person notwendig und die Beobachtung, welche der unten genannten Eigenschaften für welchen Bereich zutreffen. Meistens kann man sich am besten an den negativen Ausprägungen der Strahlen orientieren. Weiters gibt es einige kleine
Hinweise
wie z.B. daß

  1. Strahlen mehrfach auftreten können
  2. kaum ein Mensch einen positiv polaren Emotionalkörper besitzt, d.h. der 5. Strahl als Astralkörper extrem selten vorkommt, der 7 und 3. ganz selten.
  3. sehr viele Menschen (vermutlich die meisten) eine Strahl-2 Seele besitzen (unser Sonnensystem ist ein Strahl-2 System), die nächste große Gruppe dürften die Strahl-3 Seelen sein (unsere Planet ist ein Strahl-3 Planet).
  4. kaum Menschen eine starke Strahl-1 Prägung besitzen, selbst solche, die sich als besonders Willensstark erweisen, haben oft eher einen Strahl-1 Körper oder ein Strahl-1 Mental als eine Strahl-1 Seele, eher noch eine Strahl-1 Persönlichkeit. Strahl-1 Seelen (meist auch mit wieteren 1-ern in ihrer Ausstattung) besitzen eine enorme Willen- Schaffens- aber auch Zerstörungskraft
  5. der 1. Strahl selten als Seelenstrahl und Persönlichkeitsstrahl vorkommt, nur gelegentlich einmal als Mental- oder Astralkörper
  6. der 1. Strahl als Denkvermögen einen scharfer Verstand bedeutet, einen Mensch mit großem Weitblick, der sehr einflußreich werden kann, dies ist bei Eingeweihten eher häufig. Das muß nicht heißen, daß der Mensch einflußreich wird, sondern, daß er im Denken führend ist.
  7. der Strahl der Physis auch das physische Gehirn einbegreift, daß heißt die Art und Fähigkeit zu denken prägt.
  8. sich die Strahlen nicht aus dem Geburtshoroskop 'berechnen' lassen. Soweit bekannt, ist nicht nur uns kein Algoritmus bekannt, es gibt auch keinen ! Hinweise auf den Seelen- oder Persönlichkeitsstrahl können(!) sich durchaus in dem AC- oder Sonnenzeichen finden.
  9. sich in unseren Zeiten sicherlich insbesondere innerhalb des bereits etwas 'entwickelteren' Teils der Menschheit viele (natürlich nicht alle!) befinden, die sowohl (noch) Strahl 6-, als auch (bereits) Strahl 7-Energien in die Welt bringen, daher also auch beide Strahlen in ihrer Ausstattung besitzen
  10. Menschen mit stärkerer Besetzung durch die Strahlen 2,4,6 körperlich (und psychisch) anfälliger sind (körperliche Störungen und Erkrankungen resultieren ja auch aus Denkmustern und -gewohnheiten sowie Gefühlszuständen) bei stärkerer Besetzung mit 1,3,5,7 weniger.
  11. häufig, aber nicht immer alle oder einige Strahlen eines Lebens die Unterstrahlen des nächsten sind (in Fällen, in denen Strahlen der letzten Inkarnation bekannt sind, sind dies mit gewisser Wahrscheinlichkeit die jetzigen Unterstrahlen).
  12. die Unterstrahlen auch manchmal, zumindest teilweise, dieselben sein können, wie die Hauptstrahlen
  13. Künstler wie Schriftsteller, Musiker, Maler, Komponisten haben oft mehr als einmal den 4-ten Strahl in ihrer Ausstattung
  14. die großen Staatsführer, Politiker, Militärs sind meist mit mindestens ein oder zwei 1- ern ausgestattet
  15. Menschen, die für eine der Religionen stehen wie Prediger, Mönche, Religionsstifter, gerade im letzten (also Fische-Zeitalter), sind meist gut mit den Strahlen 2 oder 6 ausgestattet.
  16. Wissenschaftler haben häufig eine der ansonsten eher selteneren Strahl-5 Besetzungen, schon mal mit 1 als Mentalstrahl.

Die Strahlen
Strahl 1 Wille, Macht
Name:
Wille, Macht
positive Ausprägung:
Kraft, Mut, Beständigkeit, Wahrhaftigkeit, die absoluter Furchtlosigkeit entspringt, Willensstärke, Zielstrebigkeit, Kraft zum Herrschen, visionäre Schau, Macht zum Guten, Führungsqualität
negative Ausprägung:
Stolz, Ehrgeiz, Eigenwilligkeit, Härte, Arroganz, der Wunsch, andere zu beherrschen, Starrsinn, Zorn, Einzelgänger, Kraft zum Bösen
zu erarbeiten: Feinfühligkeit, Demut, Sympathie, Toleranz, Geduld
Ziel der Seelen:
Vollendung des Evolutionsplans
Methode obere Klasse:
Wissenschaft der Staatsführung und Verwaltungswissenschaft
Methode untere Klasse:
moderne Diplomatie und Politik
Jüngerschaft: Kraft #Energie #Tat #Der Okkultist
Polarität:
positiv
Aspekt/Attribut:
Aspekt
Volle Auswirkung: In der 7. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
1. u. 7. Unterrasse
aktiv ?: nicht tätig TZ 1: Wi TZ 2:TZ 3: Sb
heiliger Planet:
URANUS, jetzt: VULKAN
unheiliger Planet:
Pluto
Wochentag:
Sonntag
Chakra:
Kopfzentrum
Sinn:
Gefühl
Sitz im Körper:
vitale ätherische Substanzen im Innern der Hirnschale
göttliches Prinzip: Das eine Leben. Geist
menschliches Prinzip :
Prana oder Lebensvitalität
Element:
Die Akasha. «Es ist geschrieben
Farbe exoterisch:
orange
Farbe esoterisch:
rot
Wahrnehmungsmedium: Das Kundalini Licht


Strahl 2 Liebe-Weisheit
Name:
Liebe-Weisheit
positive Ausprägung: Gelassenheit, Kraft, Geduld und Ausdauer, Wahrheitsliebe, Treue, Intuition, klarer Verstand, heiteres Gemüt, göttliche Liebe, Weisheit, Takt
negative Ausprägung:
Zu sehr in Studien vertieft, Kälte, Gleichgültigkeit anderen gegenüber, Verachtung der mentalen Grenzen anderer, Selbstsucht, Mißtrauen
zu erarbeiten:
Liebe, Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Energie
Ziel der Seelen: Vollkommene Intuition
Methode obere Klasse:
Kurse über Initiation, geleitet von den Meistern der Hierarchie
Methode untere Klasse:
Religion
Jüngerschaft:
Bewusstsein #Ausdehnung #Einweihung #Der wahre Spiritualist
Polarität:
negativ
Aspekt/Attribut:
Aspekt
Volle Auswirkung:
In der 6. Wurzelrasse.
Haupteinfluss: 2. u. 6. Unterrasse
aktiv ?:
in Funktion seit 1575 n. Chr TZ 1: Zw TZ 2: Jg TZ 3: Fi
heiliger Planet: NEPTUN, jetzt:JUPITER
unheiliger Planet:
Wochentag: Donnerstag
Chakra:
Herzzentrum
Sinn:
Intuition
Sitz im Körper:
Herz
göttliches Prinzip:
Liebe
menschliches Prinzip :
Die aurische Hülle
Element:
Äther. «Es ist gesagt.» Das Wort
Farbe exoterisch:
Indigo mit einem Anflug von Purpur
Farbe esoterisch:
helles blau
Wahrnehmungsmedium:
Ohren. Sprache. Das Wort


Strahl 3 Aktivität, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit
Name:
Aktivität, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit
positive Ausprägung:
Große Auffassungsgabe für abstrakte Themen, Aufrichtigkeit, klarer Verstand, Konzentrationsfähigkeit, Geduld, Vorsicht, keine Neigung, sich oder andere wegen Kleinigkeiten aufzuregen, 'mentale Erleuchtungen', philosophische Sichtweise
negative Ausprägung:
Intellektueller Stolz, Kälte, Isolation, Ungenauigkeit in Details, Zersteutheit, Eigensinn, Selbstsucht, kritisch, unpraktisch, unpünktlich, träge
zu erarbeiten:
Sympathie, Toleranz, Hingabe, Genauigkeit, Energie, gesunder Menschenverstand
Ziel der Seelen: Arische Rasse. Vollkommen ausgebildeter Intellekt
Methode obere Klasse:
Mitteilungs- und Verbindungswesen: Radio, Telefon, Telegraf und Reisemöglichkeiten
Methode untere Klasse:
Gebrauch und Nutzniessung von Geld und Gold
Jüngerschaft:
Anpassung #Entwicklung #Evolution #Der Magier
Polarität:
positiv
Aspekt/Attribut:
Aspekt
Volle Auswirkung: In der 5. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
3. u. 5. Unterrasse
aktiv ?:
in Funktion seit 1425 n. Chr TZ 1: Kr TZ 2: Wg TZ 3: Sb
heiliger Planet:
SATURN
unheiliger Planet: Erde
Wochentag:
Samstag
Chakra:
Kehlzentrum
Sinn:
Gesicht
Sitz im Körper:
Zentren aufwärts der Wirbelsäule
göttliches Prinzip:
Universale Denkkraft
menschliches Prinzip :
Verstand
Element:
Feuer. «Feuer durch Reibung.»
Farbe exoterisch:
schwarz
Farbe esoterisch:
grün
Wahrnehmungsmedium:
Nervensystem «Es ist zu Bewusstsein gekommen.»


Strahl 4 Harmonie
Name:
Harmonie
positive Ausprägung: Starke Gefühle, Sympathie, körperlicher Mut, Großzügigkeit, Hingabe, rascher Verstand und schnelle Auffassungsgabe negative Ausprägung: Egozentrik, Besorgtheit, Ungenauigkeit, Mangel an moralischem Mut, starke Leidenschaften, Unduldsamkeit, Extravaganz, Verschleierung von Intuition
zu erarbeiten:
Heiterkeit, Vertrauen, Selbstbeherrschung, Reinheit, Selbstlosigkeit, Genauigkeit, mentales und moralisches Gleichgewicht
Ziel der Seelen:
Atlantische Rasse. Vollkommen ausgebildeter Astral
Methode obere Klasse:
Freimaurertätigkeit nach dem Vorbild der Hierarchie, im Zusammenhang mit dem 2. Strahl
Methode untere Klasse:
architektonische Bauten. Moderne Städteplanung
Jüngerschaft:
Vibration #Widerhall #Ausdrucksform #Der Künstler
Polarität:
negativ
Aspekt/Attribut:
Attribut
Volle Auswirkung:
In der 4. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
4. u. 6. Unterrasse
aktiv ?:
kommt nach 2025 n. Chr. Langsam in Erscheinung. TZ 1: Sr TZ 2: Sk TZ 3: Su
heiliger Planet: MERKUR
unheiliger Planet:
Wochentag: Mittwoch
Chakra:
Zentrum am Ende der Wirbelsäul
Sinn:
Geruch
Sitz im Körper:
göttliches Prinzip: Buddhi. Intuition. Reine Vernunft
menschliches Prinzip :
Verstehen. Vision. Spirituelles Erfassen
Element:
Luft. «So wird Einheit geschaffen.»
Farbe exoterisch:
cremefarbig
Farbe esoterisch:
gelb
Wahrnehmungsmedium:
Augen. Besonders das rechte Auge


Strahl 5 Konkretes Wissen oder Wissenschaft
Name:
Konkretes Wissen oder Wissenschaft
positive Ausprägung:
Genauigkeit, Gerechtigkeit (ohne Gnade), Ausdauer, gesunder Menschenverstand, Geradheit, Unabhängigkeit, scharfer Verstand, Wahrhaftigkeit
negative Ausprägung:
Harte Kritik, Engherzigkeit, Arroganz, Unfähigkeit zu verzeihen, Mangel an Sympathie, Vorurteile, Tendenz zu Isolation, sich mental abgrenzen
zu erarbeiten:
Ehrfurcht, Hingabe, Sympathie, Liebe, geistige Offenheit
Ziel der Seelen: Lemurische Rasse. Vollkommen ausgebildeter physischer Körper
Methode obere Klasse:
Die Wissenschaft von der Seele. Esoterische Psychologie
Methode untere Klasse:
modernes Erziehungswesen und Geisteswissenschaften
Jüngerschaft:
Gedankenformung #Kenntnisse #Wissenschaft #Der Wissenschaftler
Polarität:
positiv
Aspekt/Attribut:
Attribut
Volle Auswirkung: In der 3. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
5. u. 3. Unterrasse
aktiv ?:
in Tätigkeit seit 1775 n. Chr TZ 1:TZ 2: Su TZ 3: Ws
heiliger Planet:
VENUS
unheiliger Planet:
Wochentag: Freitag
Chakra:
Ajnazentrum
Sinn:
Verstand
Sitz im Körper:
Gehirn
göttliches Prinzip:
Höheres Wissen «Gott sah, dass es gut war.»
menschliches Prinzip :
Vernunft
Element:
Flamme
Farbe exoterisch:
gelb
Farbe esoterisch:
indigo
Wahrnehmungsmedium:
Astraler Körper


Strahl 6 Abstrakter Idealismus oder Hingabe
Name:
Abstrakter Idealismus oder Hingabe
positive Ausprägung:
Hingabe, Zielstrebigkeit, Liebe, Zartheit, Intuition, Loyalität, Ehrfurcht, Einschließlichkeit, Idealismus, Sympathie
negative Ausprägung: Selbstbezogene, eifersüchtige Liebe, anmaßend, Parteilichkeit, Selbsttäuschung, Sektierertum, Aberglaube, Vorurteile, voreilige Schlüsse, zornentbrannt, Gewalttätigkeit, Fanatismus, Mißtrauen
zu erarbeiten:
Kraft, Selbstaufopferung, Reinheit, Wahrheit, Toleranz, Heiterkeit, Ausgeglichenheit, gesunder Menschenverstand
Ziel der Seelen:
Methode obere Klasse: Das Christentum und seine Abarten. (Beachte die Beziehung zum 2. Strahl.
Methode untere Klasse:
Kirchen und religiöse Organisationen
Jüngerschaft:
Hingabe #Abstraktion #Idealismus #Der Enthusiast
Polarität:
negativ
Aspekt/Attribut:
Attribut
Volle Auswirkung:
In der 2. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
6. u. 2. Unterrasse
aktiv ?:
verschwindet rasch. Das Nachlassen setzte im Jahre 1625 n. Chr. ein TZ 1: Jg TZ 2: Su TZ 3: Fi
heiliger Planet:
NEPTUN
unheiliger Planet:
Mars
Wochentag:
Dienstag
Chakra:
Sonnengeflecht
Sinn:
Geschmack
Sitz im Körper:
im Sakralzentrum lokalisiert mit einer Ausstrahlung nach oben in die Kehle
göttliches Prinzip:
Verlangen nach Formbildung
menschliches Prinzip :
Kama-Manas. Verlangen
Element:
Wasser. «Ich sehne mich nach einem Heim.»
Farbe exoterisch:
rot
Farbe esoterisch:
rosafarbig mit Silberton
Wahrnehmungsmedium: Zunge, Sprachorgane

Strahl 7 Zeremonielle Ordnung oder Magie oder Ritual
Name:
Zeremonielle Ordnung oder Magie oder Ritual
positive Ausprägung:
Kraft, Ausdauer, Mut, Höflichkeit, peinliche Genauigkeit, Selbstvertrauen, Kreativität, Nachdenklichkeit, Organisation
negative Ausprägung: Formalismus, Bigotterie, Stolz, Engherzigkeit, schlechte Urteilskraft, Arroganz, Überbetonung von Routine, Aberglaube zu erarbeiten: Erkennen der Einheit, geistige Offenheit, Toleranz, Bescheidenheit, Sanftmut und Liebe
Ziel der Seelen: Methode obere Klasse: alle Arten weisser Magie
Methode untere Klasse:
Spiritismus und spiritistische Erscheinungen (Phänomene)
Jüngerschaft:
Beschwörung #Magie #Ritual #Der Ritualist
Polarität:
positiv
Aspekt/Attribut:
Attribut
Volle Auswirkung:
In der 1. Wurzelrasse.
Haupteinfluss:
7. u. 1. Unterrasse
aktiv ?:
trat 1675 n. Chr. in Aktion TZ 1: Wi TZ 2: Kr TZ 3: Sb
heiliger Planet:
URANUS
unheiliger Planet: Wochentag: Montag
Chakra:
Sakrales Zentrum
Sinn:
Gehör
Sitz im Körper:
im Zentrum am Ende der Wirbelsäule
göttliches Prinzip:
Energie
menschliches Prinzip :
Ätherische Kraft oder Prana
Element:
Erde. «Ich manifestiere
Farbe exoterisch:
weiss
Farbe esoterisch:
violett
Wahrnehmungsmedium:
Nase



NEKTAR DES ENTZÜCKENS aus dem BHAKTI YOGA


VORWORT
In der Gestalt Radhas offenbart sich nichts anderes als der Aspekt der
Seligkeit oder die Verzücken schaffende Kraft (Hladini Shakti) Krishnas,
der die Wahrheit, der Geist und die Seligkeit ist. Konkret ausgedrückt ist
Radha nichts anderes, als die einmalige und unvergleichliche Gestaltwerdung
reinster Liebe zu Krishna. Liebe ist der Ursprung dieser Verzücken
schaffenden Kraft, und die Quintessenz der Liebe heißt Madana
Mahabhava (verzehrende, höchste Liebe), deren lebendige Verkörperung
Radha ist. Sie selbst ist sichtbarer Ausdruck der Hladini Shakti. Sie ist die
Seele, die Gottheit, die über die reinste, ständig sich mehrende Liebe
regiert. Radhas einzige Aufgabe besteht darin, Krishna Freude zu bereiten,
indem sie ihm voll Reinheit und Selbstverleugnung ständig dient. Dies ist
der Sinn ihres Daseins. In Krishna findet sich keinerlei sinnliche Begierde
nach ihr, noch die geringste, auch nur scheinbare Spur eines Verlangens
nach eigener Befriedigung. Radha ist die vollkommenste Offenbahrung
göttlicher Schöpferkraft, während Krishna sie auf vollkommenste Weise
besitzt. Beide sind ewig verschieden und nicht-verschieden. In ihrem
nicht-verschiedenen Aspekt ist Radha und Krishna ohne Anfang und Ende
und so immer identisch. Seit ewiger Zeit leuchten sie als zwei Wesen, die
sich ihres transzendenten Spieles erfreuen, das voll Liebe und Entzücken
ist. Radhas Liebe, oder Madana Mahabhava, ist zwar überaus vollkommen,
aber sie ist sich ihres göttlichen Charakters nicht bewusst. Sie
entspringt sozusagen einer tiefen Zuneigung, die ihren Ursprung im
Gefühl des Meinseins findet. Sie weiß nichts von ihrer Größe und bemüht
sich auch nicht um deren Anerkennung. Obwohl sie alles übertrifft, ist sie
frei von Egoismus und anderen Schwächen. Die Liebe Radhas nimmt
allein in Madana Mahabhava eine einmalige Form an. Auf diese Weise
dient Radha ihrem einzig geliebten Krishna; es ist die Liebe, die den
selbstlos Liebenden kennzeichnet. Das vollkommene Glück, das Radha in
ihrer Hingabe erlebt, ist unendlich viel größer, als das Liebesglück
Krishnas, der ihre Hingabe als Ziel ihrer Liebe empfängt. Aus diesem
Grunde sehnt sich Krishna danach, lieber Gefäß der Liebe als ihr Ziel zu
sein. Mit anderen Worten: Er will die Rolle des Liebespenders spielen,
anstatt ausschließlich als Empfänger zu handeln; er will nicht nur
Gegenstand der Verehrung sein, sondern selbst verehren. Deshalb nimmt
er selbst die Rolle des Anbeters an, obwohl er für Radha auf immer Ziel
ihrer Verehrung bleibt. Wo Krishna der Liebende ist, ist Radha seine
Geliebte; wo Radha als Liebende spricht, ist Krishna Ziel ihrer Liebe.
Beide glauben, dass sie für den anderen keine Liebe empfinden, und sie
fühlen sich gering und einander verpflichtet, denn darin liegt das Wesen
wahrer Liebe.

3
Der größte Teil der Literatur, die sich mit der Liebe Krishnas und
Radhas beschäftigt, besteht aus Gedichten, in denen Krishna als Geliebter
und Radha als Liebende dargestellt werden. In acht der hier vorliegenden
sechzehn Gedichte betrachtet Krishna Radha als seine Geliebte und als
Herrscherin im Königreich der Liebe; er selbst glaubt, keine Liebe zu
besitzen. In den übrigen acht Gedichten entgegnet ihm Radha, und nun
spricht sie davon, dass sie keine Liebe besitze, während Krishna reich an
Liebe sei. Auf diese Weise stellen die sechzehn Gedichte dar, wie im
Liebenden die Demut zunimmt, und sie erhöhen den Geliebten mehr und
mehr in seinen Augen.
Je mehr sich der Leser vom Geist der Gedichte gefangen nehmen lässt,
umso mehr wird er erkennen, wie rein, selbstlos, hingabebereit und
transzendent die Liebe Radhas und Krishnas ist. Diese Gedichte wurden
veröffentlicht, damit alle jene, die diese Liebe als Ideal erkennen und sich
um sie bemühen, ihren Weg entsprechend wählen und sich von der Liebe
zu den Füßen Radhas und Krishnas mehr und mehr ergreifen lassen.

RADHA MADHAVAS
– NEKTAR DES ENTZÜCKENS –

16 Liebesgesänge

SALUT FÜR DIE HERRIN RADHA,
DIE VERKÖRPERUNG DER HÖCHSTEN LIEBE,
UND DEN HERRN KRISHNA,
DIE HÖCHSTE GLÜCKSELIGKEIT IN PERSON.

Beide sind Chakoravögeln gleich, bekannt für ihre Liebe zum Mond, in
ihrer Beziehung zu einander, und beide sind der Mond, der Geliebte der
genannten Vögel. Beide sind Bhramaras gleich, den schwarzen Bienen, in
Beziehung zueinander, und beide sind die Lotusblume, die Geliebte der
Bienen. Beide sind Chataka Vögeln gleich, bekannt für ihre Liebe zur
Regenwolke, und beide stellen die Wolke dar, die Geliebte der Chatakas.
Beide sind Fischen gleich, die nicht ohne Wasser leben können, und beide
stellen das Wasser dar, das Geliebte der Fische.
Beide sind Quellen der Liebe, in denen die Liebe wohnt, und beide sind
sich Ziele der Liebe, an die sich die Liebe bindet. Beide sind Liebende und
Geliebte zugleich. Das Glück des einen ist abhängig vom Glück des
anderen.
Beide, die Herrin Radha, die Verkörperung der höchsten Liebe, und der
Herr Krishna, die höchste Glückseligkeit in Person, freuen sich am Genuss
ihrer seligen Mußestunden, und indem sie aus dem Kleinsten etwas zu
machen verstehen, gewähren sie einander immer neues Entzücken.
Beide sind von Ewigkeit her begabt mit zahllosen, sich widersprechenden
Charakterzügen und Merkmalen, die nicht durch Worte oder
Gedanken begriffen werden können und voll unübertrefflichem Zauber
und Eleganz sind.
Ich verneige mich wieder und wieder zu den Füßen der Herrin Radha
und des Herrn Krishna, vor dem einen Wesen in zwei verschiedenen
Erscheinungsformen, den Ozeanen ewigen Entzückens.

5

1. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNGEN AN RADHA

Du bist die wahre Quelle meines Daseins, oh Radha! Du bist das
unvergleichliche, sich nie erschöpfende Elixier meines Lebens. Nichts
allüberall kommt Dir gleich.
So wie jedes Glied des Körpers reizvoll ist an seinem Platz, ohne Leben
aber nutzlos und bar aller Reize,
so bist Du, mein Liebling, die einzige Grundlage für die Freude an
allem. Das Leben, welches einem jeden so teuer ist, wird fade ohne Dich.
Dein Leben allein haucht mit Leben ein. Es ist Dein Geist, welcher
mich mit Geist begabt hat. Mit einem einzigen Tropfen aus dem Ozean
Deiner Liebe bin ich imstande, jedermann zu entzücken.
Aus Deinem geheiligten Schatz an Seligkeiten erlangen selbst Bettler
einen Funken Freude. Du bist die Vollkommenheit in sich selbst, die nicht
ihresgleichen besitzt – bitte, vermute auch nicht eine Spur von Unwahrheit
darin.
Obgleich ich (wie ich Dir eben versichert habe) die Freude allein aus
Deiner Schatzkammer an Seligkeiten sparsam austeilte, so tue ich das nur
mit großer Mäßigkeit, mit äußerster Zurückhaltung, Rücksicht und
Zaghaftigkeit. Zu keiner Zeit hat jemals irgendwo ein solch freigebiger
Besitzer der Seligkeit existiert, wie Du es bist.
Was mich selbst anbetrifft, so hast Du einen unendlichen, ewigen
Anspruch auf mich und eine Fülle von Rechten in jeder Weise. Indem Du
mich zu einem Instrument Deiner Freigebigkeit machst, veranlasst Du
Deine eigenen anderen Selbste (die Kuhhirtinnen von Vraja), sehr
großzügig Seligkeiten auszuteilen.
Ich wünsche nur, dass durch Deine Geheimnisvolle und bezaubernde,
süße Liebe ich immer fortfahren möge, Dir als ein Instrument zu dienen
zur Aufheiterung mancher trüber Stimmungen.

6
2. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Ich bin nur Deine ewige Dienerin. Du bist der Herr meines Atems, der
größte Schatz meines Lebens. Zu Deinen Füßen werfe ich mich selbst als
Opfergabe.
Du darfst an mich Deine höchste Liebe verschwenden und mich als
ganz Dein Eigen empfangen, geistig so gut wie körperlich. Oder Du magst
eine feindliche Haltung mir gegenüber annehmen, Furcht in mir erwecken,
mich verfolgen und verschmähen.
In Deinem Glück allein liegt mein Glück, ich kenne kein anderen
Glück. Wenn Du Dich an meinem Leid freust, so sehe ich das als eine
unvergleichliche Wohltat an.
Ich erfreue mich an Deinem Glück. Keine andere Freude existiert in
meiner Vorstellung. Ich wünsche nichts, als Dich glücklich zu sehen in
jedem Augenblick des Tages und der Nacht, am Morgen und am Abend.
Ich lasse meinen Geist vor Dir leuchten und pflege meinen Körper nur,
um Dich glücklich zu sehen. Mich Dir zu Füßen darbringend folge ich
immer nur dem, was Dir gefällt.
Weil du dabei glücklich bist, mich „Königin meines Lebens“ zu
nennen, „Geliebte meines Herzens“ oder „Liebling“, nehme ich alle diese
Kosenamen entgegen, obgleich mein Herz dabei verwirrt ist.

7
3. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Radha, Du Objekt meiner Anbetung, mein Geist lebt in dem Deinen
immerdar. Um Deines gesegneten Anblicks willen habe ich mich in
Gokula niedergelassen.
Der Sinn meines Lebens ist allein, das wahre Wesen der Liebe, welche
in Dir wohnt, zu erfassen und zu kosten. Mit diesen Gedanken im Sinn
streife ich Tag und Nacht umher und spiele auf meiner Flöte.
In dieser Absicht gehe ich aus, um zu baden, und bleibe an den Ufern
der Yamuna sitzen. Mein Geist sehnt sich ruhelos nach dem gesegneten
Anblick Deiner süßen Reize.
Aus diesem Grunde verweile ich unter dem Kadamba-Baum und
meditiere in jedem Augenblick über Dich. Wie der Chataka Vogel nach
einem Schluck Regenwasser dürstet im gegebenen Augenblick, wenn die
Konstellation Swati aufgeht, so dürstet mich nach Deiner Schönheit.
Die wohltuende Süße Deiner Schönheit, Deiner liebenswerten
Neigungen und Tugenden haben für immer mein Herz gestohlen. Ich singe
das Lob Deiner Liebe in jedem Augenblick und bleibe stets darin
versunken.

8
4. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Lausche, oh Prinz des Lords von Vraja, dem folgenden meiner
demütigen Gebete. Du allein sollst die Stütze meines Lebens sein in
Äonen, von Geburt zu Wiedergeburt.
Lass mich immerdar fortfahren, wie eine schwarze Biene über den
Pollen Deiner Lotusfüße zu summen, oh Liebling von Nanda. Lass mich
immerdar um Dich gerankt bleiben, wie eine goldene Schlingpflanze um
einen jungen Tamalabaum, der sich durch seine dunkle Rinde
auszeichnet.
Indem ich mein Leben zu Deinen Füßen hingegeben habe, habe ich
mein ganzes Selbst für alle kommende Zeit in Deine Dienste gestellt. Mit
dem Band der Liebe an Deine Füße gebunden, ist mein Leben aufs
höchste gesegnet worden.
Ich habe erkannt, dass in allen drei Welten niemand anders als Du mein
ist. Wer sonst spricht mich an, indem er mich „Radha“ ruft, und wem habe
ich, Radha, je einen Blick zugeworfen?
Wer ist mein in dieser meines Vaters Familie und jener meines
Ehegatten und in ganz Vraja, diesem Weideplatz der Kuhherden? Indem
ich ausschließlich den Schutz Deiner roten, weichen, lotosgleichen Füße
suche, bin ich stumm geworden.
Ohne Dich zu sehen, findet mein Gemüt auch nicht für einen
Augenblick Frieden. Du bist für immer der Herr meines Lebens; wem
außer Dir soll ich mein Herz öffnen?
Mich als bar aller körperlichen Reize, liebenswerten Neigungen und
Tugenden betrachtend, weise mich nur ab soviel Du kannst. Ich, der Staub
vor Deinen Füßen, werden in jedem Augenblick an Deine Sohlen
geklammert bleiben: Das ist alles, was ich weiß.

9

5. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Oh Entzücken des Prinzen Vrshabhanu, oh unvergleichliche Quelle der
nektargleichen Süße der Liebe, ich, der ich umherstreife von Wald zu
Wald die Kühe weidend, was kann ich wissen von den Gesetzen der
Liebe?
Mich immer nur in der Gesellschaft von Kuhhirtinnen bewegend, spiele
ich immer nur ländliche Spiele. Welche Verwandtschaft kann ich, der ich
nicht besser als heißer Sand bin, mit Dir haben, Du Strom nektargleicher
Liebe?
Wenn Du, oh Königin, übersprudelnd von Liebe, mir Deinen
gesegneten, geliebten Anblick gewährst, überkommt mich übermäßige
Freude und meine Verpflichtung gegen Dich wächst über alle Maßen.
Wie werde ich jemals imstande sein, meine Schuld zurückzahlen, wo
mir doch ewig am Reichtum der Liebe mangelt? Es ist an Dir allein
fortzufahren, mich mit den Gaben der Liebe aus reinem Mitleid heraus zu
segnen.

10
6. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Oh jugendlicher Liebling des Lords von Vraja, dunkelbraunhäutig und
reizend anzusehen, mit Augen, die den Kelchblättern der Lotosblüte
ähneln, oh Erlöser aus allem Ungemach, lass mich Dich unaufhörlich im
Tempel meines Herzens anschauen, oh Eroberer meiner Seele!
Alle die bergehohen Schranken von weltlichem Ansehen, gutem
Betragen, Ehre, Familienstellung und Moral zerschmetternd, lass mich
Dich stets an meiner Seite haben und Dich niemals fortschicken, sei es
auch noch so nah, nicht für die winzige Spanne eines Augenblicks.
Ich bin jedoch nur eine überaus bäuerische Kuhhirtin, bar aller
Vorzüge, das Brandmal niedriger Geburt tragend und zu allen Zeiten
hässlich in meiner Erscheinung, während Du hingegen wohlerzogen im
Betragen bist, eine Fundgrube an Tugenden, ein leuchtendes Juwel Deiner
Rasse und die Schönheit in Person.
Während ich jedes ästhetische Gefühl vermissen lasse und bar allen
guten Geschmacks bin, bist Du ein Meister in gutem Geschmack und das
allerhöchste Juwel eines Mannes von gutem Geschmack. Wie dem auch
sei, oh Ozean des Mitleids, Du bleibst in meinem Busen gehegt.

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7. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Meine geliebteste Radha, Deine Glorie ist unvergleichlich, unaussprechlich
und unendlich. Von Ewigkeit zu Ewigkeit habe ich sie ohne
Unterlass gesungen und finde doch nirgendwo ein Ende.
Deine liebliche Rede, die unschätzbar ist, ergießt nektarhaftes
Entzücken in mein Herz. Ich bin für immer gefesselt durch Deine
reizenden Lotosaugen und Deine geschwungenen Augenbrauen.
Ich wiederhole immer wieder auf meiner Flöte Deinen unvergleichlich
süßen und transzendenten Namen, und mit unersättlichen Augen trinke ich
in jedem Augenblick Deine außergewöhnliche Schönheit.
Nirgendwo konnte ich solche unschuldig reine Liebe finden,
nirgendwo war meines Herzens Sehnsucht verwirklicht. In Dir allein habe
ich die Persönlichkeit gefunden, welche meine Wünsche erfüllt hat.
Das große Wunder Deiner außerordentlichen Liebe ist es, angenehmes
Verlangen und genussvolle Sehnsucht in mir zu erwecken, der ich
gleichzeitig stets befriedigt und ewig frei von Wünschen bin.

12
8. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Die Frage, was ich Dir geben könnte, hat immer meine Gedanken
beschäftigt, oh Reichtum meines Lebens! Tatsächlich bist Du allein der
Schatz, nach dem ich suche, um ihn Dir zu verleihen.
Du allein bist das Teuerste meines Lebens, und ich bin immer Dein, oh
Geliebtester! Ich stehe jeden Augenblick zu Deinen Füßen bereit, Dir
darzubringen, was in Wirklichkeit Dir gehört.
Mit welchen Worten soll ich klar zum Ausdruck bringe, mein Liebling,
was meine Seele fühlt? Während andere viele haben, die sie ihre
Angehörigen nennen, habe ich niemand anderen mir zu eigen als Dich
allein, oh Geliebtester!
Tatsächlich bist Du die einzige Krönung all meiner Bemühungen. Du
allein bist der Herrscher meines Lebens und mein dauernder Reichtum.
Das ist alles, was ich zu sagen habe.
Die Bande des Körpers, der Eigentumsrechte und der Verwandtschaft
haben sich gelöst. Die Schmerzen in Gestalt von Vergnügungssucht und
das Suchen nach Freiheit haben mich für immer verlassen. Ich wurde
gesegnet, indem ich der geliebten Verbindung mit Dir versichert wurde,
oh Geliebtester!

13
9. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Meine geliebte Radha, in der sich mein Lebensatem verkörpert hat, die
Quelle meines Daseins, Dich zu vergessen, könnte ich nicht einen
Augenblick überleben, oh süßer Liebling!
Durch jeden meiner Atemzüge fließt der immerwährende heilige
Strom des Gedenkens Deiner. Bis ins Innerste durchschauert, hört jedes
Haar meines Körpers niemals auf, Dich zu umarmen.
Meine Augen betrachten Dich in jedem Augenblick, und diese Ohren
trinken Deine süßen Worte. Meine Nase atmet den Duft Deiner
Persönlichkeit ein, während die Zunge die nektargleiche Süße Deiner
Lippen genießt.
Jedes meiner Glieder wird geheiligt durch die geliebte Berührung mit
Deinem Körper. Die Süße Deiner Liebe erhält in jedem Augenblick
frischen Reiz und wächst, und damit erblüht auch die Freude meines
Herzens immer wieder von neuem.

14
10. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Du allein bist mein Reichtum, mein nächster Verwandter und mein
Leben. Du allein bist mir Körper und Seele. Du bist mein ganzer Halt. In
Dir allein wohnt all meine Freude, mein lieber und einzig Naher, der
Inhalt meines Lebens.
Kurz und gut, Du bist alles, was ich brauche und die Lösung für alles.
Du bist das einzig heilige und zauberhafte Idol, das würdig ist, in jedem
Augenblick auf jegliche Weise angebetet zu werden.
Du allein bestimmst all meine Angelegenheiten und Aufenthalte, Du
bist der einzige, zu dem ich gehöre. Du thronst Tag und Nacht als Gottheit
im Tempel meiner Seele. Immer voller Wonne strahlst Du bei Tag und
Nacht Freude aus auf den entzückenden See meiner Seele.
Du verleihst in jedem Augenblick all meinen Sinnen Deinen heiligsten
und lebenspendenden Kontakt. In meinem Innern sowie in meinem
Äußeren bist Du unaufhörlich dabei, Deine Melodie zu stimmen.
Gehe niemals aus dem Blickfeld meiner Augen, lass Dich niemals von
mir trennen! Wenn Du mir vereint, vielmehr ganz mit mir eins geworden
bist, genießt Du und lässt mich die ungetrübte Glückseligkeit genießen,
die Dir eigen ist.
In diesem Genuss jedoch hege ich keinerlei Absicht, die von der Deinen
verschieden ist. All mein Begehren hat sein Ende erreicht, und die Bäume
des Egoismus und des Besitzrechts sind verrottet und zerfallen.
Du bist der Genießende, der Gegenstand des Genusses und alles, und
Du allein bist es, der in Form des Genusses erscheint. Vielmehr, indem Du
die Gestalt meiner Seele annimmst, erfährst Du allein die Freude der
Vereinigung sowie den Schmerz der Trennung.

15
11. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Mein Körper und meine Seele, alles gehört Dir. Du allein bist für immer
meine einzige Königin. Dieser mein Körper oder Geist kann weder der
Genießer noch der Gegenstand des Genusses anderer sein. Dies ist mein
unfehlbares Gelübde.
Es ist wahr, mein Körper, im allgemeinen gesprochen, verbleibt nicht
immer an Deiner Seite; mein Astralkörper jedoch kann nicht für einen
einzigen Augenblick Dir unvereint bleiben und wird äußerst ungeduldig.
Er bleibt immerdar mit Dir vereint und an die Sohlen Deiner Füße
geheftet. Du allein bist unmissverständlich die einzige Lebensbedingung
seines Lebens.
Kein anderer hat jemals den geringsten Anspruch darauf gehabt oder
soll ihn je haben. Er wird niemals Anstrengungen machen, irgendjemanden
zu entzünden oder von irgendjemandem auf irgendeine Weise Freude
zu erlangen.
Wenn er jemals in Liebe zu irgendeinem gesehen oder von
irgendeinem anderen nur im geringsten Maße geliebt wird, so ist das
nichts als ein heiliger Widerschein Deiner Liebe allein.
Du kannst mir sagen, was immer Du magst. Ich stehe immer zu Deiner
Verfügung. Aber bitte, verstehe das nicht falsch, und nenne Dich niemals
demütig.
Nichtsdestoweniger bin ich niemals imstande, alle Deine Wünsche zu
erfüllen. Darum fahre ich fort, eine dauernde Quelle des Kummers für
Dich zu sein.
Im vertrauen auf Dein gutmütiges Wesen vergiss bitte all meine
Ungehörigkeiten und fahre fort, mich durch die Gabe des heiligen Staubes
von Deinen Lotosfüßen zu segnen.

16
12. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Ich habe immer und einzig nur von Dir empfangen und wurde niemals
müde, immer wieder neue Ansprüche an Dich zu stellen. Liebe und Segen
über alle Maßen sind mir zuteil geworden, und nichts davon konnte ich
zurückgeben.
Niemals hast Du Dich darum gekümmert, meine Nachteile und Fehler
anzusehen. Du hast immer nur den Spender gespielt und bist niemals
ermüdet im Geben. Und noch viel mehr, Du hast alle Deine Liebe an mich
verschwendet.
Und doch sagst Du: „Ich konnte Dir niemals irgendetwas geben, mein
Liebling! Du bist unvergleichlich in liebenswerten Neigungen und
Tugenden. Ich stehe, mich Dir selbst darbringend, zu Deinen Füßen.“
Was soll ich darauf antworten, Du liebstes Gut meines Lebens? Ich
fühle mich so klein, wenn ich mich selbst betrachte. Du liest Liebe in jeder
meiner Handlungen, oh jugendvoller Liebling von Nanda!

17
13. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA

Radha, Du allein bist das Entzücken meiner Seele, vielmehr mein
eigenes Bewusstsein selbst. Du allein bist mein ewiges Selbst, so wie
Deine Seele in mir enthalten ist.
Dir verdanke ich meine Existenz, mein Lebensatem hat seine Quelle in
Dir. Du allein bist mein Geist, Verstand, Augenlicht, Gehör, Tastsinn und
Geschmackssinn. Du allein bist mein Geruchssinn.
Du allein enthältst alle die wundervollen Organe meiner Sinne, die
groben wie die feinen. Du bist ich, und ich bin Du. Alles in allem – die
Verwandtschaft zwischen Dir und mir hat nirgendwo seinesgleichen.
Ich existiere nicht getrennt von Dir, und Du hast keine Existenz
getrennt von mir. Diese einzigartige Beziehung unveränderlicher
Gleichartigkeit besteht zwischen uns. Kurz gesagt ist das die ganze
Wahrheit unserer Existenz.

18
14. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Du bist die unerschöpfliche Fontäne aus Nektar in der schönsten
Form; vollkommen Süße, welche kein Ende kennt, wohnt in Dir. Du bist
der grenzenlose Ozean der Göttlichkeit. Immerwährend wohnt aller
reiner Heldenmut in Dir.
Als ein Ozean aller höchsten Tugenden wirfst Du Deine Wogen nach
allen Seiten in unendlicher Ausdehnung. Du bist eine unvergleichliche
Schatzkammer aller transzendenten Seligkeiten, ein vollkommener
Liebhaber der Schönheit, unendliche Glückseligkeit in Person.
Derjenige, welcher unermesslich, unbegrenzt und ungebunden ist, was
Vortrefflichkeit und Glückseligkeit anbetrifft, bedarf somit auf keinerlei
Weise irgendeiner Tugend oder Seligkeit.
Ich jedoch habe absolut keine Tugenden, bin grob in den Manieren,
und bäurisch in jeder Beziehung. Ich lasse Schönheit und Süße vermissen,
bin rau, hässlich und eine wahre Wohnstätte aller Übel.
Ich habe nichts, womit ich Dir Entzücken spenden kann, womit ich
Dich bezaubern kann, womit ich Dich anbeten und ehren kann.
Und doch behaupte ich etwas zu haben, das andere nicht mit mir
teilen, das wirklich kein Ende kennt und nicht seinesgleichen findet. Das
ist, dass Du mir immer teuer bist. Obgleich an sich unbedeutend, ist es zu
gleicher Zeit doch etwas von großer Tragweite.
Dies allein genügte, Dich zu bezaubern, und Du nahmst mich als Dein
Eigen an. Du kamst aus Deinem eigenen freien Willen und botest Dich
mir selbst an ohne die geringste Überlegung.


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Ganz und gar Deine höhere Natur und Göttlichkeit vergessend, sowie
alle Deine Ansprüche auf Herrentum, trafst Du mich, unbedeutend wie ich
bin, auf gleicher Ebene, indem Du selber unbedeutend wurdest und alle
Bedenken abschütteltest,
als wärest Du ganz ungeduldig, mich zu treffen und äußerst ruhelos.
Noch viel mehr – Deine wahre Natur, Dein allumfassendes Wesen
vergessend, fingst Du an, Tränen zu vergießen.
Dich unruhig fühlend und Dich selbst anklagend mit unbegründeter
Erregung suchtest Du das Ufer des Flusses reiner Liebe auf und begannst,
tief darin unterzutauchen, gegen jegliche Nachsicht verstoßend und alle
gesellschaftlichen Schranken zerschmetternd.
Der heilige Strom der Liebe erhob sich in unbändigem Maße,
überflutete seine Ufer und breitete sich überall aus. Alle Gegensätze lösten
sich darin auf, und da war kein Ende und kein Anfang irgendwo zu
sehen.
Die Unterscheidung zwischen Liebendem, Liebe und höchstem
Geliebten verschwand aus Deinem Geist, und Du warst in Ekstase
verloren. Du hattest kein Bewusstsein, nicht einmal, ob ich allein, Dein
Liebling Radha, existierte, noch ob Du, mein geliebter Herr Krishna,
Nandas jugendlicher Sohn, allein übrigbliebst.

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15. KRISHNAS LIEBESBETEUERUNG AN RADHA
Radha, Du bist mein einziger, ebenbürtiger Partner; niemand anders
kann sich irgendwo mit Dir vergleichen. In Dir braust ein unerschöpflicher
Ozean an nektargleicher Liebe, welcher kein Ende oder Anfang kennt.
Ich bleibe immer darin versunken und steige niemals zur Oberfläche.
Durch Deinen Willen allein werde ich gelegentlich hoch auf die Wellen
geworfen.
Aber auch jene Wellen singen nur Deine freudenspendende Herrlichkeit.
Ihr ganzer Reiz und ihre Süße wird einzig von Dir bestimmt.
Doch wenn ich auch auf ihrer Außenseite schaukle, so komme ich
natürlich nur zur Oberfläche, um Dir Freude zu bereiten.
Du ergießt verschwenderisch Gnade über mich, oh meine Königin, die
keine Rivalin hat! Du befeuerst die Augenblicke meines Lebens, indem
Du mich jederzeit an Deiner Seite behältst.
Indem Du mit unergründlichen Augen meine guten Seiten siehst,
bleibst Du immer damit beschäftigt, mich zu verherrlichen. Du steigerst
meine einzige Freude immerdar und durchflutest meine Brust mit
grenzenloser Fröhlichkeit.
Ich bin immer, immer, immer Dein, kein anderer irgendwo auf der Welt
kann jemals den geringsten Anspruch auf diesen, Deinen ewigen und
ausschließlichen Diener erheben.
Ich will immer nach Deiner Flöte tanzen. Das ist meine einzige, heilige
Pflicht, dies entspricht meiner angeborenen Natur und ist meine einzige
natürliche Beschäftigung.
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16. RADHAS LIEBESBETEUERUNG AN KRISHNA

Du bist der Arbeiter und ich ein von Dir gemachtes Instrument. Ich bin
eine Puppe und Du der Drahtzieher. Du lässt mich handeln, sprechen und
tanzen, wie Du willst.
Ich handle, spreche und tanze immer nur, wie es Dein Wille
vorschreibt, ohne Ichbewusstsein. Meine Seele ist still – nein, ich habe gar
keine eigene Seele. Ich bin ein Spielzeug ohne Eigenwillen, und Du bist
der Spielende.
Ich bin stumm, für ewig unfähig zu handeln und mich zu rühren, und
für immer frei von krankhaften Neigungen. Tue jederzeit, was immer Dir
gefällt, ohne irgendwelche Bedingungen oder Einschränkungen von
meiner Seite.
Leben und Tod bedeuten nichts für mich. Und was frage ich nach Ehre
und Schmach? All dies ist nichts als ewiger Zeitvertreib für Dich, der Du
so voll Glückseligkeit bist, mein einzig Geliebter!
Mich zu einem Spielzeug in Deinen Händen machend, hast Du mich
aufs höchste gesegnet. Aber wer bin ich, sogar das zu glauben oder zu
wissen? Du allein kennst Deine eigenen Angelegenheiten und
Handlungen.
Sogar während ich gerade dies geäußert habe, weißt Du, wer in mir
wirkt. Du bist es, der Du mich zu Deinem Organ gemacht hast, der aus mir
wie ein plapperndes Mädchen sprach. Ich für meinen Teil bin frei von
Verantwortung und stumm.
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NACHWORT
Diese Gesänge stellen die die Seele gefangen nehmenden Gefühle der
Herrin Radha dar, welche nichts anderes ist als die Verkörperung der
höchsten Liebe, und des Herrn Krishna, die höchste Glückseligkeit in
Person, und geben ihrer transzendenten und wohltuenden Sehnsucht
Ausdruck, die voll tiefgründiger Liebe und mit Demut geschmückt ist.
Indem sie ganz einfach alles füreinander aufgegeben haben, haben
beide die Rolle übernommen, sich aneinander zu erfreuen mit Herzen, die
von Liebe überfließen.
Beide stellen ewig füreinander sowohl den Liebenden als auch den
Geliebtesten dar. Sie sind dauernde, unerschöpfliche, unvorstellbare,
heilige und unerklärliche Brunnen der Liebe.
Jede Freude und jeden Kummer begrüßen beide erfreut, sofern diese nur
eine Quelle des Glücks für den höchst Geliebten sind. Alle anderen
falschen Hindernisse für das eigene Glück sind ganz natürlich
verschwunden.
Die Süße der Liebe, die zwischen dem Herrn Krishna und der Herrin
Radha besteht, ist unsagbar und unvorstellbar. Die vorangehenden
16 Gesänge geben nur eine schwache Vorstellung davon, so wie die Nähe
des Neumondes dem Ast eines Baumes nur dazu dient, ihn seine Stellung
fühlen zu lassen, der jedoch selbst unfähig ist, ihn (den Mond) wahrzunehmen.
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Über den Autor der Radha Madhavas
Sri Hanumanprasadji Poddar wird von vielen als großer Heiliger
betrachtet, welcher dazu beitrug, die Religion und Kultur seines Landes
neu zu beleben. Er wurde am 17. September 1892 in Shillong/Assam im
Nordosten Indiens geboren. Sein Widerstand gegen die englische Besatzung
veranlasste die Regierung im Jahre 1916 dazu, ihn für 21 Monate
zu verhaften. In dieser Zeit geschah es, dass er sich Gott zuwandte. 45
Jahre lang gab er eine bekannte Zeitschrift über Religion und Liebe zu
Gott heraus („Kalyan“ in Hindi) und leitete auch die Veröffentlichung
einer ähnlichen Zeitschrift in englischer Sprache („Kalyan Kalpataru“).
Außerdem verfasste er zahlreiche Werke in Prosa und Gedichte, die
jedoch seinen Namen meistens nicht trugen, da er sich in keiner Weise
hervortun wollte. Seine spirituelle Größe erhob sich über die verschiedenen
Kasten und Glaubensrichtungen. Sri Hanumanprasadji Poddar gab
auch den Hauptanstoß zu den zahlreichen Veröffentlichungen der Gita
Press, die damit die Upanishaden, die Puranas, das Mahabaratam, das
Ramayana und viele religiöse Schriften ganz Indien zugänglich machte.
Es existiert heutzutage kaum eine gebildete Familie in Indien, bei der man
kein Buch der Gita Press findet. Der Eifer von Sri Hanumanprasadji
Poddar war die maßgebliche Ursache für diese Verbreitung. Sri Poddarji
verließ seinen Körper am 22. März 1971 in Gita Vatika, Gorakhpur, wo
ein ehrwürdiges Denkmal über seiner heiligen Asche errichtet wurde, das
zu einem Ort der Pilgerschaft geworden ist.


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